was er las , und als er ihr eine Auskunft darüber verweigerte , suchte sie ihm das Blatt zu entreißen . » Was ? « zürnte sie , da er ihr wehrte , » du willst mir verbieten , daß ich mit dem Peter gehe , hast aber Geheimnisse vor mir ? kriegst Briefe und versteckst sie ? « Ihre hübschen Brauen zogen sich zusammen , um den Mund zuckte ein unbezwingliches Lächeln . » Meinst denn , daß ich nicht eifersüchtig bin ? « Sie scherzte , sie verhöhnte ihn , er wußte es und - war beseligt , daß sie so mit ihm scherzte . » Ja , just - eifersüchtig ! Du wirst just eifersüchtig sein « , brummte er , und ein Himmel tat sich vor ihm auf bei dem Gedanken , wie es denn wäre , wenn aus dem Spiel , das sie jetzt mit ihm trieb , einmal Ernst werden sollte . Einmal ! in der weiten unabsehbaren Zukunft , die noch vor ihm lag und welcher er , wenn auch sonst nichts , doch ein festes Vertrauen auf die eigene Kraft entgegentrug . Die Vinska hatte eine Hand auf die schlanke Hüfte gestemmt und streckte die andere nach ihm aus : » Von wem ist der Brief , Pavlicek ? « fragte sie schmeichelnd und schelmisch , » der Brief , den du an deinem Herzchen versteckst ? « » Von meiner Mutter « , antwortete er rasch und wandte sich ab . Vinska tat einen Ausruf des Erstaunens : » Wenn ' s wahr ist ! Ich hätt nicht geglaubt , daß die im Zuchthaus Briefe schreiben dürfen . Was könnten sie auch schreiben ? - gute Lehren vielleicht , wie man ' s anstellen soll , um zu ihnen zu gelangen ins freie Quartier . « Pavel nagte gequält an den Lippen . » Wirf den Brief weg « , fuhr Vinska fort , » und sag niemandem , daß du ihn gekriegt hast ; es soll nicht heißen , daß zu uns Briefe kommen aus dem Zuchthaus Die Leute sagen uns ohnehin genug Übles nach . « » Noch immer weniger , als ihr verdient ! « rief Pavel heftig aus , und Vinska errötete und sagte verwirrt und sanft : » Ich hab dein Bestes im Sinn ; ich hab gestern den ganzen Tag für dich genäht ; ich hab dir ein ganz neues Hemd gemacht . « » Ein Hemd - so ? « » Aber glaub mir , mit der Mutter sollst du nichts zu tun haben ; glaub mir , sie hat den Galgen mehr verdient als dein Vater , und er hat gewiß recht gehabt , wie er immer ausgesagt hat vor Gericht : das Weib hat mich verführt ... Er hat nichts von sich gewußt , er war ja immer besoffen ; aber sie - oh , sie hat ' s hinter den Ohren gehabt ! ... und es war halt wie im Paradies mit dem Adam und der Eva . « Sie sah ihn lauernd von der Seite an und begegnete in seinen Zügen dem Ausdruck einer außerordentlichen Überraschung . » War denn der Adam besoffen ? « fragte er mit ehrlicher Wißbegier . Vinska faßte ihn an beiden Ohren , rüttelte ihn und lachte : » O wie dumm ! nicht vom Adam , von deinem Vater ist die Rede , und daß deine Mutter ihn verleitet hat , den Geistlichen umzubringen . « » Schweig ! « rief Pavel , » du lagst . « » Ich lüg nicht , ich sag , was ich glaube und was andere glauben . « » Wer , wer glaubt das ? « Sie antwortete ausweichend , aber er packte ihre Arme mit seinen großen Händen , zog sie an sich und wiederholte : » Wer sagt das , wer glaubt das ? « bis sie geängstigt und gefoltert hervorstieß : » Der Arnost . « » Mir soll er ' s sagen , mir ; ich schlag ihm die Zähn ein und schmeiß ihn in den Bach . « » Dir wird er ' s nicht sagen , vor dir fürchtet er sich - laß mich los , ich fürcht mich auch ; laß mich los , guter Pavel . « » Aha , fürcht ' st dich , fürcht dich nur ! « sprach er triumphierend und - entwaffnet . Zum Spaß rang er noch ein wenig mit ihr und gab sie plötzlich frei . Reicher Lohn wurde ihm für seine Großmut zuteil : die Vinska sah ihn zärtlich an und lehnte einen Augenblick ihren Kopf an seine Schulter . Ein Freudenschauer durchrieselte ihn , aber er rührte sich nicht und bemühte sich , gleichgültig zu scheinen . » Pavel « , begann Vinska nach einer Weile , » ich hätt eine Bitte , eine ganz kleine . Willst sie mir erfüllen ? - Es ist leicht . « Sein Gesicht verdüsterte sich : » Das sagst du immer , ich weiß schon . Was möcht ' st du denn wieder ? « » Der alte Schloßpfau hat noch ein paar schöne Federn « , sagte sie , » rupf sie ihm aus und schenk sie mir . « Sie bat in so kindlichem Ton , ihre Miene war so unschuldig und er völlig bezaubert . Er ließ sich ' s nicht merken , brummte etwas Unverständliches und schob sie sachte mit dem Ellbogen weg . Dann nahm er die Peitsche vom Herd und ging zur Schwemme , die Pferde zusammenzuholen , mit denen er auf der Hutweide übernachten sollte . Die Hutweide lag in einer Niederung vor dem Dorfe , nicht weit vom Kirchhof , der ein längliches Viereck bildete und sich , von einer hohen weißgetünchten Mauer umgeben , ins Feld hineinstreckte . Es war eine Nacht , so lau wie im Sommer ; in unbestrittenem Glanz leuchtete der Mond , und die von seinem Licht übergossene Wiese glich einem