eine Woche vergangen ? « » Eine volle Woche . Mir ist sie entschwunden wie ein glücklicher Augenblick ... Und dir , Maria ? Nicht allzu langsam ? « » Nein , nein « , sagte sie leise . Er umfaßte sie mit beiden Armen . » Wenn es so fortgeht , werden wir plötzlich ein Paar alte Leute sein . Unvermutet wird uns einst das Alter überraschen ; aber ich fürchte es nicht und auch nicht den Tod . Es ist schön zu sterben nach einem schön erfüllten Leben , in dem man nie irre geworden ist an seinem teuersten und höchsten Menschen , wie ich es an dir nie werden kann . « » Was verstehst du darunter ? Was ist der Inbegriff von allem , was du von mir verlangst ? « fragte sie . Hermann sah ihr mit einem langen , verständnissuchenden Blick in die Augen . » Du weißt es ja , vorläufig nur - einen Tausch . Für meine grenzenlose Liebe - dein grenzenloses Vertrauen . Espérant mieux , wie das Motto Antoine Latours gelautet . « Maria senkte den Kopf . » Du bist so gut , du hast die Geduld mit mir , um die ich dich gebeten habe « , flüsterte sie nach kurzem Schweigen und verbarg plötzlich ihr Gesicht an seiner Schulter . » Die Pferde ! Deine Pferde aus Wolfsberg « , ließ jetzt die laute Stimme Lisettens sich im Nebenzimmer vernehmen , und sie selbst schlich herein , lächelnd und bissig , untertänig und grollerfüllt wie immer in Hermanns Gegenwart , welcher in ihren Augen nichts war als der mit einem Privilegium versehene Räuber » des Kindes « . Sie hatte jede trübe Stunde vergessen , die sie in Marias Geburtsort verlebt , und gab Wolfsberg hier im Hause für das Gelobte Land aus . Jeder Brief , jede Sendung , die von dort kam , wurde von ihr empfangen wie ein Gruß aus dem Aufenthalt der Seligen . » Und der Georg hat sie gebracht , deine lieben Pferde , der alte Georg , der ' s nicht erwarten kann , dir die Hand zu küssen , Frau Gräfin , mein Kind « , setzte sie in schmelzendem Tone hinzu . - Dieselben Pferde , die sie ingrimmig gehaßt als immerwährende Gefahrbringer für das Leben und die geraden Glieder Marias , derselbe Georg , den sie verabscheut , weil er diese Pferde gesattelt hatte , standen jetzt in Lisettens höchster Gunst . Sie sah aus dem Fenster » dem Kinde « nach , das voll Freude über das bevorstehende Wiedersehen seiner vierbeinigen Lieblinge an der Seite Hermanns über den Hof eilte . » Ohne Hut , ohne Handschuhe , freilich , freilich « , brummte Lisette und überließ sich ihrer Gewohnheit , halblaut mit sich selbst zu sprechen , sobald sie allein war : » Wer schaut hier auf dich , du Vogel du , der verliebte Graf gewiß nicht , der denkt an nichts , sieht nichts , ist dumm und blind vor lauter Verliebtheit . « Sie begab sich in das Schreibzimmer , schellte und befahl dem Stubenmädchen , der Frau Gräfin das Vergessene nachzutragen . Dann fuhr sie in ihrer eine Weile hindurch unterbrochenen Beschäftigung fort . Diese bestand in dem Ausräumen eines Rokokoschreibtisches aus Rosenholz mit Bronzeverzierungen und eingelegten Vieux-saxe-Platten . Lisette wickelte unzählige , sehr wertvolle Sachen und Sächelchen , Bonbonnieren , Dosen , Elfenbeinschnitzereien , Siegel , Flakons aus ihren Papier- und Wattehüllen und legte alles auf einem Tisch in der Nähe des zierlichen Glasschränkchens zurecht , das an der Wand hing und bestimmt war , die kleinen Kostbarkeiten aufzunehmen . Fast jeder dieser Gegenstände weckte in der Alten eine wehmütige Erinnerung an dessen frühere Besitzerin , an Marias Mutter . Es waren sämtlich Geschenke des Grafen . Er hatte sie dereinst aus Paris , wo er kurze Zeit in besonderer diplomatischer Mission in Verwendung gestanden , nach Hause geschickt als Zeichen treuen täglichen Gedenkens . Und wie beglückten und beseligten sie ! Mit welchem Eifer suchte die junge Frau vor allem nach dem flüchtig bekritzelten Zettelchen , das diese Sendungen meist begleitete . Meist - nicht immer ... und dann , war das sehnlichst Erwartete ausgeblieben , dann fehlte dem Schönen der Reiz , und die Gräfin beugte sich traurig über ihr Kindlein : » Er hat uns heute nicht geschrieben , Maria ... « Sie hat ihn zu liebgehabt . Freilich , freilich . - Lisette sann nach , ihre Lippen verzogen sich zu einem tückischen Lächeln : » Das wirst du ihr nicht nachmachen , mein Vogerl « , murmelte sie , » du hast eine andere Natur . Wenn in deiner Eh eins von euch vor lauter Lieb den Kopf verliert , wird ' s der andere sein , nicht du . « » Worüber lachst du ? « fragte Maria eintretend . » Ach was , nur so - - über den spaßigen Heiligen da . « » Was ist das für ein Heiliger ? « Sie reichte der Gebieterin eine Dose , die mit einem Emailbildchen von Petitot , einen jungen , weinlaubumkränzten Faun darstellend , geschmückt war . Maria betrachtete es zum erstenmal aufmerksam ; sie war keine Freundin der Kunst im Kleinen und hatte diesen Bibelots nie ein besonderes Interesse geschenkt . Nun aber bewunderte sie eingehend die feine Arbeit des französischen Meisters , und wie sie dabei das Kästchen hin und her wandte , sprang bei einem Druck ihres Fingers der Deckel auf . Die Dose barg einen goldenen , in Seidenläppchen gewickelten Schlüssel ; Marien schien , die Zeichnung der Arabesken seines durchbrochenen Griffes habe Ähnlichkeit mit der Tauschierung der Kassette , die sie am Abend vor ihrer Vermählung von ihrem Vater erhalten und an welcher der Schlüssel fehlte . - Doch hatte sie nicht Zeit , sich der Zusammengehörigkeit der beiden gleich zu versichern , denn die Ankunft ihrer Gäste , die um ein Uhr , eine Stunde vor dem