alles herüber und hinüber , herunter und hinauf , und brachte aber grad das nicht , was ich haben wollte . « » Das ist fatal ! « » Vielleicht erfahren wir es unterwegs ! « » Schwerlich . Die Mißlichkeit liegt in dem Umstande , daß Ghulam zwar ein Name ist , aber auch einen Stand bedeutet . Ghulam kann jeder Mensch heißen ; dieses Wort kommt im Persischen ebenso oft vor wie der Name Halef im Arabischen . Ghulam ist aber auch ein Diener ; besonders werden berittene Diener so genannt , und unter Ghulam Pätschä versteht man den Pagen , den jungen Leibdiener eines hohen Herrn . Du siehst also , daß wir uns in einer Ungewißheit befinden , die uns in Verlegenheiten bringen kann . « » Vielleicht könnte uns der Inhalt des Briefes Aufschluß geben ? « » Möglich ! « » So öffne ihn doch ! « » Ich gehöre nicht zu den Leuten , denen das Briefgeheimnis nicht heilig ist . « » Briefgeheimnis ? Erlaube , Sihdi , daß jeder Brief geschrieben wird , um gelesen zu werden . Dieser ist an Ghulam gerichtet , der ihn lesen soll . Weil wir aber nicht wissen , wer , was und wo dieser Ghulam ist , wird er ihn nicht bekommen , außer wir öffnen das Schreiben , um zu erfahren , wo und an wen wir es abzugeben haben . Das Oeffnen des Briefes ist also keine verbotene Handlung , sondern eine Notwendigkeit , und wenn wir ihr Gehorsam leisten , muß uns Ghulam dafür dankbar sein . « » Wie schön du das zu sagen weißt , lieber Halef ! Du bist immer der Schlaue ! « » Ja , der bin ich ! wenn die Länge deines Verstandes nicht ausreicht , so muß ich dir mit der Breite des meinigen zu Hilfe kommen . Das weißt du doch schon längst . « » Leider aber gilt hier diese ganze Breite mit allen ihren Finessen nichts . Wenn wir den Adressaten des Briefes nicht kennen , haben wir uns bei dem , der dir das Schreiben übergeben hat , nach ihm zu erkundigen , also beim Kahwedschi . So ist die Sache . « » Das dürfen wir aber doch nicht ! « » So müssen wir den Brief zurückgeben . « » Das fällt uns gar nicht ein ! Sihdi , ich würde den Brief öffnen , ohne zu denken , daß ich dadurch einen Platz in der Hölle bekomme . Dein Gewissen aber ist nicht so kräftig wie das meinige , sondern im höchsten Grade tschapuk kydschyklanyr20 , was unter Umständen , wie der jetzige , tief zu beklagen ist . Gieb mir den Brief wieder ! Ich werde ihn aufmachen , und dann kannst du ihn lesen , ohne dir Vorwürfe darüber machen zu müssen . « » Ich halte das noch nicht für notwendig ; wir haben ja Zeit zum Ueberlegen . Erzähle weiter ! « » Der Kahwedschi war bereit , mir den Brief anzuvertrauen , und da dies aber niemand sehen sollte , wollte er dies heimlich thun , denn auch der Somali durfte nichts davon wissen . Er bat mich darum , mit ihm hinauf unter das Dach zu steigen , wo er ihn versteckt hatte . « » Vielleicht befindet sich da oben überhaupt ein Versteck für Dinge , welche sich auf die geheime Verbrüderung der Sillan beziehen ? « » Das ist möglich , Sihdi . « » Hast du nichts bemerkt ? « » Nein . « » Der Kahwedschi scheint als Postbeamter dieser Verbindung thätig zu sein ; da ist es denkbar , daß man außer Briefen auch andere Dinge bei ihm niederlegt . Wo hatte er das Schreiben versteckt ? « » Das werde ich dir gleich sagen , sobald ich an die betreffende Stelle komme . Wir gingen in den Hof , wo die Leiter steht . Ich mußte ihn führen , denn er wankte unausgesetzt zwischen dem Orient und dem Occident herüber und hinüber und knickte bei jedem Schritte zusammen , als ob er zehn übermäßige Kamellasten auf dem Rücken trage . Wie ich mit ihm die vielen Sprossen hinaufgekommen bin , das kann ich dir gar nicht sagen . Endlich oben angekommen , setzte er sich gleich nieder und wollte schlafen ; er hatte alles , auch den Brief , vollständig vergessen , und ich mußte sehr lange in ihn hineinsprechen , ehe er sich besann , in welcher Absicht wir so mühsam heraufgeklettert waren . « » Wie war der Raum beschaffen ? « » Er war so lang und breit wie das an vielen Stellen offene Rohrdach , aber so niedrig , daß man nicht aufrecht stehen konnte . Es lag da überall altes , wertloses Gerümpel herum , für welches ich nicht einen einzigen Piaster geboten hätte . Der Brief war in einen Lappen eingeschlagen und steckte in einer Ritze der Wand . « » War diese Ritze groß ? « » Nein . « » Steckte er allein darin ? « » Ja . « » So bildete sie kein Sammelversteck und war bestimmt , nur ihn zu verbergen . Es ist mir das ein Beweis , daß es da oben überhaupt keine heimliche Stelle giebt , welche dem Sillan als Aufbewahrungsstätte dient . Es wird also wohl so sein , daß dem Kahwedschi nur zuweilen ein Brief zur Uebergabe an den Boten anvertraut wird . Wäre ein geheimes und regelmäßig benutztes Versteck vorhanden , so hätte der Wirt den Brief dahinein und nicht in die Wandritze gethan . Was hat er gesagt , als er dir ihn gab ? « » Auch wieder allerlei unverständliches Zeug . Als ich ihn eingesteckt hatte und wir wieder an die Leiter kamen , um herabzusteigen , weigerte er sich , dies zu thun . Er glaubte plötzlich , am Flusse zu sein ; er sah die Wogen fließen und hörte ihr Rauschen ; darum