aus , so schlank ich kann . Wuchs und Gebärde dieser Virago sind nicht mein Stil . Auch kann sie mich nicht lieben , denn sie denkt über mich , wie du . Und mit Recht , denn ich weiß nichts davon , daß ich mich geändert hätte , seit sie mich vor allem Volke bejammert hat ! « Weit entfernt , daß dieses Geständnis den Kardinal beruhigt hätte , blies es vielmehr anfachend in die Flamme seiner Eifersucht . Er traute den Worten Don Giulios , denn er wußte , daß dieser trotz seiner Übertretungen eine innerlich unverfälschte und wahrhafte Natur geblieben war , und er sagte sich , daß dieser Wunderquell , in dessen Tiefe man durch seine leuchtenden Augen hinunterblicken konnte , für die wahrheitsdurstige Angela eine geheime Anziehungskraft haben mußte , ohne welche sie nicht hingerissen worden wäre , den aus dem Kerker Steigenden auf offenem Markte zu mißhandeln und zu beklagen . Seine Eifersucht wurde zur Wut , als Don Giulio unschuldig fortfuhr : » Nein , Bruder , ich rede nicht aus Neigung ! « Er legte beteuernd die Hand aufs Herz . » Bei Bacchus ! Das Mädchen ist mir so gleichgültig wie Göttin Diana ! Nur hat man sein Erbarmen mit jedem weiblichen Geschöpfe – was soll aus ihr werden bei deiner rasenden Liebe zu ihr ? Heiraten kannst du sie nicht – du bist ein Priester ! Gewinnen noch weniger , denn sie ist keusch und tapfer ! Was bleibt ? Was bereitest du ihr ? Du wirst sie töten ! « Seine Stimme hatte einen so warmen , mitleidigen Klang , daß der Kardinal darüber in Raserei geriet . » Wer sagt dir , Bube « , wütete er , » daß ich sie töten werde ! Was hindert mich , dies hier « , er packte mit beiden Fäusten den Purpur über seiner Brust , » in Fetzen zu reißen und Angela als mein Weib an das Herz zu drücken ? Ich bin jung genug dazu , und ich speie auf das kirchliche Gaukelspiel ! « ... » Gelassen , Bruder ! « mischte sich endlich der Herzog in den Zweikampf . » Das tust du nicht . Daß du ein Weib bis zur Raserei liebst , darf dir begegnen . Es ist eine menschliche Plage – eine Krankheit – ein Unglück ! Eine verspätete Verweltlichung aber zum Behufe einer Heirat wäre ein Ärgernis – ein Spott ! Und du darfst dich nicht verhöhnen lassen , du Stolzer ! Was Donna Angela betrifft , die ein wertvolles Mädchen ist , so wird die Herzogin sich damit beschäftigen , sie standesgemäß zu versorgen , wozu sie als Verwandte verpflichtet ist . Und du , Kardinal , wirst Donna Angela unter dieser Obhut in Ruhe lassen , aus Ehrerbietung für Donna Lucrezia , die du scheust und achtest . « » Die ich scheue und achte ! « wiederholte der Kardinal gedankenabwesend . » Und mit wem wird Donna Lucrezia sie vermählen ? erkühne ich mich zu fragen . « » Das überlassen wir ihrer Klugheit « , sagte der Herzog . » Ich für mein Teil denke , es wäre nicht unweislich gehandelt , sie dem Grafen Contrario zu geben . « Nun war es seltsam , wie bei der Nennung dieses in Italien Reichtum und Ehrbarkeit bedeutenden Namens beide feindlichen Brüder in ein einträchtiges und einstimmiges Hohngelächter ausbrachen . Dann aber wandte sich der Kardinal mit erneuter Wut gegen seinen Mitlacher . » Es sei ! « schrie er . » Donna Lucrezia verfüge ! Sie wird etwas anderes finden , oder Donna Angela sich selbst besser beraten . Wenn nur dieser Auswurf der Este « , er deutete auf den jungen Bruder , » aus dem Spiele bleibt ! « Und so tötende Blicke schoß er gegen ihn , daß dieser erbleichte . Jetzt schwindelte Ippolito auf dem Gipfel seines Hasses ; er fühlte , daß er die Besinnung verliere und einer Ohnmacht nahe sei . Sich an die Stuhllehne des Herzogs klammernd , keuchte er in abgebrochenen Worten : » Wenn dir dein Leben lieb ist , Bruder , so entweiche aus meinem Gesichtskreis ! Verlaß Ferrara ! Noch zu dieser Stunde ! ... Jetzt gleich ! ... Geh ! ... « Don Giulio betrachtete den Kardinal mit erschrockenen Augen . Ihm schien , daß ihn dieser unwillkürlich und aufrichtig warne vor den mörderischen Ausbrüchen seines Hasses , und er beschloß , ihm zu gehorchen . » So tue ich , Kardinal ! « sagte er und wollte sich entfernen . Doch der Herzog gebot anders . » Keine Übereilung ! « hielt er ihn zurück . » Nichts Auffallendes ! Nichts , was Mutmaßungen und Gerede verursachen könnte ! Begebt Euch jetzt in den Kreis der Herzogin . Unterhaltet sie und lasset gelegentlich einfließen , Eure Lust am Kriegswesen sei wieder erwacht , und da jetzt die Euerm Dienste in Venedig entgegenstehenden Staatsgründe weggefallen wären , so kehrtet Ihr dahin zurück . Ich hätte Euch Urlaub gegeben , wenn auch ungern . « Don Giulio verneigte sich gehorsam . Da ließ sich draußen eine scharfe Stimme vernehmen , und alle drei wendeten sich gegen den Eingang der Kammer . Es war Don Ferrante , der Einlaß begehrte und in meckernden Tönen zu rezitieren begann , denn neben andern Torheiten huldigte er auch der , zuweilen in Versen zu reden : » Holdsel ' ger Anblick , selten , aber wahr : Drei Brüder schließen liebend sich zusammen , Die von verschieden schönen Müttern zwar , Doch von demselben edeln Vater stammen ! Sie würgen sich und sie ersticken gar Sich in Umarmungen und Liebesflammen . So groß ist ihr Verlangen und Entzücken , Sich gegenseitig an die Brust zu drücken ! Der vierte kommt , den dreien anzusagen , Daß im Boskett , wo Amor liegt in Banden , Wo die Gelehrten unsrer Fürstin tagen , Ein philosophischer Disput entstanden . Es handelt sich um nadelspitze