Helen « , keuchte Sepherl , der es nicht gelingen wollte , den halben Schritt , den sie gegen die Kameradin zurückblieb , einzubringen , » wirst sehen , wieviel und was ' s alls da oben gibt ; ganz weg wirst sein darüber . « Helene lächelte mit den geöffneten Lippen , zwischen denen sie im raschen Gehen die Luft einsog . Sie nahm sich vor , nicht » ganz weg « zu sein . Aber was sind menschliche Vorsätze ungekannten und ungeahnten Eindrücken gegenüber ? Die alte Schaffnerin empfing die beiden Mädchen mit herablassender Freundlichkeit , bewirtete sie mit einer Schale Kaffee , ein seltenes Getränk für Leute von da unten , das sollte die richtige Stimmung hervorrufen , denn leerer Magen macht trübe Augen , dann ging es ans » Umsehen « . Für Sepherl war dabei nichts Neues zu sehen , sie schenkte all dem Aufgezeigten und Vorgewiesenen einen flüchtigen Blick - wobei ihre Augen immer noch verwundert genug taten , um die ehrgeizige Frau Bas bei guter Laune zu erhalten - und machte sich das Vergnügen , auf Helenens Gesicht zu achten ; diese brauchte sich anfangs gar nicht Gewalt anzutun , um das gleichgültigste von der Welt beizubehalten , denn als es im Erdgeschosse durch die Gesindestuben ging , fand sie eben nur mehr Stuben und mehr Hausrat auf einem Flecke , als sie sonst Gelegenheit hatte , beisammen zu sehen , indes weder die einen noch der andere vom Gewohnten sich unterschieden . Als sie aber über den Hof nach den Wirtschaftsgebäuden folgte , die mit den blanken , handlichsten Geräten , ja mit Maschinen voll bestellt waren , zu deren Gebrauchserklärung sie allerdings noch stolz mit dem Kopfe nickte und ein erheucheltes Verständnis murmelte , als sie an den Scheuern mit den aufgehäuften Vorräten vorbeikam und im Geflügelhofe Hunderte von girrend , krähend , quackend und kollernd sich brüstenden Tieren sie wirre machten und als sie endlich in den übergroßen Ställen vor einer ganzen Herde Vieh stand , ein Stück immer schöner wie das andere , da waren ihre Augen denn doch allmählich größer geworden , und befangen schlich sie nebenher , als es zurück nach dem Wohnhause ging , dessen Oberstock nun erstiegen ward . Was sie da sah , als sie mit eingehaltenem Atem von Stube zu Stube ging , an Notwendigem in ausgesuchter Form und an Entbehrlichem , das breit , wie hier nicht zu entraten , an seinem Orte stand , der reiche Vorrat an Wäsche und Kleidern , der ihr einen halblauten Schrei der Verwunderung erpreßte , als die Schaffnerin die Schränke aufschloß , der große versperrte Schrank , dem sie einen scheuen Blick zuwarf , als sie hörte , er wäre bis ans oberste Fach mit reichem Geschirr und Silbergeräte angefüllt , endlich die eiserne Kasse , der weder ein Dieb noch das Feuer ankonnte , worin der Bauer bar mehr liegen hatte , als alle Dörfler da unten zusammen mit Häusern und Gründen schwer waren , und vor der sie fast andächtig die Hände faltete , all das verschmolz in ihr zu einem Bilde der Macht und Herrlichkeit des Reichtums . Gedrückt und verschüchtert verließ sie das Haus und atmete froh auf , als es nach dem Garten ging . Die beiden Dirnen wurden übrigens von der Alten auch nur dahin geführt , weil sich dort , von einer großen Rebenlaube aus , am schönsten weisen ließ , was für Liegenschaften zum Sternsteinhofe gehörten . Es war viel Grund und Boden , aber den Eindruck ausschließlichen Besitzes machte er doch nicht , er reichte nicht , bis wo Himmel und Erde in eins verschwammen , und rings lag doch auch viel fremdes Eigentum . Die Schaffnerin setzte den Dirnen noch ein Gläschen Wein vor , damit diese , wie sie wohlwollend bemerkte , wieder zu Leben kämen , dann entließ sie die beiden , sehr zufrieden darüber , ihnen Anlaß gegeben zu haben , das weniger als je zu sein . Eine gute Strecke legten die Mädchen schweigend zurück , dann blieb Helene stehen und sah nach dem Hofe . » Hast recht ghabt , Sepherl « , sagte sie , » man kann wirklich ganz weg sein . « » Gelt ja ? « sagte die . » Denk nur « , fuhr Helene fort , » die , welche mal den Bubn vom Sternsteinhofbauer kriegt ... er hat ja wohl nur den ein ? « » Wie d ' fragen magst ? Freilich , nur ' n Toni . « » Die den einmal kriegt und da oben hinauf zu sitzen kommt , die muß ' s schon so gut haben , wie ' s kein Prinzessin auch nit besser haben kann ! « » Pah , was d ' redst ! Einer Prinzessin , die gwohnt is , vom goldenen Geschirr zu essen und daß die Soldaten vor ihr ' Gwehr hraus ' schreien , der fehlet noch viel ! Meinst denn , so a recht a reiche Bauerstochter bekäm da sonderlich mehr unter d ' Händ , als s ' von ihrs Vaters Hof her gwöhnt is ? So arme Menscher , wie wir , glaubeten sich dort freilich wie im Himmelreich , aber von uns kommt keine hnauf . « » Schwerlich « , seufzte Helen . » Gar nit , sag ich dir ! Du denkst nit , wie stolz die allzwei sein , der Alte wie der Junge . Kein Dirn im Ort , soviel wir ihrer auch sein , halt der Toni auch nur des Danks fürs Grüßen wert . « » Da gschieht nur denen recht , die ihn anreden « , rief Helen , » ich grüß ihn nit ! « » Und wenn er sich ja unterstünd « , fuhr Sepherl fort , » auf unsereine ein Aug z ' werfen , sein Vater schlüg ihm allzwei ausm Kopf . « » Gschäh ihm so wegen mir - Gott verzeih mir d ' Sünd