In diesem Kampfe war der Büttnerbauer ein Sechziger geworden . IV. Der Büttnerbauer fuhr in der Kreisstadt ein . Er spannte wie immer im Gasthofe » Zum mutigen Ritter « aus . Nachdem er seinen Rappen in den Stall geführt und selbst versorgt hatte , begab er sich auf den Markt . Es war heute der Hauptwochenmarkt . Die Stadt wimmelte daher von Fuhrwerken und Leuten , die vom Lande hereingekommen waren . Der Büttnerbauer war nicht unbekannt ; vielfach wurde er von den Kleinhändlern und Handwerkern , die bei offenen Ladentüren in ihren Geschäften standen , angerufen und gebeten , einzutreten . Aber er wollte sich heute nicht beschwatzen lassen zu irgendwelchen Einkäufen . Erst wollte er mit Profit verkaufen , dann würde man weitersehen , ob ein Groschen zu dergleichen übrig sei . Auf dem Marktplatze gab es eine jedem Eingeweihten wohlbekannte Ecke , wo die Käufe und Verkäufe in Getreide abgeschlossen zu werden pflegten . Als sich der Bauer diesem Flecke näherte , kam ihm einer der Händler sofort mit ausgestreckter Hand entgegen und erkundigte sich nach seinen Wünschen . Dann wurde er in den Kreis der dort versammelten Männer gezogen , man klopfte ihm auf die Schulter und meinte , er habe sich recht lange nicht mehr blicken lassen . Aber , dieses auffällige Entgegenkommen von Leuten , die er kaum kannte , machte den alten Mann stutzig . Wollte man ihn hier etwa dumm machen ? Als man ihn fragte , ob er was zu verkaufen habe , antwortete er vorsichtig und zurückhaltend . Dann ging er von dieser Gruppe weg zu einer anderen . Er wollte sich die Sache scheinbar nur mit ansehen . Die Hände auf dem Rücken hörte er überall ein wenig zu . Die Kauflust war groß , besonders nach Hafer wurde stark gefragt . Es ward auch manches Geschäft abgeschlossen , nach den Handschlägen zu schließen , die zur Besiegelung jedesmal gegeben wurden . Nachdem sich der Büttnerbauer eine Weile hier aufgehalten , verließ er den Marktplatz wieder . Es waren ihm allerhand Bedenken gekommen . Bei dieser Art zu handeln , wie sie hier in so lauter und nachlässiger Weise von den Händlern betrieben wurde , schien es ihm auf ein Betrügen des Landmannes herauszukommen . Heute lag ihm daran , einen möglichst hohen Preis zu erzielen aus seinem Hafer ; denn er hatte vor , mit dem Erlös eine Kuh anzukaufen zum Ersatz für eine , die er im Laufe des Winters hatte stechen lassen müssen . Nun entsann er sich , daß er vorm Jahre in einem Getreidegeschäfte der inneren Stadt für Roggen einen guten Preis bezahlt erhalten hatte . Das Geschäft schickte ihm seitdem vierteljährlich seinen Katalog zu . Erst vor ein paar Tagen noch war ihm ein solcher Prospekt in die Hände gefallen . Die Zahlung der » höchstmöglichen Preise « und die » koulantesten Bedingungen « wurden darin versprochen . Der Bauer meinte , er könne es mit Samuel Harrassowitz wieder einmal versuchen . War dort nichts zu machen , dann konnte man den Hafer ja immer noch auf dem Markte losschlagen . Das Geschäft von Harrassowitz lag in einer ziemlich engen Gasse zu ebener Erde . Man trat zunächst in eine tonnenartige Einfahrt , die in einen gepflasterten Hof einmündete . Eine Seitentür führte von der Einfahrt aus in das Kontor . Der Büttnerbauer trat , seinen Hut schon vor der Tür abnehmend , nachdem er angeklopft hatte , ein . Es war ein langer , schmaler Raum , in der Mitte durch einen Ladentisch geteilt , hinter dem mehrere Schreiber auf Drehschemeln an hohen Pulten saßen . Ein junger Mann mit einer Brille sprang von seinem Schemel herab , kam auf den Bauer zu und fragte , was er wünsche . Der Alte meinte , er habe etwas Hafer zu verkaufen . Wieviel es sei , fragte der junge Mensch , die Feder an seinem Ärmel auswischend . » Sacke a Sticker zahne kennten ' s schun sein , « gab der Büttnerbauer zurück . Der Jüngling lächelte darauf überlegen und meinte , daß sein Haus sich mit » Detaileinkäufen « nicht abgebe . Für den Bauer war die Ausdrucksweise des jungen Herrn unverständlich . Es gab Frage und Antwort und abermaliges Fragen . Die Schreiber drehten sich auf ihren Sesseln um und betrachteten sich den alten Mann im altväterischen Rocke mit spöttischen Mienen . Darüber war ein mittelgroßer , zur Korpulenz neigender Mann mit kahlem Kopfe , gebogener Nase und brandrotem Backenbart von einem Nebenraume aus ins Kontor getreten . Sofort fuhren alle Drehschemel wieder herum , und die jungen Leute steckten mit gebeugtem Rücken die Nasen eifrig in ihre Schreiberei . Samuel Harrassowitz - denn er war es selbst - maß die Gestalt des Bauern mit spähendem Blicke . Dann trat er auf ihn zu , streckte die Hand aus , lächelte verbindlich und sagte : » Grüß Sie Gott , mein lieber Herr Büttner ! Was steht zu Ihren Diensten ? « Der Bauer war völlig überrascht . Woher kannte ihn dieser Herr ? Er konnte sich nicht entsinnen , dieses Gesicht jemals gesehen zu haben . » Ich werde Sie doch wahrhaftig kennen , Herr Büttner ! « meinte der Händler . » Sie sind eine bekannte Persönlichkeit bei uns . « » Besitzen Sie nicht ein schönes Gut in Halbenau - nicht wahr ? « Der Bauer stand da mit offenem Munde , starrte jenen an , der ihm die Allwissenheit in Person schien , und konnte sich von seinem Staunen gar nicht wieder erholen . » Kenne Sie ! Kenne Sie ganz gut , Herr Büttner ! Also , womit können wir dienen ? « Der junge Mann raunte inzwischen seinem Chef mit halblauter Stimme etwas zu . » Nun , und ich hoffe stark , daß Sie Herrn Büttner den Hafer abgenommen haben , Herr Bellwitz ! « rief der Händler . » Ich dachte ... « meinte der so Angeredete . - » Ach