und die Weihnachtssonne , die uns umscheint , sie will uns verkündigen , daß wieder hellere Tage unserer harren . Ob sie kommen werden mit Palmen oder ob sie kommen werden mit Schwerterklang , wer sagt es ? Wohl mischt sich ein Bangen in unsere Hoffnung , daß der Sieg nicht einziehen wird ohne letzte Opfer an Gut und Blut . Und so laßt uns denn beten , meine Freunde , und die Gnade des Herrn noch einmal anrufen , daß er uns die rechte Kraft leihen möge in der Stunde der Entscheidung . Das Wort des Judas Makkabäus sei unser Wort : Das sei ferne , daß wir fliehen sollten . Ist unsere Zeit kommen , so wollen wir ritterlich sterben um unserer Brüder willen und unsere Ehre nicht lassen zuschanden werden . Gott will kein Weltenvolk , Gott will keinen Babelturm , der in den Himmel ragt , und wir stehen ein für seine ewigen Ordnungen , wenn wir einstehen für uns selbst . Unser Herd , unser Land sind Heiligtümer nach dem Willen Gottes . Und seine Treue wird uns nicht lassen , wenn wir getreu sind bis in den Tod . Handeln wir , wenn die Stunde da ist , aber bis dahin harren wir in Geduld . « Er neigte sich jetzt , um in Stille das Vaterunser zu sprechen ; die Orgel fiel mit feierlichen Klängen ein ; die Gemeinde , sichtlich erbaut durch die Schlußworte , verließ langsam die Kirche . Auf den verschiedenen Schlängelwegen , die von der Kirche ins Dorf herniederführten , schritten die Bauern und Halbbauern ihren halbverschneiten Höfen zu . Die Frauen und Mädchen folgten . Wer von der Dorfstraße aus diesem Herabsteigen zusah , dem erschloß sich ein anmutiges Bild : der Schnee , die wendischen Trachten und die funkelnde Sonne darüber . Die Gutsherrschaft nahm wieder ihren Weg durch die Nußbaumallee . Als sie , einbiegend , an die Hoftür kamen , stand Krist an der untersten Steinstufe und zog seinen Hut . Die silberne Borte daran war längst schwarz , die Kokarde verbogen . Berndt , als er seines Kutschers ansichtig wurde , trat an ihn heran und sagte kurz : » Fünf Uhr vorfahren ! Den kleinen Wagen . « » Die Braunen , gnädiger Herr ? « » Nein , die Ponies . « » Zu Befehl ! « Mit diesen Worten traten unsere Freunde ins Haus zurück . Sechstes Kapitel Am Kamin Punkt fünf Uhr war Krist vorgefahren ; Berndt liebte nicht zu warten . Von den Kindern hatte er kurzen Abschied genommen , um seiner Schwester auf Schloß Guse , oder der » Tante Amelie « , wie sie im Hohen-Vietzer Hause hieß , einen nachbarlichen Besuch zu machen . Daß er noch am selben Abend zurückkehren werde , war nicht anzunehmen ; er hatte vielmehr angedeutet , daß aus der kurzen Ausfahrt eine Reise nach der Hauptstadt werden könne . Die Unruhe seiner Empfindung trieb ihn hinaus . Den Weihnachtsaufbau , wie seit Jahren , hatte er sich auch heute nicht nehmen lassen wollen , aber kaum frei , im Gefühl erfüllter Pflicht , schlugen seine Gedanken die alte Richtung ein . Es drängte ihn nach Aktion oder doch nach Einblick in die Welthändel ; ein Bedürfnis , das ihm die Enge seines Hauses nicht befriedigen konnte . In der Unterhaltung , das hatte Lewin bei Tische empfunden , tat er sich Zwang an , und das Gefühl davon nahm auch dem Gespräch der Kinder jede freie Bewegung . Eine gewisse Befangenheit griff Platz . So kam es , daß man die Abwesenheit des Vaters , bei aufrichtigster Liebe zu ihm , fast wie eine Befreiung empfand ; Herz und Zunge konnten ihren Weg gehen , wie sie wollten . Unsere Hohen-Vietzer Geschwister empfanden übrigens , wie kaum erst versichert zu werden braucht , nicht kleiner oder selbstsüchtiger als andere im Lande ; sie wollten nur nicht gezwungen sein , über den » Bösesten der Menschen « immer wieder und wieder zu sprechen , als wäre nichts Sprechenswertes in der Welt als dieser eine . Sie hatten sich samt Tante Schorlemmer im Wohnzimmer eingefunden und saßen jetzt , es mochte die siebente Stunde sein , um den hohen altmodischen Kamin . Mit ihnen war Marie , die Freundin Renatens , des reichen Kniehase dunkeläugige Tochter , deren Besuch für diesen Abend angekündigt war . Jede der drei Damen war nach ihrer Weise beschäftigt . Renate , dem Kamin zunächst sitzend , hielt einen Palmenfächer in der Rechten , mit dem sie die Flamme bald anzufachen , bald sich gegen dieselbe zu schützen suchte ; Tante Schorlemmer strickte mit vier großen Holznadeln an einem Shawl , der wie ein Vlies neben ihrem Lehnstuhl niederfiel ; Marie blätterte neugierig in einer grönländischen Reisebeschreibung , die ihr Tante Schorlemmer zum Heiligen Christ beschert und mit einem Widmungsverse aus Zinzendorf ausgestattet hatte . Zwischen Marie und Lewin , aber keineswegs als eine Scheidewand , stand der Weihnachtsbaum , den Jeetze von der Halle her hereingetragen hatte . Das Plündern , das Sache Lewins war , nahm eben seinen Anfang . Jede goldene Nuß , die er pflückte , warf er in hohem Bogen über die Spitze des Baumes fort , an dessen entgegengesetzter Seite Marie mit glücklicher Handbewegung danach haschte . Im Werfen und Fangen jedes gleich geschickt . Lewin freute sich dieses Spieles ; zudem war er von alters her nie besserer Laune , als wenn er sich den Süßigkeiten des Weihnachtsbaumes gegenübersah . Das Naschen war sonst nicht seine Sache , aber die Pfennigreiter , die Nonnen , die Fische machten ihn kritiklos und ließen ihn einmal über das andere versichern , » daß in dem plattgedrücktesten Pfefferkuchenbild immer noch ein Tropfen vom himmlischen Manna sei « . Die gute Laune Lewins steigerte sich bald bis zu Neckerei , unter der niemand mehr zu leiden hatte als Tante Schorlemmer . » Du sollst den Feiertag heiligen « , rief er ihr zu und