war stürmisch . Die Winde kamen von Süden , und draußen in der Ebene gurgelte es wie in einem Strudel . Der Mond grinste fahl durch geborstene Wolken , und es war , als ob er selbst sie zerrissen hätte und sie aufgelöst vor sich her triebe . Gegen Mitternacht kam ein Herbstgewitter . Flatternde , schwere , lichtsaugende Nebel fielen nieder , und die Blitze fuhren hinein mit einem süßgelben Leuchten . Rahel sah zu , und ihr wurde bitter in der Kehle vor Grauen ; in der Ferne heulten die Hunde . Rahel war müde . Was da draußen vorging in der Welt , sie kümmerte sich nicht darum . An nichts glaubte sie , mitten in einem Haufen von Wahnsinnigen blieb sie ruhig und nachdenklich . Doch hatte sie Furcht vor der Zukunft . Was soll aus dem Kind werden ? dachte sie , und was aus mir , wenn sie alles erfahren ? Gegen zwei Uhr , das Gewitter hatte sich verzogen , rief das Schofar die Juden in den Tempelhof . Zacharias Naar verlas einen Brief des Sabbatai an seine Braut Zirle , die er Zilla nannte . Es war ein feuriges und sinnlich überschwengliches Liebesgedicht , und es hieß zum Schluß , daß er sie samt ihrem Volk , den Lebenden und denen , welche von den Toten auferstehen würden , am siebzehnten Tag des Monats Tamuz zu Salonichi empfangen würde . Darauf stellte Zacharias Naar drei Fragen an die schweigende Gemeinde : Ob sie mit Gut und Blut sich dem Messias ergeben wollten ? ob sie die Mühen und Beschwerden der langen Wanderung nicht scheuen wollten ? ob sie ohne Murren und Weigern die Göttlichkeit der Messiasbraut anerkennen und ihren Befehlen folgen wollten ? Ein bebendes Ja aus vielen hundert Kehlen antwortete . Nun trat Zirle in die Mitte des Kreises , hob ihre Arme verzückt zum Himmel , und ihr leidenschaftliches Gebet ließ die Zuhörer erglühen vor Sehnsucht und Begierde nach dem Neuen , Großen , Wundervollen , das für sie bereit war . Noch wußten sie nichts , was ihnen Sicherheit gab , aber mehr war es , zu glauben und dem Kommenden begeistert entgegen zu leben . Jauchzend wollten sie ein Land verlassen , das nur Verachtung und unmenschliche Grausamkeit für sie gehabt hatte . Es schien leicht , alles hinter sich zu werfen , wenn im Osten die Triften der ererbten Wohnsitze lockten , wenn ein königlicher Prophet sie zum unverbrüchlichen Bunde rief . Hier war kein Vaterland für sie und konnte es niemals werden , wie sich auch die Zeiten wandeln mochten . Die Ältesten der Gemeinde erklärten sich zum Aufbruch bereit ; bei Anbruch des Tages sollte mit den Vorbereitungen begonnen werden . Plötzlich sprang Maier Knöcker , der Nathan , schreiend auf Zirle zu , packte sie bei den Haaren und riß sie zu Boden . Die andern Juden hätten ihn sicherlich in Stücke zerrissen , wenn nicht sein Weib , die Thelsela und die tugendsame Treinla , des Rabbi Man Ehewirtin , sich über ihn geworfen und flehentlich um sein Leben gebeten hätten . Gleich fernem Brandschein zeigte sich der erste Streifen des Morgenrots und hoch in der Luft zogen Vögel mit zirpenden Schreien dahin . Als Maier Knöcker nach Haus kam , fand er seine Tochter schlafend . Aber es bedurfte nur einer leisen Berührung und sie erwachte . Ihr Blick war scheu , verstört und furchtsam . » Gebenscht , ich hab se zugericht , « sagte der Nathan mit stumpfsinnigem Frohlocken . » Unbeschrien ich hab ' r die Haare ausgerissen , der falschen Braut . « Er sah seine Tochter durchdringend an , schüttelte bekümmert den Kopf und fragte die Thelsela , wie lang es noch dauern könne bis zu Rahels Niederkunft . Geistesabwesend erwiderte das arme Weib , sie wisse das nicht ; jedenfalls aber noch vier bis sechs Wochen . Gegen Mittag kam der Ober-Rabbi mit finsterem Gesicht und fünf Älteste begleiteten ihn . In harten Worten stellte er den Knöcker zur Rede und gab schließlich Zweifel darüber zu erkennen , daß Maier Nathan die himmlische Stimme gehört habe . Der Knöcker begann zu weinen . Sein leidenschaftlicher Protest und die schwermütige Bestätigung der Tatsache durch die Thelsela stimmten den Rabbi milder und Chajim Chaim Rappaport meinte in seiner wohlwollenden Art , man könne ja doch das Ende der Schwangerschaft abwarten ; auch sei es nicht ausgeschlossen , daß dem Messias zwei Bräute bestimmt seien , obwohl Zacharias Naar ein Gegner solchen Glaubens sei . Wenn Maier Knöcker sich auf den Gassen blicken ließ , sah er sich mit Mißtrauen beobachtet , und seine ehemaligen Freunde gingen ihm aus dem Weg . Nur die ameisenhafte Geschäftigkeit , die überall herrschte , schützte ihn vor Schlimmerem . Doch hatte er nirgends Rast . Ein wühlender Schmerz über die ungeordneten Zustände bedrückte ihn . Er suchte nach der Reihe seine Schuldner auf und keifte überall und drohte mit dem Landrichter . Dann eilte er wieder schnellen Laufs nach Hause , in die Kammern , zu seinen Kostbarkeiten und Pfandpapieren . Da er sich von allen verachtet fand , nahm die Liebe zu den Schätzen zu , wie auch ein gewisses trotziges Vertrauen in die Mission seiner Tochter , und mit zorniger Ungeduld erwartete er die Ankunft der gottgeweihten Enkelin , überzeugt , daß es dabei an himmlischen und weit erkennbaren Zeichen nicht fehlen werde . Änsel Obadja und Hutzel Davidla standen am Abend des vierten November tuschelnd unter einem Haustor und gaben ihren Sorgen Ausdruck über die Vernachlässigung jeglichen Gottesdienstes . » Wenn es sich zuträgt , daß viele trinken werden , « sagte Hutzel Davidla zitternd und seine Mausaugen schauten glitzernd gegen Himmel , » dann hat unser Herrgott uns strafen gewollt . « Davidla gebrauchte das Wort trinken und meinte damit den Tod , denn die Juden reden ungern vom Sterben , und schon im Talmud Ketuboth steht die Redensart vom Trinken . Ein gelehrter Chronist , der zu