Stimme , als am oberen Treppengeländer der junge Werner erschien , „ hier hast Du den schlagendsten Beweis , daß meine wohlgemeinten Vorstellungen begründet gewesen sind . Mit diesem Jacob hast Du Dir – mich will ich gar nicht nennen – eine wahre Ruthe aufgebunden . Unter dem Vorwand , ihn zu besuchen , schleicht sich bei Nacht und Nebel allerhand Volk in ’ s Haus , und man wird künftig genöthigt sein , über jeden silbernen Löffel die Hand zu halten . “ Bei dieser abscheulichen Schlußwendung trat Magdalene rasch gegen die Sprechende vor . Das Tuch war vom Kopf auf die Schultern gesunken , und so stand sie mit sprühenden Augen , das ideale Haupt hoch gehoben , vor der alten Frau , welche sie erschrocken und verblüfft ansah . Zugleich war Werner die Treppe herabgesprungen . Eine flammende Röthe bedeckte sein Gesicht , und als er zu sprechen anfing , bebte seine Stimme wie im heftigen Zorn . „ Was fällt Ihnen ein , Tante , “ rief er , „ diese Leute ohne Weiteres so zu beleidigen ? … Ist es ein Verbrechen , wenn sie Bekannte aufsuchen ? … Ich habe Ihnen bereits einigemal erklärt , verehrteste Frau Tante , “ fuhr er fort , und sein Ton klang spöttisch , „ daß ich durchaus nicht leide , wenn Sie mir den Jacob anfechten , und sehe mich in diesem Augenblick genöthigt , diese Erklärung insofern zu vervollständigen , als ich auch Diejenigen unangefochten sehen will , mit denen er verkehrt . “ Mit diesen Worten schritt er nach der Hausthür , öffnete sie und sagte mit einer leichten Verbeugung den zwei Frauen gute Nacht , die eiligst hinausschlüpften . Bald nachher entlud sich ein heftiges Gewitter über der Stadt ; und wenn die gelben Blitze um das alte Kloster zischten und die kleine Kammer Magdalenens tageshell durchflammten , da beleuchteten sie das Mädchen , wie sie bleich , die Hände tief eingewühlt in das aufgelöste , reiche Haar , auf dem Bett saß – einem größeren inneren Sturm preisgegeben , als der war , der draußen an den alten Mauern rüttelte . „ Ach , Du lieber Gott , Jacob , ist das ein Schicksal mit dem Lenchen ! “ seufzte die Seejungfer einige Tage nach jenem Vorfall , indem sie Jacob ’ s Stübchen betrat . „ Ja , was ist denn mit dem Mädchen ? “ fragte Jacob erschrocken . „ Hättet Ihr denn geglaubt , daß mir das Mädchen das noch in meinen alten Tagen anthun würde ? “ entgegnete Suschen , und heiße Thränen liefen über ihre Wangen . „ Ich bin ein armes , geplagtes Weib mein Lebtag gewesen , “ fuhr sie fort , „ aber ich habe Alles geduldig auf meinen Rücken genommen , so wie mir ’ s unser Herrgott bescheert hat , aber jetzt wird mir ’ s zu viel … Das ist doch das Schlimmste , was ich nun noch erleben soll , das Lenchen will fort , will durchaus fort in die weite Welt , und ich soll nun wieder allein sein . Bin nun meine sechszig Jahre alt , muß jeden Tag auf mein selig Ende gefaßt sein , und habe keine Menschenseele , die mir die Augen zudrückt … Ach , ach ! “ „ Ja , wie kommt denn das Mädchen mit einem Mal auf den Gedanken ? “ fragte Jacob erstaunt . „ Ich weiß nicht , “ entgegnete die Seejungfer , indem sie ihre Augen mit dem Schürzenzipfel trocknete , „ aber sie ist gerade wie ausgewechselt seit dem Abend , wo die alte Räthin da drüben – na , die Strafe wird da auch nicht ausbleiben – so grob mit uns war . Das Mädchen ißt und trinkt nicht mehr , und gestern Abend , als wir still bei einander saßen und noch kein Licht angesteckt hatten , da legte sie ihren Arm um meinen Hals , wie sie als Kind immer gethan hat , wenn ich ihr was gab , oder sie ins Bett brachte … ‚ Liebe , gute Muhme , ’ sagte sie , ,Ihr habt mich lieb , gelt ? … Ich weiß es ja , so lieb , als ob ich Euer eigen Kind wäre … Eine gute , echte Mutter bringt ihrem Kind jedes Opfer und fragt nicht , ob es schwer oder leicht ist – gerade so habt Ihr ja auch immer an mir gehandelt … Und wenn nun so eine Mutter weiß , daß ihr Kind rechte Schmerzen leidet , und einsieht , daß es nur wieder gesund werden kann , wenn sie sich von ihm trennt , so – thut sie das auch , gelt , Muhme ? ’ Ach , Jacob , “ unterbrach sich die Seejungfer , und neue Thränen stürzten hervor , „ ich wußte zwar eigentlich noch nicht , wo sie hinaus wollte , aber so viel merkte ich doch , daß sie nicht mehr bei mir bleiben will , und da weinte ich bitterlich … Sie sagte mir nun , daß sie ’ s hier nicht mehr aushalten könne – die Menschen seien nicht gut gegen sie ; sie wolle in einer fremden Stadt einen Dienst suchen . Gelernt hätte sie ja ihre Sache und verspräche mir heilig , daß sie mir jeden Groschen , den sie verdiene , schicken wolle … All mein Zureden war in den Wind gesprochen , und als ich Licht gemacht hatte , da holte sie ihr Sparbüchschen aus dem Schranke und zählte das Geld – es waren sechs Thaler – wie sauer hat sie die verdient ! Sie meinte , damit käme sie freilich nicht weit , doch bis in eine andere größere Stadt reiche es vielleicht … Ach , Jacob , ich bitte Euch um Gotteswillen , “ wandte sich die Seejungfer an den Alten , „ redet dem Mädchen die Sache aus ! … Ich schlafe keine Nacht mehr ruhig , wenn ich das Lenchen