dich ! « Ein Geräusch in der Küche machte sie verstummen . Eine Magd war unterdessen mit einem Korbe voll Spinat eingetreten und schickte sich an , das Gemüse auf dem Küchentisch vorzurichten . Die Majorin ging hinüber , schickte das Mädchen hinaus und schob den Riegel vor die Türe , die nach dem Flur führte , dann kehrte sie zurück . Dem jungen Mann klopfte das Herz zum Zerspringen , als diese Frau im langwallenden Trauerkleid mit dem völlig entfärbten , aber in jedem Zug entschlossenen Gesicht , festen , raschen Schrittes auf ihn zukam , um » kurzen Prozeß zu machen « . Unwillkürlich fuhr seine Hand nach dem Medaillon . Ein kaltes Lächeln glitt bei dieser Bewegung um die Lippen seiner Mutter . » Kannst ganz ruhig sein – das unanständige Präsent da berühre ich ganz gewiß nicht mit meinen ehrlichen Händen – man weiß , wo die Brillanten der Tänzerinnen herzustammen pflegen ... Du wirst so verständig sein , auf meinen Wunsch und Willen hin , das Geschenk eigenhändig abzulegen , wenn nicht – dann wird nach schlimmen Erfahrungen eine Stunde kommen , in welcher du es voller Ekel von dir wirfst – « » Nie ! « rief er stürmisch , unter einem halb bitteren , halb jubelnden Auflachen – er hatte das Medaillon losgenestelt und drückte es inbrünstig an seine Lippen . » Narrenspossen ! « murmelte der Rat grimmig zwischen den Zähnen , während die Augen der Majorin plötzlich in verhaltener Leidenschaft flimmerten – Eifersucht durchschütterte diese anscheinend in Kaltsinn und nüchterner Berechnung gefestete Natur . » Narrenspossen ! – « wiederholte der Rat , als Felix das Andenken in der Brusttasche barg und mit zärtlich innigem Blick die Hand darauf preßte , als drücke er sein Mädchen selbst an das Herz . – » Schämst du dich gar nicht , vor uns ernsthaften Leuten solche Theaterstückchen aufzuführen ? – Ich begreife überhaupt nicht , wo du den Mut hernimmst , hier auf dem Klostergute , deiner respektablen Familie gegenüber , dergleichen Liaisons zu erwähnen , von denen andere junge Leute aus gutem Hause nicht zu reden pflegen – « » Onkel ! « unterbrach ihn der junge Mann , seiner nicht mehr mächtig . » Herr Referendar ? ! « höhnte der Rat kalt zurück . Er schlug die Arme unter , und sein blitzendes Auge fixierte unverwandt und verächtlich das glühende Gesicht des Neffen . » Du machst dich lächerlich mit deiner sittlichen Entrüstung , mein Sohn , « sagte die Majorin und griff gelassen nach der Rechten , die Felix in unwillkürlicher Drohung gehoben hatte . Sie war wieder der Gleichmut selbst ; weder Sohn noch Bruder hatte die unheimliche Flamme in ihrem Blick bemerkt . » Der Onkel hat recht – es gehört Mut dazu , vor uns von dieser Menschenrasse zu sprechen – « » Mehr Mut ganz gewiß nicht , als meine arme Lucile braucht , um ihrer Familie die Liebe zu mir einzugestehen , « unterbrach sie der junge Mann erbittert . » Madame Fournier macht ein Haus in Berlin , wie eine Fürstin ; ihre alte Mutter aus vornehmer , wenn auch verarmter Familie , präsidiert im Empfangssalon , den Persönlichkeiten aus den höchsten Ständen aufsuchen . Arnold von Schilling kann dir am besten sagen , daß wir beide in der glänzenden Gesellschaft meist sehr unbedeutende Nebenfiguren gewesen sind ... Und in diesem Kreise ist Lucile seit einem Jahre der Mittelpunkt , der Abgott aller . Sie ist schöner noch als ihre Mutter und ebenso talentvoll ; für Mutter und Großmutter ist sie ein aufgehender Stern – « » Willst du mir nicht sagen , welche Rolle die Ehefrauen der Besucher in Madame Fourniers Salon spielen ? « unterbrach die Majorin kurz und schneidend die Schilderung . Ihr Sohn schwieg bestürzt , und seine Augen suchten unsicher den Boden . » Die meisten dieser Herren sind unverheiratet – « » Und die verheirateten lassen ihre ehrbaren Frauen zu Hause , « ergänzte sie mit einem unbeschreiblichen Gemisch von unterdrücktem Groll und eisiger Verachtung . » Wenn du glaubst , mich mit der erzwungenen , kläglich nachgeäfften Vornehmheit dieses Tänzerinnensalons zu blenden , da irrst du dich gründlich – ich kenne die Lockerheit , den Sumpf hinter der gemalten Leinwand , und diese Kenntnis habe ich teuer genug erkauft . « Felix schrak zusammen vor dem grellen Licht , das diese Worte in das Dämmerdunkel seiner Kindererinnerungen , über gewisse unbegriffene Vorgänge im Königsberger Elternhause warfen – jetzt verstand er sie ; jetzt wußte er , weshalb sich die Mutter , bis zur Unkenntlichkeit vermummt und verschleiert , spät abends von seinem Bettchen weggestohlen hatte – sie war heimlich dem Vater nachgegangen ... Diese Erkenntnis raubte ihm den letzten Rest von Hoffnung – es galt nicht allein mehr , gegen » spießbürgerliche Vorurteile « anzukämpfen , die beleidigte Ehefrau , die sich in ihren Rechten durch jene » Menschenklasse « beeinträchtigt gesehen hatte , stand in starrer Unversöhnlichkeit vor ihm . Dennoch überkam ihn eine Art von Verzweiflungsmut . » Ich darf und will dein strenges Urteil nicht anfechten , weil ich nicht weiß , was du erlebt hast , « sagte er , sich die äußere Fassung erzwingend . » Im Grunde denke ich ja ähnlich – obgleich ich schwören kann , daß im Fournierschen Hause Anstand und Sitte nie verletzt werden – aber ich will auch mein Mädchen nicht von der Bühne weg heiraten , und deshalb bin ich jetzt hierhergekommen ... Lucile hat die Bretter noch nicht betreten , obgleich sie bereits als vollendete Künstlerin gilt . Madame Fournier , deren Stern im Erbleichen ist , hat sie selbst unterrichtet ; sie glaubt so fest an eine große Zukunft ihrer Tochter , die sie allerdings mit auszubeuten wünscht , daß sie selbst die ernstgemeinten Bewerbungen des Grafen L. um Luciles Hand ignoriert ... Lucile soll in der nächsten Zeit debütieren , und dem muß ich um jeden Preis zuvorkommen – « » Tanzt