herum . Noch fünf Minuten , so ist sie heran . Ich schlage vor , daß wir bis an die Landungsbrücke gehen und die Kopenhagener Briefschaften in Empfang nehmen . « » Nein , ich « , rief Asta , die das Wort von dem Herankommen der Dronning Maria nebenan gehört und den Flügel , auf dem sie übte , sofort zugeklappt hatte . » Nein , ich ; ich bin flinker . « Und ehe noch mit einem Ja oder Nein geantwortet werden konnte , flog sie schon die Terrasse hinunter und auf den Pier zu , dessen Endpunkt sie fast in demselben Augenblicke erreichte , wo das Schiff anlegte . Der Kapitän , der die junge Comtesse sehr wohl kannte , grüßte militärisch und reichte dann persönlich von der Kommandobrücke her die Zeitungen und Briefschaften . Einen Augenblick später setzte sich das Schiff , auf Glücksburg zu , weiter in Bewegung . Asta aber eilte zurück ; auf die Terrasse zu , und als sie halb herauf war , hielt sie schon einen Brief in die Höhe , an dessen Format und großem Siegel Graf und Gräfin unschwer erkannten , daß es ein dienstliches Schreiben sei . Gleich danach war die junge Comtesse wieder oben unter der Säulenhalle und legte die Zeitungen auf den Tisch , während sie den Brief dem Papa überreichte . Dieser überflog die Adresse und las : » Sr. Hochgeboren dem Grafen Helmuth Holk auf Holkenäs , stellvertretendem Propst des adligen Konvents zu St. Johannes in Schleswig , Kammerherr I. K. H. der Prinzessin Maria Eleonore . « » So korrekt und so vollständig « , sagte die Gräfin , » schreibt nur einer . Der Brief muß also von Pentz sein . Ich muß immer lachen , wenn ich an ihn denke , etwas Polonius und etwas Hofmarschall Kalb . Asta , du solltest aber weiterüben ; die Dronning Maria , glaub ich , kam dir sehr zupaß . « Und Asta ging an den Flügel zurück . Holk hatte inzwischen den Brief geöffnet und begann ohne weiteres mit seiner Verlesung , weil er wußte , daß er keine Staatsgeheimnisse verraten würde . » Kopenhagen , Prinzessinnen-Palais 28. September 1859 Lieber Holk . Unsren freiherrlichen Gruß zuvor ! Und meinem Gruß auf der Ferse die ganz ergebenste Bitte , mich ' s nicht entgelten lassen zu wollen , daß ich auf dem Punkt stehe , das Familienleben auf Schloß Holkenäs zu stören . Unser Freund Thureson Bille , der am 1. Oktober den Dienst bei der Prinzessin antreten und mit Erichsen alternieren sollte , liegt seit drei Wochen an den Masern danieder , eine Kinderkrankheit , von der man in diesem Falle sagen darf ( ich zitiere hier unsre Prinzessin , Königliche Hoheit ) , sie habe sich an den rechten Mann gewandt . Nun hätten wir freilich noch Baron Steen , aber der ist gerade in Sizilien und wartet schon seit fünf Wochen auf einen Ätna-Ausbruch . Seitdem Steen allerpersönlichst sein eruptives Leben nicht mehr fortsetzen kann , hat er sich den Eruptionen der feuerspeienden Berge zugekehrt . Wie seine eigne Vergangenheit ihm daneben erscheinen mag ! Ich kenne ihn nun seit dreißig Jahren . Er war , trotz aller Anstrengungen , ein Don Juan zu sein , im wesentlichen immer nur ein Junker Bleichenwang , also , gemessen an seinen Ansprüchen , so ziemlich das Lächerlichste , was man sein kann . Aber lassen wir das und wenden wir uns der Hauptsache zu ; Steen und Bille versagen , und so bleiben nur Sie . Die Prinzessin selbst läßt Ihnen und der liebenswürdigen Gräfin ihr Bedauern darüber aussprechen und beauftragt mich , hinzuzufügen , sie würde sich mühen , Ihnen die Tage so leicht und angenehm wie möglich zu machen . Und das wird ihr auch gelingen . Der König hat vor , den Spätherbst in Glücksburg zuzubringen , die Danner natürlich mit ihm , und so finden Sie denn unsere Serenissima , die , wie Sie wissen , mit der Danner nicht gern dieselbe Luft atmet , bei bester Laune . Die Stellung Halls , der in politicis nach wie vor der Liebling im Prinzessinnen-Palais ist , ist erschüttert , aber auch das trägt dazu bei , die Stimmung der Prinzessin selbst zu verbessern , denn dem Bauern-Ministerium , das nah bevorsteht , verspricht alle Welt nur eine Dauer von vier Wochen , und wenn Hall dann wieder eintritt ( und man wird ihn beschwören , es zu tun ) , so steht er fester denn je zuvor . Im übrigen , lieber Holk , und ich freue mich , dies hinzusetzen zu dürfen , ist es nicht nötig , daß Sie sich hasten und eilen und gleich den ersten Dampfer benutzen ; die Prinzessin läßt Ihnen dies eigens sagen , eine besondere Gunstbezeugung , da Pünktlichkeit im Dienst zu den Dingen gehört , auf die sie sonst hält und bei denen sie unter Umständen empfindlich werden kann . Ich breche hier ab und nehme nichts vorzeitig aus dem Sack voll Neuigkeiten heraus , den ich für Sie habe . Die Prinzessin nimmt es außerdem übel , wenn man vorweg ausplaudert , was sie selber gern erzählen möchte . Nur ein Kosthäppchen . Adda Nielsen quittiert die Bühne und wird Gräfin Brede , nachdem sie vierzehn Tage lang geschwankt , ob sie nicht lieber in ihrer freieren und finanziell vorteilhafteren Stellung bei Grossierer Hoptrup verbleiben solle . Das Legitime hat aber doch auch einen Reiz , und nun gar eine legitime Gräfin ! Hoptrup , selbst wenn er ein Witwer werden sollte ( woran vorläufig noch gar nicht zu denken ) , kann , trotz seiner Millionen , über den Etatsrat nie hinaus . Und das ist für die Ansprüche einer ersten Tragödin zuwenig . De Meza ist Flügeladjutant geworden , Thomsen und Worsaae haben sich mal wieder gezankt , natürlich über einen ausgehöhlten versteinerten Baumstamm , den Worsaae bloß bis auf Ragnar Lodbrock , Thomsen aber , dem das