leidlich . » Immer fragen , Auguste , wenn du etwas noch nicht kennst , « ermunterte Großmutter sie , » in jedem Haushalt ist ' s anders , also fragen ! « Auguste erwiderte nichts , aber als sie endlich fertig war , tippte sie mit dem Zeigefinger auf einen gestickten Ofenschirm , der Goldschmieds Töchterlein mit dem Ritter darstellte , und sagte : » So ' n Dings hatte Nommels Großmutter auch . « Die alte Dame zuckte ein wenig zusammen und meinte : 59 » Du kannst nun hinuntergehen und anfangen , das Silber zu putzen . Salmiak und Schlämmkreide laß dir von Kathrin geben , ebenso Lederlappen und Leinentücher . « » Bei Nommels Großmutter tat ich ' s immer mit Seife und Spiritus – – « Sie verstummte , so hastig hatte die alte Dame sich herumgewandt . Auguste verschwand schleunigst hinter der Tür und mein gutes Altchen fuhr sich mit beiden Händen an die Schläfen . » Gott steh ' mir bei , diese Nommels Großmutter bringt mich noch um ! « sagte sie halblaut . Erst auf mein herzliches Lachen ward ihr Gesicht wieder freundlich , und schon im nächsten Augenblick stand sie an dem größeren Bettchen und streichelte liebevoll die kleinen Kissen . » Wie ich mich freue auf den Jungen , wie ich mich freue , Kind , er soll ja Stetten so ähnlich sehen . Hab ' acht , das kleine Kropzeug macht deine alte Großmutter noch einmal wieder jung . Nun wollte ich nur , es wäre schon morgen um diese Zeit und das Wetter schön , damit sich die Kleinen nicht erkälten bei der Herfahrt ; und übermorgen , dann sind alle da , alle , die ich lieb habe , deine guten Eltern und die Geschwister , der Lenkwitzer Onkel und Flickdorchen – o lieber Gott , was gibt es für reine , schöne Freuden auf dieser Welt ! « Und wieder streichelte sie die kleinen Kissen , als läge der Urenkel schon darinnen . » Weißt du , Liesel , « fuhr sie fort , » es ist gar hübsch , alt zu sein ; früher habe ich mich gefürchtet vor dem Alter , jetzt finde ich es so 60 schön . Hab ' s gestern erst noch zu Stetten gesagt : weiter nichts wünschte ich mir , als noch ein paar friedliche Jahre hier auf Erden miteinander , und dann sterben – so Hand in Hand auf dem Sofa sitzend , in der Dämmerstunde eines Frühlingsabends . – Ja und ihr müßtet alle hier sein , eure Stimmen , euer Lachen müßte aus dem Garten zu uns herein schallen – so möchte ich sterben , Lieschen . Aber das wäre ja wie ein Märchen , das wäre zu schön ! « Ich umfaßte die alte liebenswürdige Frau gerührt und strich ihr über die noch immer klare Stirn . » Das hat noch Zeit , Herzensaltchen , und erst mußt du dich noch freuen über die Urenkelchen . Ich denke mir den Nachkommen vom tollen Reinecke einfach reizend , und sollte er dessen Anlagen als Courmacher ererbt haben , so prügelt ihm Gretchen sicher beizeiten dieses gefährliche Talent aus , und wir , Großmütterchen , helfen ihr dabei ; er darf nur in ein Paar Augen zu tief gucken , der Junge , und das sind deine . « » Schmeichelliese ! « sagte die alte Frau . Und nun waren mehrere Tage vergangen und Schwester Gretchen war mit ihren Kindern eingetroffen . Sie hatte eine ungeheuerlich dicke alte Kinderfrau mitgebracht , die das drei viertel Jahr alte Jüngste kaum aus den Armen ließ und so tat , als ob kein anderer damit umzugehen verstehe . Wir durften es überhaupt nur besehen , aber ja nicht anfassen , selbst der eigenen Mutter gönnte sie es kaum . Den Jungen , den Schwerenöter , aber gab sie gern ab , den prachtvollen dreijährigen Bengel , dem der dicke blonde Lockenschopf so köstlich in das rosige Gesichtchen fiel und dessen blaue Schelmenaugen unsere sämtlichen Herzen im Sturm eroberten . Natürlich hieß er » Hans « wie sein Vater ; Großmutter nannte ihn » Hänschen « , Großvater » Mordskerl « , » Teufelsjung « und dergleichen , und da er schrankenlos in der Stube der alten Leute toben und mit den Hunden sich am Boden wälzen durfte , so war er einfach in der Kinderstube droben nicht zu halten und wollte immer nur bei » Großma « sein . Er hatte die alte Dame beständig am Rockzipfel , sie mochte gehen wohin sie wollte ; in 63 Küche und Keller , in alle Zimmer trippelte er neben ihr , und auf dem Gesicht der liebenswürdigen Frau lag ein glückseliges Leuchten . Nichts wurde ihr zuviel für das Kind , sie bewunderte jeden seiner Einfälle , auch wenn sie gar nicht zum Bewundern waren ; sie wehrte dem Tadel seiner Mama , obgleich Schwester Gretchen händeringend klagte , daß er auf Lebenszeit in Grund und Boden verzogen werde . Aber Großmutter Stetten , die sonst so Gestrenge , war taub und blind für alles , ausgenommen den Liebreiz des kleinen Wichtes . Wenn die Sonne warm schien , ging sie mit ihm auch zuweilen in den Garten , und dabei erzählte sie ihm allerhand Geschichten und Schnurren . Ich traf die beiden Liebesleutchen eines Tages Hand in Hand an der niedrigen Gartenmauer spazierend , hinter welcher die Inne entlang schäumte . Sie erzählte dem kleinen Kerl gerade , daß nun bald der Osterhase kommen werde , um in dem Garten schöne bunte Eier zu legen für das artige Hänschen . » Wo kommt er her ? « fragte das Kind . » Von den Bergen drüben , schnurstracks hier über die Mauer , « sagte Großmutter . » Durch das Wasser ? « » Ei , der kann schwimmen , so ein Osterhase kann alles , Hänschen . « » Aber dann wird er ja naß , Großmama ?