. “ – Käthe machte der Mittheilung , die sehr ins Breite zu gehen drohte , ein Ende , indem sie die Kranke vorsichtig aus dem Lehnstuhle hob . Sie war der früheren Heimath zu sehr entfremdet und wurzelte mit ihrem Denken und Empfinden viel zu sehr in ihrem Dresdener Heim , um sich für die Privatverhältnisse dessen so rasch zu erwärmen , der Flora ’ s Bräutigam war . Allerdings bedauerte sie den Arzt in ihm , dem das Mißlingen einer Kur so plötzlich Existenz und Stellung gefährdete , allein das Weh um den Großvater , der jedenfalls schwer gelitten hatte , überwog bei Weitem auch diesen Antheil . Halb und halb getragen von den starken Armen des jungen Mädchens , hinkte Suse über den Vorsaal . Die Thür der Eckstube war offen , und am Fuße der herniederführenden Stufen stand Doktor Bruck mit ausgestreckten Händen , um die Leidende in Empfang zu nehmen und ihr herabzuhelfen . … Es war eine charakteristische Gruppe , die der Thürrahmen einen Augenblick umschloß . Käthe hatte sich den gesunden Arm der Kranken um den Nacken gelegt und hielt die knochige braune Hand mit ihren rosigen Fingern auf der linken Achsel fest , während ihr rechter Arm die Hüften Susens umschlang . Ausdrucksvoller konnte die opferwillige Barmherzigkeit nicht verkörpert sein , als in diesem Mädchen , das , seitlich über die gekrümmte Hülflose gebeugt , ihr strahlend junges Gesicht an den grauen Scheitel , die runzelvolle Wange des alten Frauenkopfes legte . Nach wenigen Minuten saß Suse bequem und weich gebettet in der luftigen Stube . Sie musterte ängstlich die famosen Vorhänge , entsetzte sich über das Bett auf dem „ stolzen Kanapee “ und bemühte sich vergeblich , ihre Freude darüber zu verbergen , daß sie nun wieder jeden Sack zählen konnte , der drunten im Hofe auf- und abgeladen wurde . Die junge Dame sah nach ihrer kleinen goldenen Uhr . „ Es wird Zeit , mich in der Villa vorzustellen ; sonst gerathe ich möglicher Weise mitten in den stolzen Theezirkel der Frau Präsidentin , “ sagte sie mit der anmutigen Geste eines leichten Schauders und zog die Handschuhe aus der Tasche . „ In einer Stunde komme ich wieder und koche Dir eine Suppe , Suse – “ „ Mit den feinen Händen ? “ Mit den feinen Händen , versteht sich . Glaubst Du denn , ich lege sie in Dresden in den Schoos ? … Hast doch meine Lukas gekannt , Suse – sie ist heute wie damals ; da heißt es , Hand und Fuß rühren und die Zeit ausnutzen . Du solltest sie nur einmal sehen ! Sie ist eine Frau Doktorin geworden , die ihres Gleichen sucht . “ Damit verließ sie das Zimmer , um sich in Susens Stübchen zum Fortgehen zu rüsten . Der Mann war nicht groß . Er war kleiner als das junge Mädchen – er sah sprachlos in das blühende Gesicht , das er zum letzten Male gesehen , wie es , noch nicht einmal in der Höhe seiner breiten Schultern , auf einem schmächtigen Kindeskörper gesessen ; sie hatte „ das Müllermäuschen “ geheißen und war ihm in der Mühle und auf dem Kornboden , in der That quecksilbern wie eine Maus , auf Schritt und Tritt nachgehuscht – und jetzt war sie die Herrin hier , und er , der ehemalige Obermüller , ihr Pächter . „ Kurios , “ sagte er , in unbeholfener Verlegenheit den Kopf schüttelnd , „ die Grübchen in den Backen und die Augen sind ’ s noch , aber , aber das unmenschliche Wachstum ! “ Er ließ seine Augen scheu und ungläubig messend an der hohen Gestalt emporgleiten . „ Na ja , da hat eben der Trieb von der Sommers-Großmutter her dahinter gesteckt ; die war auch so wie Milch und Blut und – „ wollt ihr wohl still sein , ihr Racker ! “ unterbrach er sich scheltend und drohte mit der Faust nach den unaufhörlich bellenden Hunden . „ Die Schlingel kennen Sie wirklich noch , gnädiges Fräulein – “ „ Besser als Sie ; das ‚ unmenschliche Wachstum ‘ hat sie nicht irre gemacht , “ versetzte sie , zu den Hunden tretend und die hoch an ihr aufspringenden Thiere streichelnd . „ Sie titulieren mich ja wunderlich , Franz . Ich bin nicht avanciert in Dresden , das kann ich Ihnen versichern . “ „ Aber die Fräuleins drüben in der Villa lassen sich ja auch so benennen , “ sagte er mit steifem Nacken und starrköpfig . „ Ah so ! “ „ Und Sie sind doch zehnmal mehr . So jung und schon so reich , so unmenschlich reich ! Die Mühle da , die schönste weit und breit – Sapperment , das will was heißen ! Herrje – nur ein Mädchen , und kaum achtzehn Jahre alt , und das Kommando über eine solche Mühle ! “ Sie lachte . „ Das steht mir allerdings zu , und ich will Ihnen das Leben schon sauer machen , alter Franz . … Wo steckt denn Suse ? “ „ Die hat Stubenarrest , hat ’ s wieder einmal in der rechten Seite , das arme , alte Frauenzimmer . Die Hausmittel wollen nicht mehr recht verfangen . Doktor Bruck ist eben bei ihr . “ Die junge Dame reichte ihm die Hand und trat sofort in das Haus . Die schwere Bohlenthür fiel rasselnd , mit gellendem Geklingel hinter ihr zu , und der Lärm hallte von allen vier Wänden des weiten Flurs zurück . … Unter den Füßen der Eingetretenen schütterte der Boden sehr stark . Das Tosen und Stampfen des Mahlwerkes dröhnte dumpf durch die kleine , klaffende Thür im gewölbten Steinbogen , und der Duft des frisch zermalmten Kornes füllte kräftig durchdringend die Luft . In tiefen Zügen sog ihn das junge Mädchen ein – eine ganze Flut von Erinnerungen überwältigte sie ; sie wurde blaß vor innerer Bewegung