, wo sie , beim Anblick einiger Heiligenbilder aus der katholischen Zeit her , nicht nur beständig auf Ausrottung des Aberglaubens drang , sondern sich mit eben diesem Anliegen auch regelmäßig an Schach wandte , wie wenn dieser im Konsistorium säße . Und da leg ich denn ( weil ich nun mal die Tugend oder Untugend habe , mir alles gleich leibhaftig vorzustellen ) während des Schreibens die Feder hin , um mich erst herzlich auszulachen . Au fond freilich ist es viel weniger lächerlich , als es im ersten Augenblick erscheint . Er hat etwas konsistorialrätlich-Feierliches , und wenn mich nicht alles täuscht , so ist es gerade dies Feierliche , was Bülow so sehr gegen ihn einnimmt . Viel , viel mehr als der Unterschied der Meinungen . Und beinah klingt es , als ob ich mich in meiner Schilderung Bülow anschlösse . Wirklich , wüßtest Du ' s nicht besser , Du würdest dieser Charakteristik unsres Freundes nicht entnehmen können , wie sehr ich ihn schätze . Ja , mehr denn je , trotzdem es an manchem Schmerzlichen nicht fehlt . Aber in meiner Lage lernt man milde sein , sich trösten , verzeihn . Hätt ich es nicht gelernt , wie könnt ich leben , ich , die ich so gern lebe ! Eine Schwäche , die ( wie ich einmal gelesen ) alle diejenigen haben sollen , von denen man es am wenigsten begreift . Aber ich sprach von manchem Schmerzlichen , und es drängt mich , Dir davon zu erzählen . Es war erst gestern auf unsrer Spazierfahrt . Als wir den Gang aus dem Dorf in die Kirche machten , führte Schach Mama . Nicht zufällig , es war arrangiert , und zwar durch mich . Ich ließ beide zurück , weil ich eine Aussprache ( Du weißt , welche ) zwischen beiden herbeiführen wollte . Solche stillen Abende , wo man über Feld schreitet und nichts hört als das Anschlagen der Abendglocke , heben uns über kleine Rücksichten fort und machen uns freier . Und sind wir erst das , so findet sich auch das rechte Wort . Was zwischen ihnen gesprochen wurde , weiß ich nicht , jedenfalls nicht das , was gesprochen werden sollte . Zuletzt traten wir in die Kirche , die vom Abendrot wie durchglüht war , alles gewann Leben , und es war unvergeßlich schön . Auf dem Heimwege tauschte Schach und führte mich . Er sprach sehr anziehend , und in einem Tone , der mir ebenso wohl tat , als er mich überraschte . Jedes Wort ist mir noch in der Erinnerung geblieben und gibt mir zu denken . Aber was geschah ? Als wir wieder am Eingange des Dorfes waren , wurd er schweigsamer und wartete auf die Mama . Dann bot er ihr den Arm , und so gingen sie durch das Dorf nach dem Gasthause zurück , wo die Wagen hielten und viele Leute versammelt waren . Es gab mir einen Stich durchs Herz , denn ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren , daß es ihm peinlich gewesen sei , mit mir und an meinem Arm unter den Gästen zu erscheinen . In seiner Eitelkeit , von der ich ihn nicht freisprechen kann , ist es ihm unmöglich , sich über das Gerede der Leute hinwegzusetzen , und ein spöttisches Lächeln verstimmt ihn auf eine Woche . So selbstbewußt er ist , so schwach und abhängig ist er in diesem einen Punkte . Vor niemandem in der Welt , auch vor der Mama nicht , würd ich ein solches Bekenntnis ablegen , aber Dir gegenüber mußt ich es . Hab ich unrecht , so sage mir , daß mein Unglück mich mißtrauisch gemacht habe , so halte mir eine Strafpredigt in allerstrengsten Worten , und sei versichert , daß ich sie mit dankbarem Auge lesen werde . Denn all seiner Eitelkeit unerachtet , schätz ich ihn wie keinen andern . Es ist ein Satz , daß Männer nicht eitel sein dürfen , weil Eitelkeit lächerlich mache . Mir scheint dies übertrieben . Ist aber der Satz dennoch richtig , so bedeutet Schach eine Ausnahme . Ich hasse das Wort » ritterlich « und habe doch kein anderes für ihn . Eines ist er vielleicht noch mehr , diskret , imponierend , oder doch voll natürlichen Ansehns , und sollte sich mir das erfüllen , was ich um der Mama und auch um meinetwillen wünsche , so würd es mir nicht schwer werden , mich in eine Respektsstellung zu ihm hineinzufinden . Und dazu noch eins . Du hast ihn nie für sehr gescheit gehalten , und ich meinerseits habe nur schüchtern widersprochen . Er hat aber doch die beste Gescheitheit , die mittlere , dazu die des redlichen Mannes . Ich empfinde dies jedesmal , wenn er seine Fehde mit Bülow führt . Sosehr ihm dieser überlegen ist , so sehr steht er doch hinter ihm zurück . Dabei fällt mir mitunter auf , wie der Groll , der sich in unserm Freunde regt , ihm eine gewisse Schlagfertigkeit , ja selbst Esprit verleiht . Gestern hat er Sander , dessen Persönlichkeit Du kennst , den Bülowschen Sancho Pansa genannt . Die weiteren Schlußfolgerungen ergeben sich von selbst , und ich find es nicht übel . Sanders Publikationen machen mehr von sich reden denn je ; die Zeit unterstützt das Interesse für eine lediglich polemische Literatur . Außer von Bülow sind auch Aufsätze von Massenbach und Phull erschienen , die von den Eingeweihten als etwas Besonderes und nie Dagewesenes ausgepriesen werden . Alles richtet sich gegen Österreich und beweist aufs neue , daß , wer den Schaden hat , für den Spott nicht sorgen darf . Schach ist empört über dies anmaßliche Besserwissen , wie er ' s nennt , und wendet sich wieder seinen alten Liebhabereien zu , Kupferstichen und Rennpferden . Sein kleiner Groom wird immer kleiner . Was bei den Chinesinnen die kleinen Füße sind , sind bei