er auch noch so lustig - wir wissen es beide , lieber Doktor - selbst wenn der Himmel mir die schönsten Talente in die Wiege gelegt hätte , die Ausdauer ist nun einmal vergessen worden , und ohne die geht es in keiner Branche . Übrigens habe ich immer wieder die Beobachtung gemacht , daß die Mädchen , die aus unteren Schichten heraufkommen , viel energischer und zielbewußter danach streben , Karriere zu machen . Sie wollen um jeden Preis nach oben kommen und reüssieren deshalb auch viel eher . Wir anderen - ich zum Beispiel , bin sehr verwöhnt aufgewachsen , die äußeren Annehmlichkeiten waren einfach da und erschienen mir nie als etwas Außerordentliches . Das bleibt im Gefühl - hätte ich von heute auf morgen Haus und Hof , Equipage , Dienerschaft und so weiter - es würde mir nur selbstverständlich vorkommen . Ist es nicht vorhanden , so empfinde ich das eigentlich wieder nur als einen provisorischen unangenehmen Zustand . Hat man den Zug verpaßt , so muß man halt auf irgendeiner mesquinen kleinen Station warten , aber man identifiziert sich deshalb noch nicht mit ihr . Ich fürchte überhaupt , die gute Erziehung , das Aufwachsen in einer erstklassigen Umgebung ( sehen Sie , wie ich mich in die Brust werfe ) beeinträchtigt die Entwicklung der praktischen und kaufmännischen Instinkte sehr stark . Man empfindet es immer als widersinnig , daß die Existenzfrage sich nicht ganz von selbst erledigt . Ich bin überzeugt , daß keiner meiner näheren Standesgenossen imstande ist , einen Kursbericht zu verstehen ; kommt er einmal auf den Gedanken zu spekulieren , so läßt er es eben durch seinen Bankier machen . Und als Frau - sollte man zumindest einen Impresario haben , dann wäre es schon eine andere Sache . Aber dieses Amt übernimmt wieder kein Mann , der etwas auf sich hält . - Man müßte - man sollte - ich weiß schon , mein Lieber , Sie haben Ihre Freude daran , wenn ich auf dem Diwan liege und aus tiefster Seele sage : man sollte eigentlich ... und doch um keinen Preis aufstehen würde , um das , was man eigentlich sollte , in Angriff zu nehmen ... 12 Nicht so ungeduldig , mein Freund - ich weiß sehr wohl , daß es sich gehört , Briefe fertig zu schreiben , aber das Leben nahm mir die Feder aus der Hand , und ich war seither nicht in Teestimmung . So hab ' ich ihn als Fragment abgeschickt , um Sie nicht länger warten zu lassen ; und ich denke , für ein Fragment war er lang genug . Heute würde ich nun wohl schwerlich den Faden wiederfinden , wenn Sie ihn mir nicht so liebenswürdig zugereicht hätten . Das Thema scheint Sie beinah mehr zu interessieren als mich selbst , ich möchte wissen warum . Es sieht fast so aus , als könnten Sie die Zeit nicht erwarten , wo Sie an meiner Seite Viere lang fahren werden . Es wäre auch sicher sehr hübsch , aber einstweilen gefällt es mir noch ganz gut , hier und da in ein fremdes Auto einzusteigen und so weit mitzufahren , wie ich gerade Lust habe . Ist keines da , so läuft man zu Fuß und flucht oder amüsiert sich darüber - je nachdem . Gott ja - das berühmte Thema - teurer Doktor , bitte , verwechseln Sie den Mangel an kaufmännischem Talent nicht wieder mit innerem Wert . Nein , ich habe innerlich nichts , gar nichts gegen das Verkaufen einzuwenden , weder für andere noch für mich . Nur müßten die Bedingungen angenehm und annehmbar sein . Und das ist selten , ach , so selten der Fall , vielleicht verfolgt auch gerade mich ein besonderer Unstern . Erschrecken Sie nicht , ich möchte sogar gelassen aussprechen , daß für mein Gefühl der Handel in seiner direktesten Form immer noch die beste Möglichkeit wäre und eigentlich auch die anständigste . Ein fremder Herr ( schon die Fremdheit ... Sie wissen ja ... ) , der spurlos wieder in der Versenkung verschwindet - was für eine Ersparnis an Nervenkraft gegenüber dem festen Utilitätsverhältnis , das vorsichtig gehandhabt und geduldig ertragen werden muß . Aber auf diesem Gebiet ist ja leider alles so mangelhaft organisiert , so gesellschaftlich unmöglich gemacht ... verlassen wir es lieber ... Der Sizilianer ist gerade zur rechten Zeit aufgetaucht , und sein Auto ist gut . Warum ist er Ihnen nicht ganz geheuer ? Ein Rasta , mit dem ich arg hereinfallen werde , meinen Sie - sicher ist er ein Rasta , aber das ist ja gerade sein Hauptcharme , ich habe immer ein Faible dafür gehabt . Und vermutlich fällt er eher mit mir herein , denn er scheint es wenigstens bisher bitter ernst zu nehmen . Und ich weiß nicht recht , was ich mit seinem Herzen anfangen soll . Es kann ein Dilemma sein , ob man jemand glücklich oder unglücklich machen soll . Manche haben mehr davon , wenn sie unglücklich sind - sie wollen gerne alle Tiefen der Leidenschaft durchmessen - und sind dann auch traitabler . In diesem Falle bin ich mir noch nicht klar darüber . Pedro - so heißt er - ist in seinem ganzen Wesen etwas ungestüm , und wenn er zu glücklich ist , werde ich einen schweren Stand haben . Aber die direkte Werbung steht noch aus - ich finde diesen Zwischenzustand sehr reizvoll und möchte ihn noch eine Zeitlang festhalten . Er umwandelt mich einstweilen auf Freiersfüßen und demonstriert mir vor , wie angenehm das Leben sich an seiner Seite leben läßt . Wenn ich zum Frühstück komme , sitzt er schon da , eine Blume im Knopfloch , dieselbe Blume als Strauß an meinem Platz - etwas ungeduldig , denn ich komme immer eine Stunde zu spät , und sein Chauffeur tyrannisiert ihn . Madame ... - Handkuß - ces fleurs ... dann kommt , was die Blumen des