Bastei , die , ein paar Stufen tiefer als der Hof , über dem senkrechten Abgrunde ragte , durch welchen die Bergflut in ungeheurem Sturze zu Tale fiel . Sie setzte sich auf die breite Platte der Brüstung , blickte , den Arm vorgestützt , in den schneeweißen Gischt hinein , der ihr mit seinem feinen Regen die Wange kühlte , und hörte in dem Tumulte der Tiefe nur wieder den Jubel und die Ungeduld des eigenen Herzens . Im Hofe hinter ihr ging inzwischen die rechtliche Handlung ihren Schritt und Rede und Gegenrede folgte sich , rasch und doch gemessen , nach dem Winke der Richterin . » Hier steht der Sohn des Comes . Ihr seid ihm die Wahrheit schuldig . Saget sie . Habet ihr das Bild jener Stunde ? « » Als wäre es heute « – » Ich sehe den Comes vom Rosse springen « – » Wir alle « – » Dampfend und keuchend « – » Du kredenztest « – » Drei lange Züge « – » Mit einem leerte er den Becher « – » Er sank « – » Wortlos « – » Er lag . « » Bei eurem Anteil am Kreuze ? « fragte sie . » So und nicht anders . Bei unserm Anteil am Kreuze ! « antwortete der vielstimmige Schwur . » Wulfrin , ich bitte dich , du blickst zerstreut ! Wo bist du ? Nimm dich zusammen ! « Hastig und unwillig erhob er die Hand . Die Richterin faßte ihn am Arm . » Kein Leichtsinn ! « warnte sie . » Frage , untersuche , prüfe , ehe du mich freigibst ! Du begehst eine ernste , eine wichtige Tat ! « Wulfrin machte sich von ihr los . » Ich gebe die Richterin frei von dem Tode des Comes und will verdammt sein , wenn ich je daran rühre ! « schwur er zornig . Der Burghof begann sich zu leeren . Wulfrin starrte vor sich hin und vernahm , so überzeugt er von der Unschuld der Richterin war und so erleichtert , mit einer häßlichen Sache fertig zu sein – dennoch vernahm er aus seinem Innern einen Vorwurf , als hätte er den Vater durch seinen Unmut und seine Hast preisgegeben und beleidigt . So stand er regungslos , während die Richterin langsam auf ihn zutrat , sich an seiner Brust emporrichtete und ihm Kette und Hifthorn leicht über das Haupt hob . » Als Pfand meiner Freigebung und unsers Friedens « , sagte sie freundlich . » Ich kann seinen Ton nicht leiden . « Und sie schritt durch den Hof die Stufen hinunter und hinaus auf die Bastei und schleuderte das Hifthorn mit ausgestreckter Rechten in die donnernde Tiefe . Jetzt kam Wulfrin zur Besinnung und eilte ihr nach , das väterliche Erbe zurückzufordern . Er kam zu spät . In den betäubenden Abgrund blickend , der das Horn verschlungen hatte , hörte er unten einen feindlichen Triumph wie Tuben und Rossegewieher . Sein Ohr hatte sich in den Ebenen der lauten Rede entwöhnt , welche die Bergströme führen . Als er wieder aufschaute , war die Richterin verschwunden . Nur Palma stand neben ihm , die ihn umhalste und herzlich auf den Mund küßte . » Laß mich ! « schrie er und stieß sie von sich . Drittes Kapitel Drittes Kapitel An einem Fenster von Malmort , durch welches der Talgrund mit seinen Türmen und Weilern als duftige Ferne hereinschimmerte , stand die Richterin mit Wulfrin und zeigte ihm die Größe ihres Besitzes . » Das beherrsche ich « , sagte sie , » und Palma nach mir . Dich aber , Wulfrin , habe ich schon ehevor dazu ausersehen – wie es auch deine brüderliche Pflicht ist – der Schwester , wenn ich stürbe , dieses weite Erbe zu sichern . « » Planvoll , aber ferneliegend « , sagte er . » Fern oder nahe . Du bist ihr natürlicher Beschützer . Ich kann mein Kind keinem Mächtigen dieses Landes vermählen , denn sie sind ein zuchtloses und sich selbst zerstörendes Geschlecht . Ich bände sie an den Schweif eines gepeitschten Rosses ! Ringsherum keine Burg , an der nicht Mord klebte ! Soll mir mein Kind in einem Hauszwist oder in einer Blutrache untergehen ? Ja , fände ich für sie einen Guten und Starken wie du bist , dann wäre ich ruhig und könnte dich freigeben , du hättest weiter keine Pflicht an ihr zu erfüllen . Ich weiß ihr keinen Gatten als allein Gnadenreich , und der besitzt das Land , nach der Verheißung , als ein Sanftmütiger , kann es aber gegen die Gewalttätigen nicht behaupten , deren Zahl hier Legion ist . Erst seine Söhne werden kraft meines Blutes Männer sein . Bis diese kommen und wachsen , wirst du schon deine gepanzerte Hand über Gnadenreich und Palma halten und die Herrschaft führen müssen . Denn ewig reitest du nicht mit dem Kaiser . Vielleicht auch , wer weiß , erhebt er dich zum Grafen über diesen Gau , oder dann erhältst du von mir eine Burg , jene « – sie wies auf einen Turm am Horizonte – » oder eine andere , nach deinem Gefallen . Oder du hausest hier auf meinem eigenen festen Malmort . « Sie legte ihm vertrauend die Hand auf die Schulter . » Aber , Frau « , sagte er , » du lebst ! « und sie erwiderte : » Solang ich lebe , herrsche ich . « » Dann hat es keine Eile « , antwortete er . » Daß der Schwester nichts geschehen darf , versteht sich und gelobe ich dir . Doch jetzt muß ich reiten , heute ! in einer Stunde ! « » Zum Kaiser ? Du hast ihm bereits meinen ortserfahrenen Rudio geschickt mit der sichern Kundschaft , daß die Lombarden sich am Mons Maurus befestigen und dort noch ein blutiger Sturm wird gegen sie