, « sagte Fanny mit einem Seufzer , » und ich liebe so die Schönheit . Aber um das Idealschlößchen herzubauen , von welchem ich träume , fehlt mir immer das Geld . « Adrienne lächelte ; sie glaubte nicht anders , als daß dieser Seufzer ein gewisses Kokettiren mit Sparsamkeit sei , denn daß eine reiche Frau wie Fanny ihren Wünschen Grenzen ziehen müsse , schien ihr undenkbar . » Da ist die ganze Gesellschaft , « sprach Severina . Auf den Bänken im Beischlag saßen drei Männer und eine Frau . Sie sprangen auf , als der Wagen hielt , und wollten alle zugleich den Schlag öffnen . Der großen , übermäßig mageren Frau gelang es , die erste zu sein . Sie ergriff mit ihren starkknochigen Händen Fannys Rechte und sagte : » Nein , so konnte Gott uns auch nicht strafen , er durfte Sie nicht länger fernhalten ! « » Liebe Frau Pastorin , « sprach Fanny , ihr die mageren Wangen streichelnd , die aus einer unter dem Kinn geschlossenen schwarzen Tüllhaube hervorsahen , » liebe Frau Pastorin , ich bin zum Glück ja noch zur rechten Zeit gekommen , Ihnen Ihre Sorgen abzunehmen . - Grüß Gott , Herr Pastor . Ah , da ist ja auch unser junger Doktor Magnus . - Und Sie , Lanzenau , Sie sagen gar nichts ? « » Kann ich denn dazu kommen , die liebe Hand zu küssen ? « fragte der Baron Lanzenau lächelnd . Adrienne saß unterdessen ruhig im Wagen und beobachtete diese Menschen , mit denen sie nun leben sollte . Vor allem fiel ihr der Baron Lanzenau ins Auge , ein Mann , der seine Hünengestalt in ein enges Tricotjaquet und ganz enge Beinkleider gesteckt hatte . Um seinen auffallend hohen und blendend weißen Halskragen schlang sich eine blauweiß getupfte Krawatte , die in breiten Flatterenden über dem dunklen Jaquet herabhing . Sein Diplomatengesicht trug die Zier eines spitz gedrehten Schnurrbartes , sein dunkles Haar war äußerst glatt und auf jene altmodische Art frisirt , welche in die Schläfen gesichtwärts je eine Haarlocke vorschiebt . » Das ist also der Mann , welcher seit meines Bruders Tod Fannys rechte Hand war ? Merkwürdig , er scheint doch noch in den Jahren , wo eine Heirat mit Fanny ihm natürlich sein mußte ! « dachte Adrienne . Die hagere Pastorin mit den Leichenbittermienen und dem tragischen Blick , der rundliche , weißhaarige Pastor mit dem rosigen Gesicht , schienen Adrienne nicht sehr bemerkenswert , wohl aber blieb ihr Auge auf dem jungen Doktor Magnus Hesselbarth , dem Pastorensohn , haften . Dieser hielt sich sehr im Hintergrund und schaute sich seinerseits Adrienne neugierig an . Er hatte die Figur und Züge seiner mageren dunklen Mutter ; was jedoch bei ihr grob erschien , wurde bei ihm zur männlichen Schönheit . Vor seinen dunklen Augen saß ein Kneifer ohne Band , sein schwarzes Haar war kurz geschoren und stand wie eine Bürste über der Stirn auf , in welche es in einer Schneppe hineinwuchs . Erst als Fanny alle begrüßt hatte , machte sie Adrienne mit ihren Freunden bekannt . Jeder sagte ihr ein Wort des Willkommens . » Ich freue mich , daß Fanny endlich einmal die Nähe eines Familienmitgliedes genießt , und hoffe , Sie werden sich lieb haben , « sagte Lanzenau . » Der Herr war mit Ihnen , als Sie den Entschluß faßten , den Versuchungen der Welt zu entfliehen und hieher zu kommen . Denn einer geht umher wie ein brüllender Löwe und suchet , wen er verschlinge , « sprach die Pastorin mit einem Seitenblick auf ihren Sohn . Dieser Sohn begnügte sich , Adrienne die Hand zu küssen , sich zu verneigen und zu versichern : » Sehr erfreut , gnädige Frau ! « Der alte Pastor aber drückte ihr fest die Hand und sprach : » Willkommen , herzlich willkommen ! « » Ach , « rief Fanny , » wie ist das Heimkehren schön , und dabei habe ich nicht einmal Mann noch Kind ! Was muß Arnold empfinden , wenn er von der Stunde seiner Heimkehr träumt ? « Adrienne fühlte sich immer unangenehm berührt , wenn ihr Gatte von Fanny erwähnt wurde . Sie sah stets eine Mahnung , einen Vorwurf darin . Und der Ausdruck von Verstimmung , der deswegen über ihre Züge kam , entging in diesem Augenblick dem jungen Doktor nicht , der die bleiche Frau fest im Auge behalten hatte . » Deine Zimmer sind bereit , ich werde Dich hinbringen ; aber ehe ich dann die meinigen aufsuche , möchte ich mit Ihnen , Pastor , und Ihrer Frau sprechen , « sagte Fanny , erst zu ihrer Schwägerin und dann zu dem Ehepaar gewandt . » Alle Verhandlungen werden bis nach Tisch verschoben , « bestimmte Lanzenau ; » wir wünschen vorerst die Festtafel gewürdigt zu sehen , die wir vorbereiteten . Wenn die Damen Toilette machen wollen , finden Sie uns nachher im Speisesaal . « » Fügen wir uns , « sagte Fanny heiter und nahm die junge Frau bei der Hand , um sie in ihr Haus zu führen . » Die Freude , Dich wieder zu haben , leuchtet selbst von den Gesichtern Deiner Dienstboten , « bemerkte Adrienne , als sie an Fannys Arm die Treppe hinauf und den langen Korridor entlang schritt ; » wie hast Du es angefangen , so geliebt zu werden , und wie glücklich mußt Du in dieser Liebe sein ! « » Stille ! « gebot Fanny hastig ; » wie ich es anfing und ob ich glücklich darin bin , das ist die Geschichte meines Daseins , und das bespricht sich nicht zwischen Thür und Angel . Hier ist Dein Reich . Lebe zufrieden darin , das ist mein einziger Wunsch . « Die Frauen umarmten einander voll Herzlichkeit . Eine scheinbar grundlose Rührung übermannte beide . » Und Du , kleiner Schelm