drehte den Kopf nach Westen . Die eine Hälfte des Marktplatzes lag in hellem Sonnenscheine , und aus allen Häusern liefen die Hunde auf die warme Seite hinüber . Der Buchdrucker Schüchel verließ seinen dunklen Laden und ging zum Melber Wimmer , der mit anderen Bürgern in der Sonne stand . Denn um diese Jahreszeit freuten sich Menschen und Tiere an ihren Strahlen . Ein offener Einspänner kam die Ingolstädter Straße herauf . Ein kräftiger Schimmel zog ihn , und die Hufeisen klapperten in langsamem Takte auf dem Steinpflaster . Neben dem Kutscher saß ein Mann in geistlicher Tracht , und der Wagen hing stark auf seine Seite hinüber . Vor dem Sternbräu hielt das Fuhrwerk . Der Dicke stieg schwerfällig herunter , und die Bürger grüßten ihn . Er spreizte die Beine von sich , wie einer , dem langes Sitzen sauer gefallen ist , und schritt bedächtig den Marktplatz hinunter . Der Schuster Prantl sah ihn von seinem Drehstuhle aus . Er legte Nadel und Pfriemen weg und ging auf die Straße zu seinen Mitbürgern . » Habt ' s an Pfarra vo Giabing g ' sehg ' n ? « fragte er . » Der werd halt wieder zu unsern Großkopfeten geh ' , « sagte Wimmer . Und er meinte damit den königlichen Bezirksamtmann Otteneder , welcher gerade am Fenster stand und mürrisch heruntersah . Seine Untertanen gefielen ihm nicht ; er warf verächtlich die Lippe auf und sagte vor sich hin : » Faules Pack ! Steht auf der Straße herum und stiehlt dem lieben Herrgott den Tag . « Abneigung von oben wie von unten . Es war eine schlimme Zeit . Diese Bürger gewährten wohl ein friedliches Bild ; aber wer ihre Reden hörte , als sie später beim Frühschoppen saßen , der gewann einen anderen Eindruck . Der Buchdrucker Schüchel vermaß sich , daß er in seinem Wochenblatt einen unerbittlichen Kampf gegen Beamte und Geistlichkeit führen wolle ; und der Melber Wimmer schlug auf den Tisch und sagte , daß die Regierung mit Absicht den Mittelstand zugrunde richte . Welcher Geist war in diese Leute gefahren , die sich früher als ruhige Männer und besorgte Familienväter gezeigt hatten ? Es war der Geist der Auflehnung , der zuerst die Bauern ergriff , und dem sich die Bürger nicht verschließen konnten . Die Kaufleute spürten , daß es den Bauern an Geld fehlte , die Handwerker klagten über das nämliche ; alle billigten eine Bewegung , von der sie Besserung hofften . Treue Untertanen wurden irre an ihrer Pflicht und an ihrem Glauben . Die Bauern verloren zuerst den festen Halt . Es war auch früher vorgekommen , daß einer jammerte über schlechte Preise und hohe Steuern . Aber er tat es bei den Behörden und mit ehrerbietigen Worten . Er bat nur für sich um einen kleinen Vorteil und war zufrieden , wenn sein Nachbar weniger erhielt . Jetzt kamen die Leute mit ungestümen Forderungen und verlangten Rechenschaft von der Obrigkeit . Und was das Schlimmste war , sie kehrten sich gegen ihre Priester . Man sagte , die Geistlichkeit habe Schuld daran , weil sie zuerst den Glauben mit der Politik vermischt habe . Aber die ließ es nicht gelten und jammerte von den Kanzeln herunter , wie der Glaube der Väter dahinschwinde , und wie die Kirche in Bedrängnis komme . Die Bauern ließen sie reden und zählten grimmig das Geld , welches sie auf den Schrannen lösten . Siebzehn Mark für den Scheffel Korn , zweiundzwanzig für den Weizen . Und sie erinnerten sich noch gut an die Zeit , wo die Frucht mehr wie das Doppelte galt . Das ließen die Leute zu , denen sie ihr Vertrauen schenkten , die sie nach Berlin in den Reichstag schickten , damit sie frei hinstünden und sagten , was den Bauern not tue . Es kam eine arge Wut über die Leute . In Niederbayern fing es an . Da rührten sie sich zuerst und fanden unter sich Männer , die sagen konnten , was alle meinten . Es war grob und heftig ; aber Leute , die lange den Zorn in sich hineinfressen , hauen über die Schnur , wenn sie das Reden anfangen . Und wird die Ehrfurcht locker , dann schlägt sie leicht in das Gegenteil um . Es fielen böse Worte , und der Kampf verschärfte sich von einem Tag zum andern . Das Feuer schlug nach Oberbayern herüber ; es flackerte da und dort auf . Es wurden Markgenossenschaften gegründet , ein Waldbauernbund tat sich zusammen ; der Hutzenauer von Ruhpolding probierte das Reden , und es ging ihm gut genug . Andere machten es ihm nach , und jeder hatte Erfolg , wenn er sagte , daß der Bauer obenauf kommen müsse . Die bündlerischen Zeitungen fanden Eingang in die Gemeinden ; überall gärte es , überall war der Boden bereitet . Es fehlte nur am rechten Zusammenhalten ; und es fehlte an der Agitation . » Versammlungen müssen her , « sagte der Melber Wimmer , » und Vertrauensmänner . Sonst woaß ma ' r überhaupt net , wer zu oan steht . « » Vor allem a Versammlung , « meinte Prantl , » und de Versammlung muaß in Nußbach sei ' . De Leut ' müassen sehg ' n , daß si was rührt . « » Das ist auch meine Ansicht sozusagen , « pflichtete Schüchel bei ; » Nußbach ist der Mittelpunkt . Sozusagen die Zentrale . Von da aus muß die Bewegung sozusagen strahlenförmig auseinandergehen . Also net wahr , wenn ich zum Beispiel hier einen Kreis ziehe . Geh , Anna , bringen S ' mir eine Kreiden ! « » Dös braucht ' s net , « sagte Prantl , » lassen S ' uns aus mit eahnern Kreis und eahnere Strahlen ! « » Ja , wenn die Herren meinen , aber das kann man doch auch mit Ruhe sagen , net wahr ? Übrigens