für ein eigenhändiges Antwortschreiben Seiner Majestät an den freiwilligen Jäger von 1813 stehe ich dir ein , und diese Erinnerung an eine beabsichtigte Guttat würde dich bis an dein Lebensende erquicken . « Die Augen des freiwilligen Jägers leuchteten ; er entwarf in Gedanken bereits den allerhöchsten Patenbrief . Seine Gattin fuhr in voreiliger Siegesfreude fort : » Und du kannst ja auch einfließen lassen , Konstantin , daß es auf einen Geldbettel keineswegs abgesehen ist . Nur um die Ehre . Friedrich Wilhelm von Preußen deckt den Tagedieb Klaus Frey . Vor der Hand ist gesorgt . Wo sieben Kinder satt werden , wird es ein achtes auch . Und in einem Falle der Not muß der Amtmann dran . Ja , Konstantin , er muß ! Ei , wäre es nicht um den Narren Mehlborn , wir würden unsern lieben , alten königlichen Herrn ja herzlich gern in Frieden lassen . Aber warte nur , warte , du mein zugeknöpfter hochwohlgeborener Herr Rittergutsbesitzer und Baron in spe : alle zehn Finger sollst du danach lecken , und schöne Batzen sollst du dafür zahlen , als Stellvertreter Seiner Majestät von Preußen am Tauftische des armen Hirtensohnes stehen zu dürfen . « Frau Hanna lachte vor Herzenslust hell auf , während ihr Konstantin , die Brauen bis unter die Haarwurzeln in die Höhe gezogen , ihr starr in die blitzenden blauen Augen blickte und mit drohend erhobenem Zeigefinger , so wie er es bei einer großen Gebotsmahnung von der Kanzel zu tun pflegte , sich also vernehmen ließ : » Mit einem über die Welt verbreiteten Schibboleth , Hanna , bezichtigen wir als ihre ärgsten Feinde die , welche für einen guten Zweck des ungute Mittel nicht verwerflich finden , und nicht zum ersten Male , Hanna , entdecke ich dich auf so unchristlichen Schlangenwegen . Soll auch die Mutterliebe ihre Jesuiten haben ? Mit einem Komödienspiel auf die Schwächen seiner Nebenmenschen spekulieren , durch Hochmut Großmut erwecken - « » Mitleiden durch ein saures Gesicht , « fiel Frau Hanna ein , indem sie ihm zärtlich die Wangen strich . » Ich will es nicht wieder tun , Konstantin ; aber sage mir doch : hast du im großen Weltwesen wie im bescheidensten Einzelnleben jemals einen guten Zweck ohne Jesuitenkünste , wie du es nennst , erreichen sehen ? « » Hast du mich jemals auf Schlangenwegen entdeckt ? « fragte schier entrüstet ihr Konstantin dagegen . » Niemals ! « antwortete sie mit dem reinsten Klang der Aufrichtigkeit . » Aber - aber « - , sie stockte , und nur in Gedanken setzte sie hinzu : » Wie häufig hast du auch , redliches Herz , deine besten Zwecke verfehlt ! « » Aber - warum stockst du , Hanna ? « fragte der Pfarrer . » Aber was sehen wir denn in der Natur , Konstantin , auf die du uns so oft als eine Lehrmeisterin verweist : Übles aus Gutem entstehen , oder Gutes aus dem Übel ? « » Beides , « antwortete er , » beides , Hanna . Allein Moral und Natur decken sich nicht wie - wie - « » Friedrich Wilhelm den Exhirten Klaus , « ergänzte sie mit einem Lächeln ; worauf ihr Konstantin dann fortfuhr : » Die Pflanze saugt erstickende Dünste ein und haucht Lebensluft aus ; ein tödlicher Giftstoff wird zur heilsamen Arznei , - wir wollen diesen großen Gegenstand zu gelegener Stunde gründlich miteinander besprechen , Hanna , « unterbrach er sich selbst . Ihn drängte der Patenbrief an seinen königlichen Herrn . Und an stilistischem wie kalligraphischem Schwung ein Meisterstück , würdig eines allerhöchsten Gevattersmannes , war es , welches in der Mitternachtsstunde dieses Siebenschläfers Konstantin Blümel , evangelischer Pfarrer zu Ober- und Unterwerben , freiwilliger Jäger von 1813 , Ritter des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse , unterzeichnete , an Seine Majestät den König Friedrich Wilhelm III. , zurzeit in Bad Teplitz , adressierte und , nachdem er den teuren Namen mit seinem Atem trocken gehaucht hatte , über Nacht zwischen den Blättern seiner Erbbibel verwahrte . Früh am andern Tage trug er das Schreiben persönlich nach dem städtischen Postbureau , empfahl es , wennschon bereits » Rekommandiert « darauf stand , dem Beamten zu gewissenhafter Beförderung und verbrachte darauf sechs Tage in einer patriotischen Spannung , wie er sie , seitdem er in den Friedensstand zurückgetreten war , nicht wieder empfunden hatte . Beide Gatten hatten sich bis zur Entscheidung unverbrüchliches Schweigen gelobt . Und endlich , endlich am siebenten Tage , da traf es ein , das heißersehnte blaue Kuvert , dessen Inhalt sogar Frau Hannas verwegenste Hoffnungen überbot . Denn den eigenhändigen vier Zeilen , in welchen der » wohlaffektionierte König « die Taufzeugenschaft bei dem zehnten Sohne des Klaus Tobias Frey in Oberwerben huldvollst akzeptierte , war ein Patengeschenk von zehn Zehntalerscheinen beigefügt . Die zehn Zehntalerscheine hat die Frau Pastorin bei ihrem nächsten Stadtgange als Heckepfennig für den armen Hutmannssohn in die Kreissparkasse getragen ; das allerhöchste Handschreiben aber ist von ihr , als Seitenstück zu dem Aufruf » An mein Volk « , dem schwarzweißen Bande des Eisernen Kreuzes angeheftet worden . Und so hatte der Segen des Täufertages sich an der armen Mutterwaise schon im ersten Naturzustande , bevor sie noch ein Christ geworden war , in doppelter Art bewährt . Der zehnte Hirtensohn war ein Kapitalist geworden und hatte seinem Wohltäter eine unvergängliche Herzensfreude eingetragen . Nachdem Pastor Blümel mit feuchten Augen und fliegender Hand sein alleruntertänigstes Dankesschreiben abgefaßt hatte , rüstete er sich zu dem Gange nach dem Pächterhause , um gleichzeitig die Frau Amtmännin Mehlborn als Zeugin für sein Töchterchen und den Herrn Amtmann Mehlborn als stellvertretenden Königszeugen bei dem Sohne des Exschäfers Frey zu Gevattern zu bitten . Die Rittergüter unserer Gegend sind keine Latifundien und die Edelhöfe , wenngleich sie häufig Schlösser heißen , weder mittelalterliche Burgen , noch moderne Prachtpaläste ; so war auch das Hauptgut von Werben nur mäßigen Umfangs