, und noch als er an der Türe stand , rief er zurück : » Gleich , grüß Gott ! « » Behüt Gott ! « schrie ihm der Laternanzünder nach . » Hast doch keine Courage , bist wie ein Waschlappen wegen dem Rotschädel ! « brummte er für sich , als der junge Ehemann die Türe hinter sich geschlossen hatte . Er schüttelte seine Truhe mit den Öllämpchen sehr energisch , hielt noch eine liebevolle Anrede , als ob er zu lebenden Wesen spräche , und ging dann seine dunklen Wege , um den Menschen Licht zu bringen . Er ging sehr tiefsinnig dahin . Peter Michl hatte zwei Schwächen , welche seinem stets gerührten Weibe das Leben schwer machten . Die erste war , daß er sich gern auf den Unwiderstehlichen hinausspielte - trotzdem es keinen treueren und besseren Ehemann in der Blauen Gans gab - , aber das war eine Gewohnheit aus seiner lustigen Soldatenzeit her . Die zweite Schwäche war gefährlicher , und sein Weib stand ihr vollständig hilflos gegenüber . Michl hatte sich nämlich aus den sonderbarsten Scharteken eine Art entsetzlicher Bildung und aus allerlei Erlebnissen und Erfahrungen , die sich in seinem Gehirn als Besonderes widerspiegelten , einen » philosophischen Standpunkt « aufgebaut . Die runde Frau wagte nicht zu atmen , wenn er ihr von dieser Höhe herab ihre Fehler vorhielt , sie verstand sein Kunterbunt beinahe ebensowenig wie er . War er aber einmal im Zuge , so mußte er sehr viel reden , das gab ihm Respekt vor sich selbst , und zum Schlusse erklärte er immer , daß die Blaue Gans ohne ihn und den einsamen Spatzen weder Licht noch Bildung hätte . Er hatte das Bedürfnis , vielen Leuten klarzumachen , daß er ein unentbehrlicher Mensch sei , und diese vielen fand er nur in der Schenke ; aber je eindringlicher er redete , desto mehr wurde ihm zugetrunken , und je öfter er Bescheid tat , desto unklarer wurde ihm selbst dabei zumut . Der würdige Mann hatte das Unglück , gerade jetzt in lustige Gesellschaft zu kommen , als er ein Glas Wein trinken wollte . Wirtshausbrüder setzten sich zu ihm , und die Strohschneidermädeln standen aneinandergelehnt , hörten lachend seine lange Rede über das neue Licht und liebäugelten mit ihm . » Jetzt muß ich zum Geschäft schauen « , schloß er , » aber wie sie alle brennen , komm ich wieder , und dann werd ich euch beweisen , daß es auf einmal finster sein wird . Keine Luft ! - Alsdann später . « Der Laternanzünder ging kerzengrade , aber seine Lämpchen klirrten , und wenn er um die Ecke bog , so zog es ihn immer um ein paar Schritte über die Laternen hinaus . Er bohrte dann die Absätze ein , beugte den Oberkörper zurück und blinzelte mit zusammengezogenen Augen hinauf zu den Laternen , ging ein paar Schritte rücklings , und sowohl er als die Öllämpchen schwankten bedenklich , wenn sie nach langem Zielen am rechten Platz waren . An diesem Abend war es da draußen recht übel beleuchtet , und als das letzte Lämpchen festsaß , beeilte sich der Laternanzünder , wieder seine Zuhörerschaft im Wirtshaus aufzusuchen . Oben auf der Hauptstraße lief der Leopold von Laden zu Laden und suchte lange , bis er ein Kleid kaufte , das den Farben nach Aufsehen machen mußte in der Blauen Gans . Als Feierabend war , rannte er mit dem Zeuge heim , je näher er dem Hause kam , desto mehr freute er sich über die großen Augen seiner Lene . » Die wird dreinschauen ! « Das Herz schlug ihm , als er in die Stube trat , und er hätte gern aufgejauchzt vor Freude , anstatt daß er mit prahlerischer Gleichgültigkeit das Umschlagpapier abwickelte und sein Geschenk auf den Tisch legte . Er ließ den Stoff im Lichte glänzen , bauschte ihn so auf in Falten , wie er es in den Schaufenstern gesehen hatte , und sagte endlich schmeichelnd , weil er wußte , daß sie das am liebsten hörte : » Du , Frau , laß dir dein neues Kleid da bald machen . « Es verlegte ihm die Stimme , er schwieg ; wenn sie nur aufstehen und herkommen würde ; er steckte rasch seine Hand in die Tasche , damit er nicht den Arm nach ihr ausstrecken konnte . Von der Seite hatte sie sein Tun beobachtet , aus dem Bettwinkel hervor , in dem sie mit der Wiege verschanzt hockte und ihr Kind einschläferte . Sie rührte sich nicht und sagte nur halblaut : » Ich dank dir schön . « » Was , sonst sagst du nichts ? « fragte er enttäuscht . » Was sonst ? « Er biß die Zähne übereinander , daß sie es bis in ihren Winkel hin krachen hörte , denn der Leopold hatte weiße , breite Zähne , die stark wie von Eisen waren . » Meinen Namen mußt vergessen haben , denn ich hör ihn nimmer von dir , und lachen , scheint mir , gehst auf den Dachboden , denn ich schau immer nur in dein mürrisches Gesicht . Sei gut , Lene ! Gib mir freundlich die Hand , und denk doch daran , daß wir für alle Lebenszeit beieinander bleiben müssen . Was soll denn unser Herr Sohn für eine Meinung von uns kriegen ? « Er lächelte ihr treuherzig zu und versuchte wieder , das Kleid aufzubauschen . Das Weib hob die Augen nicht zu ihm auf , aber plötzlich schüttelte ihren schlanken Leib ein verhaltenes Schluchzen . Das war es ja , beieinander bleiben für alle Lebenszeit , immer freundlich sein und ein heiteres Gesicht machen , wenn einem auch gar nicht so zumute ist ; immer arbeiten , Tag um Tag das nämliche , Freude haben , wenn der Mann solches Zeug daherbringt . Das grellfarbige Ding sollte ihr Freude machen ! Ein Falbel von den Röcken