, die ihm wie feine Finger schienen , und aus dem Finken- und Starenflug über den Ebereschkronen der staubigen Landstraße , auf der sie Stunden schon hingezogen , das amüsierte die Zigeunerkinder und scharte sie um ihn . Und Einhart konnte nicht satt werden , sich umzublicken in die Lande , wo die reifenden Felder in Sonne gebreitet lagen , die fernen Kirchdörfer mit roten Dächern und Türmen und Kreuzen darauf im Baumwerk glänzten und leuchteten . Konnte nicht satt werden , dienstwillig einher zu eilen , wenn man am Straßenrande im Baumschatten ruhte , und es galt die struppigen Pferde zu tränken , Wasser herbeizuholen oder sonst Handreichungen zu tun . Man hatte an einer Windmühle auf einsamer Höhe Rast gemacht . Der Wind hier oben hatte das Gefühl der Schwüle , das Einhart ein paarmal unterwegs wie flüchtig den Atem genommen , trotzdem sein Gesicht frisch und feucht und vergnügt immer vor sich hin gelächelt , längst genommen . Und es konnte für ihn jetzt nach getaner Arbeit nichts Schöneres geben , als so unter Glockenblumen und Schierling und allerlei gelbem Blühwerk hingestreckt liegen , während Käfer und Spinnen an Halmen herumkrochen , und die Sonnenstrahlen sich unter das kleine Grasgeräume stahlen , so alles nacheinander gespannt anzustaunen , auch den blaßblendenden Himmel oben , und das faule , braunäugige Dirnenvolk mit seinen losen Heimlichkeiten daneben , die sich achtlos enthüllten . Wie im Himmel kam sich Einhart vor . So hatte er sich das Leben gedacht , so und nicht anders . Durchaus nicht faul . Müde wurde man . Zu tun gab es genug unter dem Wandervolke . Auch Kinder und Dirnen hatten genug zu tun gehabt , ehe sie dem alten , weißen , geizigen Griesgram von Müller den Eimer Mehl abgebettelt , der jetzt von den Müttern zu Brei zusammengerührt und mit Kräutern verspeist werden sollte . Hier gab es doch wirklich einmal ein seliges , Einsaugen der Welt . Hier lag man einmal ohne allen Anspruch . Hier stampften die Pferdehufe eintönig in die tiefe Sommerstille , und auch die Männer , die aus den halberhobenen Planen den ganzen Weg hinausgeschrieen und sich zugelärmt , waren hier still und träge hingelagert . Und man genoß wirklich , wie wenn man die Welt unter den Füßen in erhabener Höhe lebte . Einhart dachte jetzt auch , als er so dalag , daß das Geschrei und die Stimmen , die hart und unbarmherzig in die Lüfte gehallt , nur aus Gewohnheit kämen , weil sie immer das Gerassel der Wagen übertönen müßten . Er liebte die Leute . Freilich hatte er sich schon am Vormittag ein wenig erschrocken mit einfältigem Lachen im Gesicht , weil der eine alte Zigeuner , der ihn übrigens , wie die Männer alle , wie Luft behandelt , frech und rücksichtslos unter die Dirnen mit der Peitsche hineingeschlagen , immer wieder neu , bis sie sich trotz deren anfänglicher Bosheit und Störrigkeit aus Einharts Nähe eine Weile zurückgezogen . Es hatte ein Aufheulen der Kinder und ein Gekreisch unter den Müttern gegeben . Franziska hatte einen Hieb mitten über die Backe unversehens aufgefangen . Und das Gesicht war sogleich blau angeschwollen . » Ein Vieh ! « hatte Einhart plötzlich auch in diesem Augenblicke ausgestoßen . Nichts sonst . Denn beim Weiterfahren in das nächste Dorf hinein hatte man davon schon nichts mehr gewußt . Da war es nur hurtig weiter gegangen , alles nur mögliche in die Wagen geborgen , Vieh und Menschen . Da waren die Wagen hart den Berg hinabgerasselt , die kleinen , grauen , schwitzigen Falbratten davor galoppierten , und man saß untereinander und lachte und trieb tausend Kurzweil im Dehnen und sich lässig Gedanken machen . Nie hätte Einhart jetzt daran denken können , daß der seltsame Traum , den er so hinlebte , einmal könnte ein Ende nehmen . Er stand schon wieder und kühlte am Wassertroge im Hofe des Dorfkretschams , wo man untergekommen , Franziska die blaue Schwiele , als ihn ein Gendarm unsanft am Arme riß und ihn auch gleich ohne rechtes Besinnen seinerseits mit fortgenommen . Und damit war Einhart ebenso unversehens bald wieder daheim . Denn es hatte gar keine Reden gegeben , auf die der Gendarm nicht mit aller Strenge und höhnisch herabgesehen . Und etwa zu leugnen , daß er Einhart Selle war , war Einhart bei dieser Überrumpelung gar nicht richtig in den Sinn gekommen . Man hatte ihn anfangs sogar gebunden . Aber Einhart hatte dem Gendarm einfach erklärt , daß er durchaus nicht entweichen und ruhig mitkommen würde . Er fühlte sein Gewissen ganz rein und fand es sogar in seiner Art nicht ohne Reiz , einmal die Welt auf diesem Rückwege der Enttäuschung anzusehen . » Her als Freier , hin als Gefangener , « so phantasierte und lächelte er vor sich hin und belustigte sich heimlich noch gar über den grünen Laubfrosch von Gendarm , der in ganzer Würde neben ihm schritt . Nicht groß Rückschauen gab es und nicht groß Vorschau . Daran nur einstweilen ganz noch ins Unbestimmte beteiligt . Er mußte an Rosa denken , der er alles erzählen wollte , und vor allem der Mutter . Das machte sogar eine flüchtige Neugier , wie ihn die daheim ansehen würden . Wenn Herr Selle graue Miene machte , war das nichts Neues . Daß da etwas sonst geschehen könnte , ahnte Einhart mit keiner Silbe . Aber die Sache war als Wirklichkeit doch sehr unangenehm . Erstens einmal war eine ganz fremde Kälte schon in den Schwestern , die zufällig im Korridor standen , als man ihn heimbrachte . Keine hatte gewagt , ihn zu begrüßen . Nur mit Kopfnicken von ferne , nur ganz steif , und als wenn jede ganz beschämt wäre . Er hatte ihnen zugelächelt , da er ja doch noch immer derselbe Einhart war . Aber da hatten ihn Johanna und Katharina und Emma noch seltsamer und steifer angesehen , ohne zu erwidern