einen einsamen Meierhof erreichten , wo man uns Pferde und einen Führer gab . Als wir im Frührot in das Tor der Burg einritten , aus welcher gestern der König zur Jagd gezogen war , und ich ihm den Bügel hielt , gab er mir aus leuchtenden Augen einen Blick und während seine Linke mir den Mund zuschloß , warf mir seine Rechte eine mit Edelsteinen besetzte Spange zu , die er sich vom Hute gerissen . Das Gold , das er im Beutel trug , hatte er alles dem alten Äscher in die Hände geschüttet . Das war der Anfang . Aber von der Sonnenwende jenes Jahres bis zu seinen fallenden Blättern habe ich den König oft durch jenen friedlichen Forst begleitet und den Ritt häufiger noch allein gemacht , um seinen Besuch anzusagen oder die Zeichen seiner brünstigen Liebe , seltene Perlen des Meeres und was der Erdenschoß Kostbares gibt , seiner verborgenen Buhle zu überbringen . Ohne daß ich diese je erblickt oder den Burghof betreten hätte ! Nur an der Pforte verkehrte ich mit dem alten Äscher , der freilich jedesmal , wenn er meiner ansichtig wurde , erbärmlich seufzte , aber weder den Gehorsam weigerte , noch je zurückwies , was aus der königlichen Hand auf seine Seite fiel . Ich hatte strenges Verbot , auf diesen Pfaden mich bei Tageslichte blicken zu lassen ; auch gehörten sie zu den einsamsten , die ich je geritten bin . Keiner lebendigen Seele bin ich darauf begegnet , als etwa im Morgengrauen einem ätzenden Wilde und zweimal , da ich mich verspätet hatte , einsamen Waldfahrern . Der Mond hatte gewechselt seit Beginn dieses Abenteuers , als eines Tages mein brauner Hans sich einen Hinterfuß verstauchte . Ich liebte das Tier wie einen Bruder und blieb bei ihm in der Meierei zurück , bis ich um dasselbe außer Sorge sein konnte . Dann schlug ich den Rückweg zu Fuß ein . Rasch eilte ich von hinnen . Es war klarer Tag , als ich eine weite grüne , von spottenden Echostellen umgebene Lichtung durchschritt , an deren Ende ein dort beginnender Felsweg vom Hufschlag eines Pferdes erklang . Ich schlug mich schnell ins Gebüsch und legte mich auf den Bauch , die Augen spähend auf den langen Wiesenpfad gerichtet . Und ich erblickte dort den arabischen Schimmel des Kanzlers , von seinem Herrn langsam und lässig gelenkt . Das schöne Tier schnoberte wollüstig und sog mit geöffneten Nüstern die Morgenluft und den Waldgeruch ein . Herr , ich war nicht überrascht , den Kanzler auf diesen grünen Wegen zu finden . Ich war darauf gefaßt , seiner früher oder später ansichtig zu werden , wie er diese Straße fahre ; denn die Zierfeste wurde von seinem Knechte gehütet , und ihre maurische Bauart , die ausländischen Bäume des Burggartens , das jagdfreie Wild ringsherum hatten mich längst über den Erbauer ins Gewisse gebracht . Daraus hatte auch der König am ersten Tage erraten , wer hier etwas Liebes versteckt halte . Ich will mich nicht besser machen , als ich bin . Es ergötzte mich , diesen Vater der Weisheit und tiefen Gelehrten auf etwas Menschlichem zu betreffen , und daß ihm Herr Heinrich , der einzige , der es ungestraft durfte , ins Gehege gekommen , das ließ mich in Sicherheit lachen . Auch ist es seit grauen Zeiten angenommen , daß in Buhlschaft und Liebeswette Kleriker und Gelehrte ausgestochen werden von Fürsten und Kriegsleuten . Sicherlich jedoch ließ ich von meiner Wissenschaft gegen Herrn Heinrich nichts merken , weder mit einer schlauen Anspielung , noch mit einem lustigen Gesichte ; denn es gibt Grenzen , Herr , im gefährlichen Umgange eines Knechtes mit einem König , selbst dem leutseligsten . In der Stille meiner Gedanken ergötzte mich ein Tun , das ich für einen fürstlichen Mutwillen hielt ; aber ich verwickelte mich in einen Greuel und in eine Torheit , die Herrn Heinrich die Krone , das Leben und – wehe – seiner Seele Seligkeit gekostet hat . Versteht , Herr , ich meinte , der Kanzler hätte sich eine reife süße Traube aus irgendeinem besonderen aquitanischen Weinberge in den englischen Nebel herübergeholt , und wenn er nun an ihr die gefaulten Beeren entdecke , schiebe er sie gleichgültig und höchstens , als ein Zärtling , mit etwas Ekel auf die Seite . Schon sah ich ihn , wie er , seinen König und Schöpfer als Nebenbuhler findend , mit einer höfischen , leise verächtlichen Miene aus den Schranken trat . Dergestalt gewahrte ich in diesem Verrate wenig Übel und keine Gefahr . Mit schadenfroher Neugier blickte ich aus meinem Versteck zu dem langsamen Reiter hinüber , der seit wenigen Tagen aus Canterbury zurückgekommen war , wo ihm die Pfaffen des Königs zu tun gegeben hatten , und der jetzt seine Nächte in Windsor über den während seiner Abwesenheit liegengebliebenen Geschäften zubrachte . Bei dem gleichmäßig milden Scheine einer griechischen Ampel schrieb er unermüdet , so daß der König , wann er aus unruhigem Schlafe auffuhr , über den Hof hinweg den für ihn und das Reich Sorgenden erblicken konnte . Aber ist er ' s ? Ist dies der verschlossene Kanzler mit den kalt prüfenden Blicken und den Staatssorgen , fragte ich mich verwundert , oder ein andächtiger Ritter und Pilger nach dem heiligen Grale ? – Ihr kennet die Mär von dem Kelch mit dem kostbaren Blute , der , unter süßem Getön vom Himmel sinkend , auf Montsalvatsch sich niedergelassen hat ? – In den blassen , träumenden Zügen lag eine selige Güte und das Antlitz schimmerte wie Mond und Sterne . Sein langes Gewand von violetter Seide floß in priesterlichen Falten über den Bug des silberfarbenen Zelters , der , sonst nach dem feurigen Schalle der Zinken und Pauken zu tanzen gewöhnt , heute langsam den weichen Pfad beschritt und den zierlichen Fuß hob wie nach dem Tone der Flöten , welche die verborgenen Waldgötter spielen . Ich entsetzte mich ob