am hellen Tag . Es kam aber nicht so weit , und am anderen Tag ging der Großvater hinaus - denn nun schneite es nicht mehr- und schaufelte ums ganze Haus herum und warf große , große Schneehaufen auf einander , daß es war wie hier ein Berg und dort ein Berg und dort ein Berg um die Hütte herum ; aber nun waren die Fenster wieder frei und auch die Tür , und das war gut , denn als am Nachmittag Heidi und der Großvater am Feuer saßen , jedes auf seinem Dreifuß - denn der Großvater hatte längst auch einen für das Kind gezimmert - , da polterte auf einmal etwas heran und schlug immerzu gegen die Holzschwelle und machte endlich die Tür auf . Es war der Geißenpeter ; er hatte aber nicht aus Unart so gegen die Tür gepoltert , sondern um seinen Schnee von den Schuhen abzuschlagen , die hoch hinauf davon bedeckt waren ; eigentlich der ganze Peter war von Schnee bedeckt , denn er hatte sich durch die hohen Schichten so durchkämpfen müssen , daß ganze Massen an ihm hängen geblieben und auf ihm festgefroren waren , denn es war sehr kalt . Aber er hatte nicht nachgegeben , denn er wollte zu Heidi hinauf , er hatte es jetzt acht Tage lang nicht gesehen . » Guten Abend « , sagte er im Eintreten , stellte sich gleich so nah als möglich ans Feuer heran und sagte weiter nichts mehr ; aber sein ganzes Gesicht lachte vor Vergnügen , daß er da war . Heidi schaute ihn sehr verwundert an , denn nun er so nah am Feuer war , fing es überall an ihm zu tauen an , so daß der ganze Peter anzusehen war wie ein gelinder Wasserfall . » Nun , General , wie steht ' s ? « sagte jetzt der Großvater . » Nun bist du ohne Armee und mußt am Griffel nagen . « » Warum muß er am Griffel nagen , Großvater ? « fragte Heidi sogleich mit Wißbegierde . » Im Winter muß er in die Schule gehen « , erklärte der Großvater ; » da lernt man lesen und schreiben , und das geht manchmal schwer , da hilft ' s ein wenig nach , wenn man am Griffel nagt ; ist ' s nicht wahr , General ? « » Ja , ' s ist wahr « , bestätigte Peter . Jetzt war Heidis Teilnahme an der Sache wach geworden und es hatte sehr viele Fragen über die Schule und alles , was da begegnete und zu hören und zu sehen war , an den Peter zu richten , und da immer viel Zeit verfloß über einer Unterhaltung , an der Peter teilnehmen mußte , so konnte er derweilen schön trocknen von oben bis unten . Es war immer eine große Anstrengung für ihn , seine Vorstellungen in die Worte zu bringen , die bedeuteten , was er meinte ; aber diesmal hatte er ' s besonders streng , denn kaum hatte er eine Antwort zustande gebracht , so hatte ihm Heidi schon wieder zwei oder drei unerwartete Fragen zugeworfen und meistens solche , die einen ganzen Satz als Antwort erforderten . Der Großvater hatte sich ganz still verhalten während dieser Unterhaltung , aber es hatte ihm öfter ganz lustig um die Mundwinkel gezuckt , was ein Zeichen war , daß er zuhörte . » So , General , nun warst du im Feuer und brauchst Stärkung , komm , halt mit ! « Damit stand der Großvater auf und holte das Abendessen aus dem Schrank hervor , und Heidi rückte die Stühle zum Tisch . Unterdessen war auch eine Bank an die Wand gezimmert worden vom Großvater ; nun er nicht mehr allein war , hatte er da und dort allerlei Sitze zu zweien eingerichtet , denn Heidi hatte die Art , daß es sich überall nah zum Großvater hielt , wo er ging und stand und saß . So hatten sie alle drei gut Platz zum Sitzen und der Peter tat seine runden Augen ganz weit auf , als er sah , welch ein mächtiges Stück von dem schönen getrockneten Fleisch der Alm-Öhi ihm auf seine dicke Brotschnitte legte . So gut hatte es der Peter lange nicht gehabt . Als nun das vergnügte Mahl zu Ende war , fing es an zu dunkeln , und Peter schickte sich zur Heimkehr an . Als er nun » Gute Nacht « und » Dank Euch Gott « gesagt hatte und schon unter der Tür war , kehrte er sich noch einmal um und sagte : » Am Sonntag komm ' ich wieder , heut ' über acht Tag ' , und du solltest auch einmal zur Großmutter kommen , hat sie gesagt . « Das war ein ganz neuer Gedanke für Heidi , daß es zu jemandem gehen sollte , aber er faßte auf der Stelle Boden bei ihm , und gleich am folgenden Morgen war sein erstes , daß es erklärte : » Großvater , jetzt muß ich gewiß zu der Großmutter hinunter , sie erwartet mich . « » Es hat zu viel Schnee « , erwiderte der Großvater abwehrend . Aber das Vorhaben saß fest in Heidis Sinn , denn die Großmutter hatte es ja sagen lassen ; so mußte es sein . So verging kein Tag mehr , an dem das Kind nicht fünf- und sechsmal sagte : » Großvater , jetzt muß ich gewiß gehen , die Großmutter wartet ja immer auf mich . « Am vierten Tag , als es draußen knisterte und knarrte vor Kälte bei jedem Schritt und die ganze große Schneedecke ringsum hart gefroren war , aber eine schöne Sonne ins Fenster guckte , gerade auf Heidis hohen Stuhl hin , wo es am Mittagsmahl saß , da begann es wieder sein Sprüchlein : » Heut ' muß ich aber gewiß zur Großmutter gehen , es währt ihr sonst zu lange .