ohne jede innere Überzeugung , ob das Testament am Ende gefälscht , unterschoben oder irgend etwas Ähnliches sein könnte . Und alle rieten , es doch auf jeden Fall anzufechten . Dann könnte ich wenigstens meinen Rechtsbeistand beschäftigen . Ich will es mir immerhin überlegen . Balailoff hatte , da lebhaft durcheinander geredet wurde , nur die Hälfte , und auch die falsch verstanden . Er meinte entschieden , es handle sich um ein besonders frohes Ereignis , und schlug vor , es zu begießen . Folglich brach man auf , begab sich ins Bureau und begoß dort gleich alles miteinander , das Pflichtteil , Henrys Erfolge in Rußland und die Zukunft im allgemeinen . Das Petroleumunternehmen hat er inzwischen tatsächlich in die Wege geleitet und sagte mir im Vertrauen , es sei eine der besten Sachen , die er jemals an der Hand gehabt habe , wenn sie so ausschlüge , wie man mit gutem Recht annehmen könne . Ganze Berge von Zeichnungen und Schriftstücken hat er mitgebracht , die sie nun mit Enthusiasmus zusammen durchsehen und bereden . Dafür hat er den Sekretär als Aufseher dortgelassen , womit Balailoff nicht ganz einverstanden war , und Gottfried ist dageblieben , um wiederum den Sekretär zu beaufsichtigen . Das Bureau hat allmählich etwas Heimatliches bekommen , das uns allen wohltut , einige gemütliche Stühle , der Goldfluß auf seinem schwarzen Postament , auf der einen Seite des ungeheuren Schreibtisches die Gläser und Flaschen , die man zum Begießen braucht , an der anderen Henry und Balailoff vor ihren Papieren ... In unsere gedämpfte Unterhaltung fallen Bruchstücke der ihren hinein , wie : Dividenden ausschütten ... Gewinn- und Verlustkonto ... Reservefonds ... Baumann examiniert mich ein wenig über die Wirkung dieser letzten Nachricht . Ich möchte ihm so gerne interessantes Material darüber liefern , kann aber nur sagen , daß es mich zu meiner eigenen Verwunderung ziemlich kalt läßt . Viel oder wenig , ich will nur endlich einmal Geld sehen , momentanes Geld , das wirklich da ist . Vielleicht bin ich mit dem Pflichtteil sogar besser dran , weil es für ein Existenzprogramm eben doch wieder nicht langt und das Rechnen und Kopfzerbrechen ganz zwecklos sein würde . Andererseits bestätigt sich wieder einmal meine Ahnung , daß es , das Geld , nichts mehr mit mir zu tun haben will . Die Tatsachen reden deutlich genug ... von einer Art Kapital ist es erst um ein Viertel zurückgegangen , dann auf Pflichtteil . Was kann nun noch kommen ? Vielleicht verwandelt es sich aus Rubeln in Kopeken und aus Kopeken in Sand und Steine . » Und vielleicht gelänge es Ihnen dann eher , aus Sand und Steinen eine wirtschaftliche Basis zu schaffen « , sagte Lukas niederträchtig , » denn es möchte das umgekehrte Wunder bewirkt werden , daß Ihr Wille endlich einmal wach würde . Denken Sie nur einmal an die ungeheure Anzahl von Mädchen und Frauen , die mitten im Berufsleben stehen und sich ihr Brot selbst verdienen , anstatt darüber zu philosophieren , daß und warum sie kein Vermögen haben . « » Der Beruf der Frau ist in erster Linie Gattin und Mutter « , erklärte ich nicht ohne Pathos , » und dem bin ich nach besten Kräften nachgekommen . Ich bin nun schon zum zweitenmal verheiratet und habe ein Kind aus erster Ehe . Es ist vorläufig bei Bekannten untergebracht , bis meine Geldverhältnisse sich wieder etwas gelichtet haben . Aber alles das wollen Sie natürlich nicht als soziale Leistung anerkennen , sondern denken lieber darüber nach , wie Sie mir zu irgendeiner entsetzlichen Stellung im Berufsleben verhelfen könnten . Ich habe den größten Respekt vor jenen Mädchen und Frauen , die sich selbst durchbringen , wenngleich ich es für eine bedauerliche Verirrung der Vorsehung halte , daß sie dazu gezwungen sind . Sie sind überhaupt der ungerechteste Mensch , der mir jemals begegnet ist , sonst müßten Sie doch zugeben , daß ich das wirtschaftliche Problem auf meine Weise auch gelöst habe ... Ich hatte nie ein festes Einkommen , nie einen bestimmten Beruf , sondern nur vorübergehende Tätigkeiten , bei denen nicht viel herauskam , und doch habe ich eine ganze Reihe von Jahren existiert , vielleicht sogar besser und angenehmer gelebt als manche andere mitsamt ihrem Beruf . « » Das Endresultat war aber doch ... « » Das kann jedem passieren , das Endresultat steht immer in Gottes Hand . Erinnern Sie sich nur an den Baulöwen . « » Der Baulöwe war meiner Ansicht nach ein Hochstapler ... « » Aber ein schlechter « , sagte Henry vom Schreibtisch herüber mit einem tiefen Seufzer . » Wenn schon , denn schon . Aber er hat konsequent zu tief gestapelt . Ich habe mir alle Mühe gegeben , mit den Gläubigern zusammen seine verkrachte Zementfabrik neu zu gründen , aber nichts zu machen . Die Witwe ist jetzt selbst überzeugt , daß er ein unverbesserlicher Baulöwe war . « » Dann ist sie wenigstens ihren Komplex los , ohne sich analysieren zu lassen « , meinte ich nicht ohne heimlichen Neid . - » Er wird schon wiederkommen , gnädige Frau « , antwortete Baumann zuversichtlich . Henry vertiefte sich wieder in seine Papiere , und ich hoffte vergebens , Lukas sei von seinem Thema abgelenkt . » So viel glaube ich jetzt doch von Doktor Baumann gelernt zu haben « , fuhr er unerbittlich fort . » Sie leisten geradezu Hervorragendes in der Verdrängung alles dessen , was Ihnen nicht paßt . So wollen Sie jetzt wieder das Endresultat Ihrer - Pardon - etwas merkwürdigen wirtschaftlichen Betätigung mit allgemeinen Redensarten beiseite schieben . Das Endresultat war eben doch , daß Sie - abermals Pardon , gnädige Frau - vollständig am Ende Ihrer Weisheit und Ihrer ökonomischen Möglichkeiten angelangt waren ... Wäre der alte Herr nicht gestorben ... « » Er ist aber doch gestorben , und ich führe hier ein ganz annehmbares Leben , ja , ich