wie es ist . Die magere , zernähte Hand , die scharfen Messerchen zum Zerschneiden , der Selbstmord der Armen . Woher sonst frisches Material nehmen für die » normale Anatomie « ? Ich - das hier - der Präpariersaal - arme , verzweifelte Mutter - starrer Zeigefinger du - Nun , was ist das heute mit mir ? Fängt es schon wieder an ? Nimm dich zusammen , Josefine , der Assistent kommt . Er wird dich fragen nach den Namen der Muskeln , der Nerven , die diese arme Hand - Um Himmels willen , was ist mit mir ? Ich werde mich blamieren ! Sie ist ja tot . Fühlt nichts mehr . Hat den Witz des Prosektors nicht gehört . Keine Miene verzogen ! Du willst doch lernen . Lernen , um nachher helfen zu können ! Kann ich - kann ich helfen ? Solchen armen Müttern , die in die Siehl springen müssen mit ihrem Kinde im Arm ? Da ! der Assistent . Er schiebt heran . Das tägliche Examen beginnt . Das ist ' s ja , was den Menschen zieret , Und dazu ward ihm der Verstand , Daß er im innern Herzen spüret , Was er erschafft mit seiner Hand . Immer zitiert er , der Assistent ... » Was er erschafft - « Und was er zerstört auch . Wieso zerstört ? Hier wird nichts zerstört . Nur schön reinlich zertrennt . All die Muskeln , die Bänder , die Nerven . Nachher gibt es ein zierliches Präparat . Man lobt sogar . Es muß ja sein . Aber doch lobt man das schönste Präparat . Das ist für den Ehrgeiz . Warum sprang sie in die Siehl ? Sitzt ihr Mann vielleicht im Zuchthaus ? Und die Kindesleiche ? Die ist gleich in Eis gelegt , nicht wahr ? Ach richtig , daß ich es nicht vergesse - morgen ist Röslis Geburtstag . Die kleine Wachspuppe muß ich noch kaufen , sie freut sich so darauf . Liebes Rösli du ! Aha , der Professor auch noch . Jetzt examiniert der noch einmal . Werd ich bestehen ? Werd ich mich blamieren ? Nein , ich werde schon wissen , ich bin das meinem Vater schuldig . Was für ein häßlicher , quarrender Ton ? Woher kommt der ? » Nein aber ! « ruft die Kollegin , » der Lausbub , der Luzerner , sehen Sie , was der macht . Hat den Magen da genommen und bläst ihn auf wie ' nen Dudelsack ! Seelenroheit ! « Der Bursche lacht » hihi ! « Ein paar lachen mit . » Pfui ! « schreit Josefine . Es ist ihr so entfahren , ganz laut und empört . Alle gucken sie an . Einige nicken . » Das hätten Sie sich sparen können , « sagt die Kollegin , » der bringt ' s in die Bierzeitung , passen Sie nur auf . Man muß diese Dinge nicht so ernsthaft nehmen . Der Lausbub kommt vom Frühschoppen . Das macht nur böses Blut gegen uns Weibliche . Tun Sie das , bitte nicht wieder . « Josefines Gesicht zuckt . » Immer werd ich pfui schreien , wenn ' s nötig ist . Sollen wir überall dabei sein und schweigen ? Man läßt uns zu - nun - wir wollen den Ton mit bestimmen , der hier herrschen darf ! « » Sie sind zu hitzig . Wenn Sie so machen , fliegen wir Weibliche nächstens hinaus . ' s ist ja nur ein dummer Junge . « Am Ausgang trifft Josefine mit dem Luzerner zusammen . Er bringt sein blasses freches Gesicht dem ihren ganz nah und schreit : » Sie da ! Warum haben Sie pfui gerufen ? « » Warum ? « Josefine sieht ihn ernsthaft an . » Solche Roheiten gehören nicht in eine wissenschaftliche Anstalt , Herr - « Der Student blinzelt . Seine Augen röten sich vor Wut . » Sie haben hier nichts zu monieren . Dazu ist der Prosektor da . « » Ich werde mich beim Professor beschweren ! « » Hihi ! sogar beschweren ! Haben Sie nicht gehört , was der Doktor Ebert vom Proletarierfett gesagt hat ? « » Schämen Sie sich , Herr ! « ruft Josy . » So ? auch noch schämen ! Wer zimperlich tut , mag draußen bleiben , wissen Sie ' s jetzt ? « Es hat sich ein Kreis um die Streitenden gebildet , niemand greift ein . Der Luzerner ist ein bekannter Raufbold . » Ich hab ' s ja nur ausmessen wollen , wieviel Kubikcentimeter Inhalt so en Proletariermagen faßt , « grinst der Bursche gegen die Umstehenden . Man lacht . » Kommen Sie fort ! « Die Kollegin zieht Josefine mit sich . » Sie haben schon genug angerichtet , Sie hetzen uns den ganzen Präpariersaal auf den Hals , sämtliche deutsche Studenten ! « Müde und zerschlagen heim zum Mittagessen . Aber an der Tür laufen Josefine die Kinder entgegen . » Einen Augenblick , Kinder , Mama muß sich erst umziehen . « Fort mit den Arbeitskleidern , an denen der Geruch aus dem Präpariersaal klebt ! Fort mit den abstoßenden Bildern , den niederdrückenden Vorstellungen dieser letzten Stunden . - Es ist doch gut , daß wir nicht in die Siehl gesprungen sind , meine süßen Kinder . » Leg dein Köpfchen an , Rösli , schneckelt euch an die Mama ; ja , die Mama bleibt jetzt bei euch , vier volle Stunden , wir haben heut einen bequemen Tag . Und morgen ? was ist morgen ? Wie alt wird unser Rösli morgen ? Und wünscht sich noch eine Puppe , so ein großes Mädchen von sieben Jahren ! « Aber da kommt Bernstein zum Mittagsessen , lesend im Gehen wie gewöhnlich . Josefine läßt die Kinder los und ruft ihn an : » Haben Sie die Geschichte mit dem