nicht nehmt , dann geh ich auch wieder , und Ihr habt die Schuld , wenn was geschieht ... ! « Damit lief ich wieder hinaus und fand das Mädchen , als es eben aus dem Hof gehen und den Gadern hinter sich schließen wollte . » Kathreinl ! « schrie ich , » was willst du denn tun ? Warum kehrst du um ? « » Weil ich nichts verloren hab da drin ! « erwiderte sie rauh und schlug das Türl zu . Da eilte ich hinaus , packte sie am Arm und schrie : » Und ich will haben , daß du dableibst ! Du gehörst zu mir ! Sie müssen dich aufnehmen ! « In diesem Augenblick kam der Meßmer , mein Ziehvater , vom Gottesacker daher und ging auf uns zu und sah , wie ich das Mädchen zurückhielt . Da sagte er : » Wo aus , Jungfer ? - Hast ihn jetzt wiedergebracht , den Racker ? - Wohin denn schon so früh in dem Putz ? « » Eine Heimstatt suchen « , sagte das Kathreinl und wollte sich von mir losmachen . Da rief ich : » Nehmt sie doch Ihr derweil , Vater ! Sie soll nicht allein rumtappen ! - Gelt , Vater , Ihr behaltet sie derweil , bis sie nimmer verlassen ist ! « Der Weidhofer sah wohlgefällig auf mich nieder , betrachtete das Kathreinl eine Weile und meinte dann : » Wenn sie mit dem Strohsack zufrieden ist in deiner Kammer ? Du kannst ja im Ambros seiner Liegerstatt schlafen , so lang er auf der Alm ist . Von mir aus kann sie schon dableiben ; Arbeit gibts bei uns für jeden , der sie nicht scheut ! « Herrgott ! Wie wurde ich froh ! Ich bedankte mich jubelnd beim Vater und sagte darnach zum Kathreinl : » Jetzt mußt du doch bei mir bleiben ! Jetzt mach nur geschwind , daß wir ' s der Mutter sagen ! « Da sagte sie denn ja und dankte dem Weidhofer und ging mit uns . Die Ziehmutter war schon eine Weile unter der Haustür gestanden und hatte auf uns herübergeschaut ; da sie uns aber nun alle drei eintreten sah , schüttelte sie den Kopf und verschwand im Haus . Ich führte nun das Mädchen in meine Kammer und meinte , da ich das Bett sah , nachdenklich : » Du mußt halt schauen , wie du liegst ; ich bring dir schon alles , was du brauchst und gern haben möchtest ! « Ihr Stübchen war ein viel schöneres und ihr Bett ein viel besseres gewesen , und ich sah ängstlich und unruhig auf das Mädchen . Scheu blickte sie an den kahlen Wänden entlang , betrachtete stumpf den verstaubten Wandherrgott in der Ecke und die große Spinnwebe daneben und setzte sich schließlich seufzend und fröstelnd auf die Truhe , die unter dem niederen Fenster stand und meine paar Habseligkeiten in sich verschloß . Plötzlich sagte sie : » Wie kalt es in diesem Christenhaus ist ! Bei uns daheim ist ' s viel wärmer gewesen ! - Wer wird leicht jetzt das Hexenhäusl kriegen ? - Es ist schad drum ! « Ich suchte ihr die Kammer ein wenig behaglicher zu machen und lief hinaus , durchsuchte das Haus nach allem möglichen und schleppte es hinein zum Kathreinl : einen alten , wackligen Tisch vom Dachboden , einen geschnitzten Stuhl aus der Kammer des Ambros , das Kopfkissen aus dessen Bett , zwei Blumenstöcke vom Söller und eine alte , blaubedruckte Bettzieche als Tischdecke . Darauf holte ich aus meiner Truhe etliche Heiligenbilder und nagelte sie alle über das Bett . » So , Kathreinl , jetzt paßt es schon eher für dich ! « sagte ich darnach befriedigt ; » jetzt bring ich dir noch einen Spiegel und das Spinnradl von der Mutter , daß du gute Weil und was zu tun hast . « Nach langem Suchen fand ich einen alten , bemalten Spiegel , in einem Kasten hängend ; den brachte ich dem Mädchen und auch etliche Zöpfe Flachs zum Spinnen . Das Spinnrad stand verstaubt am Heuboden , und ich mußte es erst mit dem Flederwisch reinigen , ehe ich es dem Kathreinl in die Kammer stellen konnte . Derweil ich noch immer nach neuem suchte , um dem Mädchen das Stüblein gut zu richten , läutete es zu Mittag , und ich hörte Türen schlagen , Tritte poltern und Männerstimmen reden und lachen . Der Weidhofer kam über die Stiegen herauf und rief : » Mathiasle , was is ' s - zum Essen ! Bring deine Jungfer auch gleich mit ! « Da holte ich geschwind einen schönen Teller und einen neuen Löffel aus der Künigkammer , damit das Kathreinl nicht mit den Knechten in eine Schüssel zu langen bräuchte , und stellte einen Lederstuhl neben die Bank , auf der ich sonst gesessen war ; darnach holte ich die Jungfer hinunter . Die große , bemalte Schüssel mit den Knödeln stand schon auf dem Tisch , als wir eintraten . Knechte und Mägde standen darum , und der Weidhofer betete eben um Gottes Segen zu Speis und Trank und um Gnade und Gedeihen dazu . Der Weidhoferin ihr Platz war noch leer , und alle blickten nach dem Tischgebet noch unschlüssig , ob sie sich setzen könnten , da gemeiniglich die Sitte bei den Bauern ist , daß erst der Bauer und die Bäuerin niedersitzen und auch als erste in die Schüssel langen . Der Meßmer setzte sich endlich und sagte : » Fangts nur derweil an ; d ' Mutter wird schon kommen . « Nun zog ich das Kathreinl , welches glühendrot geworden war , mit mir an den Tisch und nötigte es an den von mir bestimmten Platz ; darauf wollte auch ich mich setzen . In diesem Augenblick sahen alle neugierig auf das Mädchen ; die Oberdirn warf den Löffel mit dem