antwortete , daß er nach Süden zu den Kalhuran wolle . Da sagten sie ihm , daß er hierher reiten solle , um ein gutes Geschäft zu machen . Es sei ein großes Wettrennen geplant , zu welchem sich viele Menschen einstellen würden . Wenn er da sein Handelszelt aufschlage , werde er wohl viele Käufer finden . Er war ihnen für diese Mitteilung sehr dankbar und sagte ihnen , daß er ihrem Rate folgen und hierherreiten werde . Da bekam er von dem Multasim den Auftrag , den er uns ausgerichtet hat . « » Wie lautete diese Botschaft ? « » Sie war höchst eigentümlich , uns allen unverständlich . Nämlich zwei Zeilen aus dem heute von uns gesungenen Liede . Brich auf , mein Herz , der Rose gleich , in der sich alle Düfte regen ! Und hinzugefügt hatte der Bluträcher : Sage im Duar , daß die Rose noch heut aufbrechen werde ! Ist das nicht sonderbar , Effendi ? « » Allerdings , aber nur in dem Sinne , daß überhaupt jede Unvorsichtigkeit sonderbar genannt werden muß . « » Unvorsichtigkeit ? « fragte er erstaunt . » Ja . « » Das begreife ich nicht . Wir haben diese Worte als einen nachträglichen Hohn gedeutet und uns dabei beruhigt . « » Ich wollte , Ihr hättet sie mir eher mitgeteilt als jetzt ! Es liegt wahrscheinlich ein Mordanschlag vor . « » Chodeh ! « fuhr der Pedehr auf , und auch die andern zeigten sich durch diese meine Deutung erschreckt . » Gegen wen ? « » Gegen mich . « » Unmöglich ! « » Ich habe gesagt , wahrscheinlich . Und ich pflege zu wissen , was ich sage . Das betreffende Lied vergleicht Rose und Herz . Mit diesem Herzen aber ist das meinige gemeint . Wörtlich mein Herz ! Es soll aufgebrochen werden ! Mit dem scharfen , spitzen Stahle ! « » Aus welchem Grunde kommst grad du auf diese Idee ? « » Davon vielleicht später ! Ich habe jetzt zu fragen und zu handeln . Der Bluträcher hat uns nicht für klug genug gehalten , ihn zu durchschauen . In ihm wohnt der Haß , und dieser ist bekanntlich der Bruder der Unvorsichtigkeit und Ueberhebung . Er hat späte damit prahlen wollen , daß sein blutiges Werk gelungen sei , obgleich er uns vorher gewarnt habe . « Hierauf wendete ich mich zu dem jungen Dschamiki und fragte ihn : » Wo warst du , als du den Multasim sahst ? « » Draußen vor dem Duar , « antwortete er . » Ich hatte die Schafe in den Pferch gebracht und mich hinter einem Steine niedergelegt , um nach dem Alabasterzelte hinaufzuschauen . Man konnte mich vom Wege aus nicht sehen . Da kamen vier Reiter von Osten her . Sie blieben in der Nähe halten und stiegen ab . « » Drei waren es doch ! « » Diese drei , welche ich meinte , schlichen nach dem Duar . Der vierte blieb bei den Pferden . « » Du erkanntest den Multasim ? « » Ganz deutlich . Er war einer von den dreien . « » Was für Waffen hatten diese letzteren ? « » Sie gaben ihre langen Gewehre dem vierten , ehe sie sich entfernten . Alles andere aber haben sie noch bei sich . « » Hast du dich sehen lassen ? « » Nein . « » Was thatest du ? « » Ich schlich mich auf dem Boden hin , den dreien nach . Sie verließen den Weg . Sie huschten quer hinüber , um hinter den Duar zu kommen . Ich konnte ihnen nicht so schnell folgen , denn wenn ich mich aufgerichtet hätte , so wäre ich von ihnen gesehen worden . Darum verlor ich sie aus den Augen . « » Und bist dann nicht weiter gefolgt ? « » Nein . Ich ging zum Vater und erzählte es ihm . Hierauf sind wir sofort zum hohen Hause gekommen , um es zu melden . « » Welche Zeit ist vergangen , seit du sie von ihren Pferden steigen sahst ? « » Bis jetzt kaum eine halbe Stunde . « Da klopfte ich ihm auf die Schulter und sagte : » Du hast deine Sache gut gemacht . Ich muß dich loben ! « Dann fuhr ich , zu den andern gewendet , fort : » Wir haben Zeit . Der Multasim wartet hinter dem Duar , bis hier oben bei uns kein Licht mehr brennt . Für mich steht es fest , daß er sich nicht eher heranwagt . Was er vorhat , ist verwegen , so verwegen , daß ich ihn bemitleiden muß . Ist dieser Mensch denn ein im Wildnisleben so erfahrener und gewandter Mann , daß er , ohne einen Wahnsinn zu begehen , sich zumuten kann , mit seinem Dolche hier im hohen Hause ganz unentdeckt und unbestraft mein Herz zu finden ? « » Dein Herz ! « sagte der Ustad . » Ich halte es noch immer für eine Unglaublichkeit ! « » Und dennoch ist es wahr ! « » Du mußt dich täuschen ! « » Nein . Ich wollte diese Angelegenheit als Geheimnis behandeln ; aber da der Bluträcher nicht wartet , bis ich dich verlassen habe , sondern dein Haus zum Schauplatze dieses Mordes machen will , schon heut , gleich an demselben Tage , so halte ich es für meine Pflicht , dir mitzuteilen , was zwischen ihm und mir vorgekommen und gesprochen worden ist . « Ich erzählte es so kurz , wie ich es für geraten hielt , legte ihnen jedes Für und jedes Wider in Beziehung auf meine Ansicht vor und überzeugte sie derart , daß der Pedehr , als ich geendet hatte , ganz entrüstet sagte : » Du hast recht , Effendi : Es gilt einen Mord , und zwar nur dir , nur