Angedenkens willen ! Sie hat Dich , Dich allein geliebet . “ Ich saß bei ihm und hielt die erkaltenden Hände , bis sich der ewige Schlummer auf seine müden Augen gesenket . Von seinem Sterbebette aber eilte ich zu ihrem Grabe - Johannes , weißt Du , was Reue ist ? Mag Gott es Dir ersparen ! - Es ist spät ! die Dämmerung sinket hernieder ; draußen schweiget schon lange das Lied . Es schauert kalt durch ' s offene Fenster - ich bin alt . Vorbei Liebe , Haß und Leiden - vorbei , Johannes ! Kommst Du einmal in unsere Berge , so kehre nicht bei mir ein , wenn ich noch leben sollt ' , behalte mein jugendfrisches Bild im Gedächniß ! Es ist besser so . Aber gehe nicht vorüber an ihrem Grabe , Du weißt , an dem Tannengestelle unter der Eiche ! Und wenn Du die Worte liesest auf dem Täflein , so gedenke ihrer , und meiner - meiner , Johannes , als Eines , der es nimmer verstund , glücklich zu sein . Geschrieben im rothen Hause . Dein Freund Heinrich Mardefeld . “ Nun war der Laut meiner Stimme verhallt und das Gemach erfüllte rosiger Abendschein , noch ebenso rosig , wie vor langer , langer Zeit , als ein einsamer unglücklicher Mann diese Zeilen aufschrieb . Der goldene Schein lag draußen auf den Wipfeln der alten Linden und färbte purpurn die schlichten Wände des kleinen Gemaches , und wie ein rother verklärender Schleier wob es sich um die weiße Mädchengestalt in meinen Armen . „ Friederike ! “ sagte ich leise und küßte die weinenden Augen . Wer von uns Beiden zu dem Andern gekommen ? Ich weiß es nicht mehr . „ Ich war schuld , “ sagte sie endlich nach langem Schweigen , „ ich war bös und trotzig . “ „ Nein , nein , ich ; ich hätte Dich doch ehrlich fragen können , “ entgegnete ich . „ O , ich dachte , Du wärst mir nicht mehr gut , weil Du nicht ein Mal geschrieben hast . “ „ Ich durfte ja nicht , Liebchen , ich hatte es dem Vater versprochen - “ „ O Ulrich , wie unglücklich war ich doch ! “ „ Und ich erst , Frieda ! “ Und wie ich ihr nun so tief in die blauen verweinten Augen sah , da las ich ein süßes Versprechen darin : Nie , niemals will ich wieder stolz gegen Dich sein . Und in meinem Herzen versprach ich ihr auch etwas , und Beide haben wir es gehalten , dieses stumme Versprechen , bis zu dieser Stunde , und schon lag vor einem halben Decennium der silberne Myrthenkranz auf der Stirn meines Weibes . Anf dem Heimwege aber sind wir noch an das einsame Grab getreten , und Frieda hat einen Tannenkranz auf den epheubewachsenen Hügel gelegt . Hand in Hand saßen wir dort auf dem kleinen Bänkchen , und über uns flüsterten und rauschten die Blätter im Abendwinde , und aus dem Rauschen klang es wunderbar an unser Ohr , bald Jubel und Weh , bald Klagen und Jauchzen ; der Abendwind erzählte uns von Denen , die hier schlummerten , und die er gar gut gekannt , von der holden , unglücklichen Frau , von dem biederen , sie über Alles liebenden Manne , von einem unendlichen Schatz des süßesten Erdenglückes , der sich unter diesen Steinen barg , weil jene Beiden es nicht verstanden , ihn zu heben . Am Gatterthor kam uns der Onkel entgegen ; schon sah der Mond über die Berge . „ Nun ? “ fragte er , „ hast Du die Geschichte gelesen ? “ „ Ja , Vater ! “ sagte ich . Und er nickte , lächelte erst , drückte uns die Hände und küßte sein Töchterlein auf die Stirn . Ich wußte nun , weshalb er mir jene Blätter gegeben , jene alten , vergilbten Blätter .