gnädige Frau « , sagte sie leise . » Nicht doch « , wehrte Doralice , beugte sich vor und küßte Lolo auf den Mund . Von der Düne her aber bewegte sich ein Zug eilig auf Lolo zu . Voran Frau von Buttlär , die unausgesetzt » Lolo ! « rief und mit dem Taschentuch winkte , ihr folgte Fräulein Bork mit dem Badetuche , dann Wedig die Hände in den Hosentaschen und ein ironisches Lächeln auf den Lippen und zuletzt die Generalin erhitzt und ganz außer Atem . Lolo ging dem Zuge ein wenig zögernd entgegen . » Da bist du endlich « , rief Frau von Buttlär , » du bringst mich noch um mit deinen Geschichten . « Lolo ließ sich schweigend in das Badetuch hüllen , man sah ihrem eigensinnigen Gesicht sofort an , daß sie nichts zu ihrer Entschuldigung anführen wollte . Während sie jetzt alle wieder zum Badehause zogen , ging Frau von Buttlär hinter ihrer Tochter her und schalt unausgesetzt : » So etwas kann nur dir passieren , gerade dieser Person in die Arme zu laufen und geküßt hat sie dich . Wie kommt sie darauf , die freche Person ? Und du läßt das geschehen . Von wem wirst du dich nicht noch alles küssen lassen . « Da wandte Lolo ein wenig den Kopf und sagte entschlossen und eigensinnig : » Sie hat mich geküßt , weil ich ihr die Hand geküßt habe . « » Du hast ihr die Hand geküßt « , rief Frau von Buttlär , » hat man so etwas gehört und warum ? ich bitte dich . Diese Person , sie ist ja halbnackt , keine Ärmel und die Dekolletage ! Aber du hast keinen Stolz , du bist verlobt , du sollst eine ehrliche Frau werden ; wir ehrliche Frauen müssen doch Front machen gegen diese Damen und du küßt ihnen die Hände . Dein Bräutigam wird sich freuen . Ach Gott , mir ist ganz übel , so schäme ich mich . « Da legte sich die Generalin ins Mittel , sie schob Lolo in das Badehaus und sagte : » Für jetzt ist es genug , Bella , das Kind ist angegriffen , geschehen ist geschehen , wir werden ihr mit etwas Baldriantee den Kuß der Jasky wieder wegkurieren . « Zu Hause schickte Frau von Buttlär Lolo sofort zu Bett , sie selbst legte sich auch hin und Ernestine lief mit Baldriantee treppauf , treppab . Lolo lag oben in ihrem Zimmer auf ihrem Bett noch immer bleich und schaute mit ihren erregten Augen nachdenklich zur Decke auf . Nini saß neben ihr , sie sprach nichts , sondern schaute Lolo nur wartend an . Endlich begann Lolo zu sprechen , langsam und versonnen : » Ja , sie war herrlich , aber das wußte ich , und daß ich sie werde lieben müssen , das wußte ich auch , aber ich wußte nicht , daß sie etwas an sich hat , das einen weinen machen könnte . Ich hatte so das Gefühl im Halse wie bei ganz rührenden Stellen in Romanen , das ist natürlich deshalb , weil alle so schlecht von ihr sprechen , weil alle so gegen sie sind . Aber ich bin für sie . « - » Ich auch « , sagte Nini . » Du ? « fragte Lolo verwundert . » Du kennst sie ja gar nicht . « - » Das tut nichts « , meinte Nini , » ich war schon für sie den ersten Abend , als ich sie im Mondschein spazieren gehen sah . Aber was wirst du jetzt tun ? « » Ich weiß , was ich tun werde « , sagte Lolo ernst . Sie stand auf , setzte sich an ihren Schreibtisch und begann einen Brief zu schreiben . Nini wartete geduldig und fragte dann : » Hast du an sie geschrieben ? « » O nein « , antwortete Lolo überlegen . » Ich habe mir aus der Stadt sehr viel rote Rosen kommen lassen , die werde ich ihr abends durch das Fenster in ihr Zimmer werfen . « » Und ich « , beschloß Nini , » werde mich so lange üben , bis ich auch zur zweiten Sandbank schwimmen kann , und wenn ich dabei auch ertrinke . « Fünftes Kapitel Es folgten sich Tage mit unbewölktem Himmel und unerbittlichem Sonnenschein . Überall lag dieses heiße grelle Licht , es schwamm und zitterte auf dem Wasser , es sprühte auf dem Sande , erweckte Funken auf den Kieseln und auf den harten Stengeln des Strandhafers und der Seggen . » Man kann sich vor Licht nicht mehr retten « , sagte Hans Grill . Aber auch die Abende und Nächte brachten weder Kühlung noch Dunkel . Ein leichter Westwind bewegte die Schwüle nur , ohne sie zu mildern . In einem dunstigen violetten Gewölk wetterleuchtete es jeden Abend am Horizont und dann kam der Mond fast voll und das Glitzern und Sprühen begann wieder allerorten . » Man möchte zu dieser ewigen Helligkeit sagen « , bemerkte wieder Hans Grill , » ich will meine Ruhe . « Allein auch in den Stuben war diese Ruhe nicht zu finden , dort war es zu eng und zu heiß , und die Dunkelheit legte sich über den Schläfer wie eine dicke schwarze Decke . Selbst die Fischer , die sonst mit einbrechender Dunkelheit in ihre Hütten zu verschwinden pflegten , saßen vor ihren Häusern und starrten auf das Meer hinaus . So saßen die Wardeins auf der langen Bank vor ihrer Haustür , alle waren sie da nebeneinander aufgereiht wie Seevögel auf einer Klippe . Die achtzigjährige Großmutter , groß und knochig wie ein Mann , legte ihre seltsam knorrigen Hände flach auf die Kniescheiben , um sie zu kühlen . Wardein rauchte seine Pfeife ; seine bleiche Frau hielt das Jüngste an der Brust und die anderen Kinder saßen da im Hemde