. » Daß du hier neben mit sitzest , hast du nur ihr zu danken ! Du bist ihr eine dicke Kerze schuldig ! « – Ich zuckte die Achseln . » Ungläubiger ! « rief er , und zog , in meine linke Brusttasche langend , triumphierend das Medaillon daraus hervor , welches er um den Hals zu tragen pflegte , und das er heute morgen während seiner heftigen Umarmung mir heimlich in das Wams geschoben haben mußte . Jetzt fiel es mir wie eine Binde von den Augen . Die silberne Münze hatte den Stoß aufgehalten , der mein Herz durchbohren sollte . Mein erstes Gefühl war zornige Scham , als ob ich ein unehrliches Spiel getrieben und entgegen den Gesetzen des Zweikampfes meine Brust geschützt hätte . Darein mischte sich der Groll , einem Götzenbilde mein Leben zu schulden . » Läge ich doch lieber tot « , murmelte ich . » als daß ich bösem Aberglauben meine Rettung verdanken muß ! « – Aber allmählich lichteten sich meine Gedanken . Gasparde trat mir vor die Seele und mit ihr alle Fülle des Lebens . Ich war dankbar für das neu geschenkte Sonnenlicht , und als ich wieder in die freudigen Augen Boccards blickte , brachte ich es nicht über mich , mit ihm zu hadern , so gern ich es gewollt hätte . Sein Aberglaube war verwerflich , aber seine Freundestreue hatte mir das Leben gerettet . Ich nahm von ihm mit Herzlichkeit Abschied und eilte ihm voraus durch das Tor und quer durch die Stadt nach dem Hause des Admirals , der mich zu dieser Stunde erwartete . Hier brachte ich den Vormittag am Schreibtische zu , diesmal mit der Durchsicht von Rechnungen beauftragt , die sich auf die Ausrüstung der nach Flandern geworfenen hugenottischen Freischar bezogen . Als der Admiral in einem freien Augenblicke zu mir trat , wagte ich die Bitte , er möchte mich nach Flandern schicken um an dem Einfalle teilzunehmen und ihm rasche und zuverlässige Nachricht von dem Verlaufe desselben zu senden . » Nein , Schadau « , antwortete er kopfschüttelnd , » ich darf Euch nicht Gefahr laufen lassen , als Freibeuter behandelt zu werden und am Galgen zu sterben . Etwas anderes ist es , wenn Ihr nach erklärten Feindseligkeiten an meiner Seite fallen solltet . Ich bin es Euerm Vater schuldig , Euch keiner andern Gefahr auszusetzen , als einem ehrlichen Soldatentode ! « – Es mochte ungefähr Mittag sein , als sich das Vorzimmer in auffallender Weise füllte und ein immer erregter werdendes Gespräch hörbar wurde . Der Admiral rief seinen Schwiegersohn , Teligny , herein , der ihm berichtete , Graf Guiche sei diesen Morgen im Zweikampfe gefallen , sein Sekundant , der verrufene Lignerolles , habe die Leiche vor dem Tore St. Michel durch die gräfliche Dienerschaft abholen lassen und ihr , bevor er sich flüchtete , nichts anderes zu sagen gewußt , als daß ihr Herr durch die Hand eines ihm unbekannten Hugenotten gefallen sei . Coligny zog die Brauen zusammen und brauste auf : » Habe ich nicht streng untersagt – habe ich nicht gedroht , gefleht , beschworen , daß keiner unsrer Leute in dieser verhängnisvollen Zeit einen Zwist beginne oder aufnehme , der zu blutigem Entscheide führen könnte ! Ist der Zweikampf an sich schon eine Tat , die kein Christ ohne zwingende Gründe auf sein Gewissen laden soll , so wird er in diesen Tagen , wo ein ins Pulverfaß springender Funke uns alle verderben kann , zum Verbrechen an unsern Glaubensgenossen und am Vaterlande . « – Ich blickte von meinen Rechnungen nicht auf und war froh , als ich die Arbeit zu Ende gebracht hatte . Dann ging ich in meine Herberge und ließ mein Gepäck in das Haus des Schneiders Gilbert bringen . Ein kränklicher Mann mit einem furchtsamen Gesichtchen geleitete mich unter vielen Höflichkeiten in das mir bestimmte Zimmer . Es war groß und luftig und überschaute , das oberste Stockwerk des Hauses bildend , den ganzen Stadtteil , ein Meer von Dächern , aus welchem Turmspitzen in den Wolkenhimmel aufragten . » Hier seid Ihr sicher ! « sagte Gilbert mit feiner Stimme und zwang mir damit ein Lächeln ab . » Mich freut es « , erwiderte ich , » bei einem Glaubensbruder Herberge zu nehmen . « – » Glaubensbruder ? « lispelte der Schneider , » sprecht nicht so laut , Herr Hauptmann . Es ist wahr , ich bin ein evangelischer Christ , und – wenn es nicht anders sein kann – will ich auch für meinen Heiland sterben ; aber verbrannt werden , wie es mit Dubourg auf dem Grèveplatze geschah ! – ich sah damals als kleiner Knabe zu – hu , davor hab ich einen Schauder ! « – » Habt keine Angst « , beruhigte ich , » diese Zeiten sind vorüber , und das Friedensedikt gewährleistet uns allen freie Religionsübung . « » Gott gebe , daß es dabei bleibe ! « seufzte der Schneider . » Aber Ihr kennt unsern Pariser Pöbel nicht . Das ist ein wildes und ein neidisches Volk und wir Hugenotten haben das Privilegium sie zu ärgern . Weil wir eingezogen , züchtig und rechtschaffen leben , so werfen sie uns vor , wir wollen uns als die Bessern von ihnen sondern ; aber , gerechter Himmel ! wie ist es möglich die zehn Gebote zu halten und sich nicht vor ihnen auszuzeichnen ! « Mein neuer Hauswirt verließ mich und bei der einbrechenden Dämmerung ging ich hinüber in die Wohnung des Parlamentrats Ich fand ihn höchst niedergeschlagen . » Ein böses Verhängnis waltet über unsrer Sache « , hub er an » Wißt Ihr es schon , Schadau ? Ein vornehmer Höfling , Graf Guiche , ward diesen Morgen im Zweikampfe von einem Hugenotten erstochen . Ganz Paris ist voll davon und ich denke , Pater Panigarola wird die Gelegenheit nicht versäumen , auf uns alle als auf