verdient . Es war mir willkommen , dem nähern Verkehr mit dem fremden Herrn ausweichen zu können ; ich erkannte ihn nur zu spät , oder ich würde , anstatt anzuhalten , geraden Weges nach dem Godesberg hinaufgeritten sein und erst auf dem Heimwege die Quelle besucht haben . « » So war dies wohl nicht die erste Begegnung ? « fragte ich , weniger aus Neugierde , als um meine holde Gefährtin sprechen zu machen und noch länger den Ton ihrer süßen melodischen Stimme zu hören . » Die erste Begegnung nicht , denn ich bemerkte ihn schon heute Vormittag , « lautete die mit lieblicher Offenheit gegebene Antwort , » seine Blicke schienen mich förmlich durchbohren zu wollen , so fest hafteten sie auf mir . In meiner frühsten Jugend habe ich einmal ähnliche Augen gesehen , die mich im wachenden Zustande sowohl , als in meinen Träumen noch lange nachher ängstigten und verfolgten , und daher rührt auch wohl meine kindische Furcht vor dem fremden Herrn , der mir sonst doch nichts zu Leide gethan hat . « » Haben sie denn oft Gelegenheit jenem Herrn zu begegnen ? « » Oft nicht , denn er muß doch wohl in Bonn wohnen , aber mehrfach schon , im Siebengebirge wie auch hier , traf ich ihn , als ob ihm jedesmal die Richtung unserer Vergnügungsfahrten mitgetheilt worden wäre und er mich in Folge dessen erwartet habe . « » Dann wohnen Sie selbst also nicht in Bonn ? aber verzeihen Sie , meine zudringlichen Fragen und legen Sie denselben kein schwereres Gewicht bei , als daß ich die einmal begonnene Unterhaltung gern weiterspinnen möchte . Offenbar haben wir ein und dasselbe Ziel , und worum sollte man sich nicht der Sprache bedienen , um die Zeit zu verkürzen ? « » Bonn kenne ich noch nicht ; ich habe die so reizend gelegene Stadt Wohl von den Höhen des Siebengebirges aus gesehen , auch schon von hier aus , allein dort gewesen bin ich noch nicht . Ich befinde mich überhaupt erst seit sechs Wochen in dieser Gegend . « » Aus Ihrem Mitteilungen läßt sich entnehmen , daß Sie im Siebengebirge ihren Aufenthalt gewählt haben ? « » An einem der reizendsten Punkte des Siebengebirges . Ein Onkel von mir , der dort den Posten eines Oberförsters bekleidet , hat mich zu sich in ' s Haus genommen . O , es ist so schön auf dem stillen , einsam gelegenen Gehöft , und die guten alten Leute – « » Meines Wissens lebt nur ein Oberförster im Siebengebirge , « unterbrach ich meine jetzt unbefangen plaudernde Gefährtin hastig , denn ich erschrak fast bei dem Gedanken , daß die anmuthige Erscheinung vielleicht gar die Nichte meines alten verehrten Vormundes sei , » ja , nur ein Oberförster , « wiederholte ich sinnend , indem ich den Plan faßte , im Fall sich meine Vermuthung bestätigen sollte , mich vorläufig nicht zu erkennen zu geben , » und irre ich nicht , so ist es der Oberstlieutenant Werker , der nach Beendigung des Krieges für seine treuen Dienste und schweren Wunden , in dieser Weise mit einem ihm zusagenden halben Ruheposten bedacht worden ist . « » Der Oberstlieutenant Werker ist ja mein Onkel ! « rief das junge Mädchen vor Freude erröthend aus , und ihr ganzes Wesen bekundete , daß durch meine Bekanntschaft mit ihrem Onkel ihr Vertrauen zu mir eine bedeutende Stütze erhalten habe . » Wunderbar , und mir ist nichts davon mitgetheilt worden , « bemerkte ich unbedachtsam , denn die Freude , ein so schönes Mädchen als die nächste Verwandte meines Vormundes begrüßen zu dürfen , erfüllte mich in so hohem Grade , daß ich darüber alle Vorsicht vergaß und mich beinah verrathen hätte . Glücklicher Weise hatte sie mich nur halb verstanden , und ihre blauen strahlenden Augen auf mich heftend , fragte sie , wem ich die Mittheilung machen wolle ? » Einem Studiengenossen , « antwortete ich , nunmehr vollständig bereit , meine Rolle ohne Fehler zu Ende zu spielen , » einem gewissen Gustav Wandel , der die Ehre hat , den Herrn Oberstlieutenant Werker seinen Vormund zu nennen . « » Auch den Herrn Gustav Wandel kennen Sie ? « fragte das liebe Mädchen mit einer so herzlichen Theilnahme , daß ich ihr dafür auf jedes ihrer beiden seelenvollen Augen einen Kuß hätte drücken mögen . » Den Gustav Wandel ? « fragte ich lachend zurück , » o , den Schlingel kenne ich so genau , wie mich selbst , und genau muß ich ihn Wohl kennen , indem wir seit unserer frühsten Kindheit gewöhnlich auf derselben Bank gesessen haben . Uebrigens ist er , wenn Sie mir die Bemerkung erlauben wollen , ein arger Windbeutel ; man nimmt allgemein an , daß sein Vormund ihm die Zügel etwas zu schlaff gehalten habe . Er schwärmt für den Fechtboden , betheiligt sich an jedem Commers und betrachtet die Collegien mehr als Nebensache . « » Das begreife ich nicht , « entgegnete die junge Dame ernst , » Sie sind sein Freund und Gefährte und fällen ein so hartes Urtheil über ihn ? Nein Onkel spricht sich ganz anders über ihn aus . Er nennt ihn stets einen braven , pflichttreuen Menschen , einen wahren Musterstudenten . Zwar räumt er ein , daß derselbe eine ausgezeichnete Klinge schlage – ich gebrauche meines lieben Onkels eigene Worte , « – schaltete sie lächelnd ein , » und sich ebenso gut zum Kavallerie-Offizier , wie zum Rechtsgelehrten eigne , doch vergißt er dann nie , hinzuzufügen , daß dergleichen sich sehr gut mit Latein und Griechisch vertrage und Herrn Wandel nicht hindere , dereinst Minister zu werden . « » Also eine so gute Meinung hat der alte Herr von dem Gustav ? Nun , Freund Gustav wird sich freuen , dies von mir zu hören . Aber merkwürdig bleibt es doch , daß der Schlingel