. Die Taitai beauftragte Madame Angèle , die auch dastand und die gekauften Seidenstücke zusammenfaltete , für Tschun zu sorgen ; er solle ein Zimmerchen in den Dienstbotenquartieren erhalten . Die Taitai wurde für eine Fremde sogar ganz schlau , denn sie verbot aufs strengste , Tschun etwa unter dem Vorwand , nach Hause zu müssen , noch einmal fortzulassen , da er dann festgehalten werden könne . Tschun war das sehr beruhigend . Er fühlte sich zum ersten Male in seinem Leben gegen die Seinigen von den Fremden beschützt . Kuang yin verbeugte sich zu alledem nur zustimmend und sagte gar nichts von einem etwaigen Widerspruch der Mutter . Das schien Tschun sehr seltsam . Doch als die Taitai und die anderen Herrschaften dann zum Essen gegangen waren , erhielt er die Erklärung : drüben in Kuang yins Zimmer saßen nicht nur Yang hung , sondern auch die Mutter ! Und Tschun erfuhr nun , daß gleich nach seiner Flucht die Kleinen Tschao-So , Kuo wey und Ying-ying bei ihrem kindlichen Spiel mit Mei hoas Bündel den vermißten Münzenstrang aus diesem hervorgezerrt hatten . Mei hoa hatte nicht leugnen können , und des für chinesische Augen ganz besonders schweren Vergehens überführt , die Familie des Mannes zugunsten der eigenen bestohlen zu haben , war sie , statt auf Besuch zu fahren , von der alten Schwiegermutter gezüchtigt worden und lag nun eingesperrt in einer Kammer . In dem Karren aber , der Mei hoa beutebeladen zu frohem Ausflug führen sollte , war statt dessen Yang hung sofort zu Tschuns Mutter gefahren , in der Annahme , daß er zu ihr geflüchtet sein würde ; als er ihn da nicht fand , war er zu Kuang yin gefahren und , in plötzlicher Angst um Tschuns Verbleib , hatte die Mutter sich entschlossen , ihn zu begleiten , so furchtbar ihr das Unternehmen auch erschien , den Schwager in einem Haus der Fremden aufzusuchen . Als sie Tschun nun wohlbehalten erblickte , wollte sie die Gelegenheit doch wenigstens erzieherisch ausnutzen und ihn ob der erlittenen Angst am Zopfe zerren . Doch Kuang yin nahm die Sache in die Hand und wandte sich mit halbgemachter Entrüstung an Yang hung : » Es ist wahrlich nicht Euer Verdienst , daß Tschun noch unter uns weilt , « sagte er . » Denkt der vielen Beispiele von Leuten , die bei geringerer Verdächtigung , um ihre Unschuld zu beweisen , Selbstmord begingen . Als Bruder von Tschuns verstorbenem Vater verlange ich eine Sühne . Und Ihr könnt von Glück sagen , daß wir doch schließlich zu einer Sippe gehören , - Fremde würden Euch ob des Schimpfes sicher vor Gericht bringen . « Yang hung schien nicht abgeneigt , Tschuns heftigem Vertreter eine Genugtuung zu gewähren , und er sagte : » Nach ihrem abscheulichen Benehmen wären wir ja eigentlich berechtigt , Mei hoa zu verstoßen . « » Das weiß ich , « unterbrach ihn Kuang yin , » und selbst wenn ihr jetzt Schlimmes bei Euch zustieße und sie die Reise nach den neun Quellen antreten müßte , würde Euch kein Gericht darob verurteilen , aber was hätten wir davon ? « » Außerdem « , sagte Yang hung bedächtig , » müßte das sicher dazu führen , daß Mei hoas Eltern die Rückzahlung ihrer Mitgift verlangen würden . « » Mei hoa und Tschun können aber unmöglich zusammen weiter bei Euch bleiben , « erklärte Kuang yin , » sie haben gegenseitig zu sehr das Gesicht voreinander verloren . « » Nein , das ginge freilich nicht , « stimmte Yang hung eilig bei , in der Voraussicht endloser neuer Streitmöglichkeiten in seinem stürmischen Haushalt . » Folglich muß ich für Tschun eine neue Stelle suchen , « sagte Kuang yin und seufzte wie unter großer Sorgenlast , » und natürlich werde ich von jedem Meister gefragt werden , warum er denn nicht mehr bei Euch ist . « Es war klar , daß die Sache vertuscht werden mußte . Und schließlich bildete der Münzstrang , durch den der ganze Zwischenfall entstanden , den Preis , den Yang hung dafür zahlen mußte , daß Tschun sein Unterkommen bei ihm plötzlich verloren hatte , wogegen sich Kuang yin verpflichtete , daß die Umstände , unter denen dies geschehen , seinerseits verschwiegen bleiben sollten . Erst nachdem Yang hung gegangen , eröffnete Kuang yin der Mutter als sein Verdienst , daß er bereits eine Stelle für Tschun habe , und zwar hier bei der Taitai . Die Mutter wollte zuerst widersprechen , aber Kuang yin hielt ihr vor , wie schlecht ihre eigene Auswahl Yang hungs ausgefallen sei , auch daß Tschun dort nur Wohnung und Essen erhalten habe , hier aber gleich mehrere Dollar Gehalt bekommen solle . Da mußte sie nachgeben . Nachdem sich Kuang yin für seine Führung der Sache noch die Hälfte vom Münzstrang des alten Yang hung ausbedungen hatte . So trat denn Tschun in den Dienst der Fremden . Tschun lernte bald , daß es Nachteile hat , in ein Haus als offenkundiger Günstling der Herrschaft einzutreten . Die anderen Boys , die auch kleine Brüder oder Söhne hatten , ärgerten sich , daß sie nicht diese rechtzeitig der Taitai gezeigt , und ließen ihren Groll an Tschun aus . Sie gaben sich das Wort , ihn als kleinen Prügeljungen zu behandeln . Er debütierte als Diener der Diener . Aber er hatte einen Rückhalt an Kuang yin , und dank der eigenen Anstelligkeit arbeitete er sich allmählich durch die anfängliche Feindschaft hindurch . Madame Angèle , die jahraus jahrein an der Maschine saß und neue Kleider für die Taitai nähte , rief Tschun oft in ihr Zimmer , ließ ihn die feine chinesische Nähseide wickeln oder auch Nähte auftrennen , und währenddem hielt sie ihm lange Reden in ihrer eigenen Sprache . Sie hatte Mann , Kinder und Vermögen verloren , und durch diese wiederholten Schicksalsschläge war in ihr ein Hang zum Schauerlichen und der Glauben