ernster Mann , wie Sie ! und solche Allotria ! Wir sind hier alles ernste Männer , gnädige Frau , sagte der Legationsrat . - Ich weiß nicht , Herr Professor , ob ich noch die Ehre - Schulmeister müssen ex officio ein gutes physiognomisches Gedächtnis haben . Gewisse Erscheinungen nicht zu vergessen , dazu gehört freilich weder Übung noch Kunst . Die beiden Herren waren gegeneinander von ausgesuchter Höflichkeit . Aber Klotilde hatte , als sie sich zu Albrecht wandte , in Fernaus dunklen Augen einen eigentümlich lauernd aufmerksamen Blick bemerkt . Ich werde sehr vorsichtig sein müssen , sagte sie bei sich . Wir sind alle zur Stelle , gnädige Frau , meldete Fritz Sudenburg Adelen in militärischer Haltung , die Hacken zusammenschlagend . Elimar ! rief Adele mit hilfeheischender Stimme . Meine Frau hat gemeint , es verschwört sich besser bei einer Tasse Thee . Darf ich die Herrschaften ersuchen , hier einzutreten , wo wir es nebenbei auch ein klein wenig weniger eng haben . Elimar hatte die Flügelthüren zu dem größeren dritten und letzten Gemach geöffnet , das in dem bescheidenen Haushalt für etwaige gesellschaftliche Zwecke reserviert war , und wo jetzt ein länglicher , sauber gedeckter , mit den nötigen Theesachen , Kuchen und belegten Brötchen besetzter Tisch für die Gäste bereit stand . Siebentes Kapitel Man hatte nach einigem Hinundherkomplimentieren Platz genommen ; Klotilde hatte es so einzurichten gewußt , daß sie Albrecht schräg gegenüber , zwischen Elimar auf der einen , Stephanie auf der andern Seite zu sitzen kam . Auch daß die beiden Künstler durch die Länge des Tisches voneinander getrennt waren , mochte kein Zufall sein . Adele hinter ihrer Theemaschine füllte die Tassen , welche Elimars Bursche , ein gewandter , heute abend in einfacher , kleidsamer Livree steckender junger Mensch herumreichte . Bald hatte sich um den Tisch herum eine lebhafte Konversation angesponnen über alles Mögliche , nur nicht über das , was der Gegenstand des Abends sein sollte , bis der junge Maler Wollberg , von einem Konvolut Radierungen und Zeichnungen , in welchem er emsig gewühlt hatte , sein struppiges Haupt erhebend , mit einer lauten Stimme in wenig verbindlichem Tone sagte : Ich dächte , meine Herrschaften , wir kämen endlich zur Sache . Viel Zeit habe ich so wie so nicht . Ich muß nachher noch in den Künstlerverein . Sofort war eine halb komische , halb peinliche Stille entstanden . Fast aller Blicke hatten sich , wie instinktiv , auf Elimar gerichtet . Adele setzte die Tasse , die sie eben auf Johanns Präsentierteller stellen wollte , wieder auf den Tisch und faltete mit niedergeschlagenen Augen die Hände in dem Schoß . Meine verehrten Damen und Herren , begann Elimar lächelnd - Hört ! hört ! rief Hans von Luckow , sich in seinen Stuhl zurücklehnend . Ich weiß wirklich nicht , wie ich zu der Ehre komme , fuhr Elimar fort . Es wäre denn , daß es schließlich einer von uns sein muß , der die Diskussion - nicht leitet , wozu ich keineswegs den Beruf in mir fühle - aber doch einleitet , was mit sehr wenigen Worten geschehen kann . Wir haben in unsrer letzten und bis jetzt einzigen Zusammenkunft - ich konstatiere das besonders im Interesse des Herrn Professor Winter , der nicht zugegen war - uns nach längerer Debatte dahin verständigt , daß das Stellen von einer Reihe sogenannter lebender Bilder unsern Zwecken am meisten und besten entsprechen würde , um so mehr , als wir uns bei diesem Vorhaben auf den maßgeblichen Rat und die sachkundige Führung zweier , gleich ausgezeichneter , dem verehrten Sudenburgschen Hause gleich wohlgesinnter und befreundeter Künstler verlassen können . Die Notwendigkeit , uns neben diesem künstlerischen Beirat auch eines litterarisch-poetischen zu versichern , wurde allgemein empfunden , und auf einen Antrag von geschätzter Seite dem Mangel abgeholfen durch Hinzuziehung einer Kraft , die uns jeder Sorge nach der beregten Seite überhebt . Doch wollen wir , wenn es den Herrschaften genehm ist , diesen Teil unsres Themas vorläufig in suspenso lassen und dafür die Herren Künstler ersuchen , uns die Vorschläge , über welche sie sich bis heute einigen wollten - Ein dumpfes Oho ! ertönte von dem Ende des Tisches , wo Herr Wollberg jetzt wieder seinen struppigen Kopf über die Kunstblätter gebeugt hatte , während von dem andern , wo Herr Professor Hederich in einem großen Album blätterte , ein sehr vernehmliches Räuspern kam . So wenigstens habe ich die Herren verstanden , sagte Elimar , von einem zum andern blickend . Es sollte mir leid thun , wenn - Darf ich um das Wort bitten , sagte mit sanfter Stimme der Professor Hederich , ohne die Augen von seinem Album zu erheben . Ich ebenfalls ! rief Herr Wollberg , den Kopf noch tiefer auf seine Blätter senkend . Also Herr Professor ! forderte Elimar freundlich den Akademiker auf . Ich wollte nur bemerken , begann dieser , sich mit seiner langen , dürren Gestalt vom Sitze erhebend , daß der Herr Hauptmann , was mich betrifft , durchaus richtig verstanden hat . Ich hatte und habe den aufrichtigen Wunsch , in dieser Sache mit dem verehrten Kollegen Hand in zu gehen . Leider ist ein zweimaliger Versuch , ihn in seinem Atelier anzutreffen , resultatlos geblieben ; und da der Herr Kollege seinerseits den analogen Versuch , der nebenbei keinesfalls resultatlos geblieben sein würde , anzustellen unterlassen hat - Wüßte nicht , was dabei hätte herauskommen sollen ! brummte Herr Wollberg . Vielleicht eben die von der Gesellschaft gewünschte Einigung , bemerkte Elimar in versöhnlichem Ton . An die im Leben nicht zu denken ist , rief Herr Wollberg . Mir deucht , das hätte den verehrten Herrschaften schon neulich einleuchten müssen . Ich stelle den Antrag , daß Herr Professor Hederich seine Vorschläge macht ; ich werde dann meine Vorschläge machen . Die wir doch aber , wenn es angeht - und es wird gewiß angehen