sehn wegen des Palladio ; Geert sagte mir , daß in ihm alles Moderne wurzele . Natürlich nur in bezug auf Baukunst . Hier in Padua ( wo wir heute früh ankamen ) sprach er im Hotelwagen etliche Male vor sich hin : Er liegt in Padua begraben und war überrascht , als er von mir vernahm , daß ich diese Worte noch nie gehört hatte . Schließlich aber sagte er , es sei eigentlich ganz gut und ein Vorzug , daß ich nichts davon wüßte . Er ist überhaupt sehr gerecht . Und vor allem ist er engelsgut gegen mich und gar nicht überheblich und auch gar nicht alt . Ich habe noch immer das Ziehen in den Füßen , und das Nachschlagen und das lange Stehen vor den Bildern strengt mich an . Aber es muß ja sein . Ich freue mich sehr auf Venedig . Da bleiben wir fünf Tage , ja , vielleicht eine ganze Woche . Geert hat mir schon von den Tauben auf dem Markusplatze vorgeschwärmt , und daß man sich da Tüten mit Erbsen kauft und dann die schönen Tiere damit füttert . Es soll Bilder geben , die das darstellen , schöne blonde Mädchen , ein Typus wie Hulda , sagte er . Wobei mir denn auch die Jahnkeschen Mädchen einfallen . Ach , ich gäbe was drum , wenn ich mit ihnen auf unserm Hof auf einer Wagendeichsel sitzen und unsere Tauben füttern könnte . Die Pfauentaube mit dem starken Kropf dürft Ihr aber nicht schlachten , die will ich noch wiedersehen . Ach , es ist so schön hier . Es soll ja auch das Schönste sein . Eure glückliche , aber etwas müde Effi . « Frau von Briest , als sie den Brief vorgelesen hatte , sagte : » Das arme Kind . Sie hat Sehnsucht . « » Ja « , sagte Briest , » sie hat Sehnsucht . Diese verwünschte Reiserei ... « » Warum sagst du das jetzt ? Du hättest es ja hindern können . Aber das ist so deine Art , hinterher den Weisen zu spielen . Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist , decken die Ratsherren den Brunnen zu . « » Ach , Luise , komme mir doch nicht mit solchen Geschichten . Effi ist unser Kind , aber seit dem 3. Oktober ist sie Baronin Innstetten . Und wenn ihr Mann , unser Herr Schwiegersohn , eine Hochzeitsreise machen und bei der Gelegenheit jede Galerie neu katalogisieren will , so kann ich ihn daran nicht hindern . Das ist eben das , was man sich verheiraten nennt . « » Also jetzt gibst du das zu . Mir gegenüber hast du ' s immer bestritten , immer bestritten , daß die Frau in einer Zwangslage sei . « » Ja , Luise , das hab ich . Aber wozu das jetzt . Das ist wirklich ein zu weites Feld . « Sechstes Kapitel Mitte November - sie waren bis Capri und Sorrent gekommen - lief Innstettens Urlaub ab , und es entsprach seinem Charakter und seinen Gewohnheiten , genau Zeit und Stunde zu halten . Am 14. früh traf er denn auch mit dem Kurierzuge in Berlin ein , wo Vetter Briest ihn und die Cousine begrüßte und vorschlug , die zwei bis zum Abgange des Stettiner Zuges noch zur Verfügung bleibenden Stunden zum Besuche des St.-Privat-Panoramas zu benutzen und diesem Panoramabesuch ein kleines Gabelfrühstück folgen zu lassen . Beides wurde dankbar akzeptiert . Um Mittag war man wieder auf dem Bahnhof und nahm hier , nachdem , wie herkömmlich , die glücklicherweise nie ernstgemeinte Aufforderung , » doch auch mal herüberzukommen « , ebenso von Effi wie von Innstetten ausgesprochen worden war , unter herzlichem Händeschütteln Abschied voneinander . Noch als der Zug sich schon in Bewegung setzte , grüßte Effi vom Coupé aus . Dann machte sie sich ' s bequem und schloß die Augen ; nur von Zeit zu Zeit richtete sie sich wieder auf und reichte Innstetten die Hand . Es war eine angenehme Fahrt , und pünktlich erreichte der Zug den Bahnhof Klein-Tantow , von dem aus eine Chaussee nach dem noch zwei Meilen entfernten Kessin hinüberführte . Bei Sommerzeit , namentlich während der Bademonate , benutzte man statt der Chaussee lieber den Wasserweg und fuhr , auf einem alten Raddampfer , das Flüßchen Kessine , dem Kessin selbst seinen Namen verdankte , hinunter ; am 1. Oktober aber stellte der » Phönix « , von dem seit lange vergeblich gewünscht wurde , daß er in einer passagierfreien Stunde sich seines Namens entsinnen und verbrennen möge , regelmäßig seine Fahrten ein , weshalb denn auch Innstetten bereits von Stettin aus an seinen Kutscher Kruse telegraphiert hatte : » Fünf Uhr , Bahnhof Klein-Tantow . Bei gutem Wetter offener Wagen . « Und nun war gutes Wetter , und Kruse hielt in offenem Gefährt am Bahnhof und begrüßte die Ankommenden mit dem vorschriftsmäßigen Anstand eines herrschaftlichen Kutschers . » Nun , Kruse , alles in Ordnung ? « » Zu Befehl , Herr Landrat . « » Dann , Effi , bitte , steig ein . « Und während Effi dem nachkam und einer von den Bahnhofsleuten einen kleinen Handkoffer vorn beim Kutscher unterbrachte , gab Innstetten Weisung , den Rest des Gepäcks mit dem Omnibus nachzuschicken . Gleich danach nahm auch er seinen Platz , bat , sich populär machend , einen der Umstehenden um Feuer und rief Kruse zu : » Nun vorwärts , Kruse . « Und über die Schienen weg , die vielgleisig an der Übergangsstelle lagen , ging es in Schräglinie den Bahndamm hinunter und gleich danach an einem schon an der Chaussee gelegenen Gasthause vorüber , das den Namen » Zum Fürsten Bismarck « führte . Denn an eben dieser Stelle gabelte der Weg und zweigte , wie rechts nach Kessin , so links nach Varzin hin ab . Vor dem Gasthofe stand ein mittelgroßer breitschultriger Mann in