Und ich seufzete : » Ach Oheim Tobias ! Warum hast du mich noch niemals zur Abendburg geführet ? « » Ich führe dich hin , Johannes , und zwar ohne Verzug . Wohlan , mache dich fertig ! « Froh und kühn schlug mir das Herze , stracks rüsteten wir zum Aufbruche . Das kostbare Walenbüchel tat der Oheim in einen Ranzen . » Das nehmen wir mit , « sprach er und hing mir den Ranzen um . Drauf gab er noch ein Stück Brot in den Ranzen , bewehrte seine Rechte mit der alten Partisane , die er auf seinen Gängen ebenso als Stütze wie als Waffe zu verwenden pflegte , und rief die alte Beate herein . » Gehab dich wohl , Beate ! Vier gute Stunden bleiben wir aus . « » Mit Gott , ihr beede ! Und seid mir au für Dunkelheet wieder derheeme , « antwortete Beate und reichte uns die Hand . Mit freudigem Kläffen kam Wächter gesprungen , da er uns zum Aufbruche gerüstet sah , und sein wedelnder Schweif fragte , ob wir ihn mitnehmen möchten . Da des Oheims Antlitz gnädig war , fuhr Wächter als übermütiger Störer in unsern Hühnerschwarm und hüpfte nach dieser Heldentat bellend über die Wiese . » Ins Weißbachtal ! « sprach der Oheim . » Nehmen wir selbigen Weg , der im Walenbüchel beschrieben stehet . « Und wir stiegen den nächsten Pfad hinan , so durch Gebüsch und Wiesen , vorbei an Bauden und Steinrücken über den Hüttberg führt , allwo sich der Blick ins Weißbachtal eröffnet . Zur Linken blieb die neue Glashütte von Preisler liegen , wir stiegen über ein Flüßlein , der Rote Floß geheißen , und bogen rechts ab , es aufwärts zu verfolgen . Murmelnd und schäumend kam das Wasser über die moosigen Blöcke gehüpft , als ein Geheimnis , geheget von den Fichten , so mit grauen Bartzotten behangen wie alte Riesen aussahen . An einer Stelle war ein feuchtquappig Waldmoos , davon wir naß Schuhwerk bekamen . » Hier hab ich oft nach Golde gesucht , « sagte der Oheim ; » auch etlichen Goldseifen ausgewaschen ; doch lohnet sich nicht die Mühe . « Bald nach dieser Stelle tat sich der Wald voneinander , und auf sonniger Wiese reckte ein dicker Buchenbaum den mächtigen Wipfel . In den Stamm waren Buchstaben , Kreuzlein , Herzen und andere Zeichen gegraben . Einen schier verwachsenen Riß wies mir der Oheim in der Rinde : » Siehe hier ein köstlich Symbolum von einem Walen eingeschnitten , das ist ein Bischofsstab , wiewohl kaum mehr zu erkennen . An dieser Stätte laß uns niedersitzen , und du sollst fürder aus dem Walenbüchel vorlesen . « Ich kauerte mich zwischen ein paar glatte Felsen , indessen der Oheim aus dem Ranzen das Manuscriptum holte . Von süßem Bangen war mein Herz erfüllt , wie ich so den heiligen Baum mit den Rätselzeichen anstaunte und auf sein Wipfelsäuseln lauschte . Aus Waldestiefe lockte die gurrende Taube , und wie ein fern Glöcklein klang des Kuckucks Ruf . Da reichte mir der Oheim das aufgeschlagene Walenbüchel , und ich fuhr fort , zu lesen : » Ich , der Jacobus Puschmüller , ein Kaufmann zu Regenspurg , war durch des Allmächtigen Verhängnus also verarmet , daß ich mit zehn Floren von Weib und Kind fortgemußt , ein neu Brot ausfindig zu machen . Da bescherete mir Gott einen guten alten Italiener , daß er sich mein erbarmet und mit nachfolgender Beschreibung reicher Schatzlager getröstet hat - wie ich denn an einem der beschriebenen Orte Goldes genung gefunden und mich wiederum zu Ehren gebracht habe . In Schlesien ist die Stadt Hirschperg , an zween Flüssen gelegen . Gehe von dorten fünf Stunden weit ins Gebirg . Kommest in ein Dorf , geheißen des Schreibers Hau . Gehe auf den Schwarzen Berg und immer gen Abend durch Gehölz , auf eines Pfades Spur , so durch hohe Beerenstauden führet . Kommest zu großen Steinen , sind aber noch nicht die rechten . Gehe vorbei , immer den Pfad entlang , bis haushohe Felsen ragen , anzuschauen als eine Purg . Schwarz ist das Gestein , hat aber eine weiße Stelle , gleichwie eine Pforte aus Marmel . Davor gen Mittag dreizehn Ellen weit findest du zwischen Felsen ein Loch . Stoße einen starken Knittel hinein , wuchte und wiege , bis du den übergelegten Stein aufwiegest . Nun lege ihm was unter und nimm die Kostbarkeit , so dir Gott bescheret , Goldkörner arabischer Art , gleich Haselnüssen ; lassen sich plätzen . Tu aber den Stein wieder an seine Stelle , sonsten möchte ein Gespenst dich erschrecken ; denn dorten ist es ungeheuer . So du aber keine Furcht kennest , begib dich zum weißen Stein der Abendpurg zu Walpurgis oder Johannis oder auch am ersten Advent eine Stunde vor Mitternacht . Einen Zauberkreis mache , nach den Regulis Magiae , zünde darinnen ein Feuer an und koche in einem neuen Kessel eine Zaubersuppen . Wie die zu bereiten , weiß ich nicht genau zu sagen . Es gehöret dazu eines Maulwurfes Pfote , und unter strengem Stillschweigen muß gekocht werden . Ist der Nacht Mitte da , so spritze etliches aus dem Kessel an die weiße Marmelpforte , rufend : Woide , Woide , Woide ! Da wird der Felsen sich auftun mit Getos , und du darfst eingehen . In einer Nischen des Stufenganges kauert eine vermummete Gestalt , reget sich nicht . Gehe dreist vorbei , kommest alsdann in eine schneeweiße Halle . An der Wand stehen Truhen mit Golde . Inmitten der Halle aber springet aus einem Marmelbecken ein brausend Sauerwasser an die fünf Ellen hoch , stäubet nieder mit Regenbogenglanz und bespület Edelgestein , so im Becken als Bachkiesel lieget : violenblaue Amethyste , rotgelbe Hyazinthen , schwarze Bergkristalle , gelbe Topasier , grüne Saphire , schön durchsichtige Chalcedonier und dunkle Jasponichel mit roten Tupfen