seiner Wut , in seiner Empörung über den Widerstand , den sie zu leisten wagte , kam es ihm : Ich hab das Mädel lieb ! - Und wie Ekel an all der Kriecherei und Heuchlerei um ihn her erfaßte es ihn und zog ihn mit Macht zu der einzigen , die seinem Willen ihren Willen entgegensetzte . Es war totenstill im Zimmer . Frau Nannette zitterte unhörbar , und Vater und Tochter standen einander lautlos gegenüber . Endlich sprach Heißenstein : » Er will kommen ? Gut denn . « » Vater ! « rief Rosa , jubelnd über diese unerwartete Antwort . Sie ergriff seine Hand und wollte sie küssen . Er entzog sie ihr mit den Worten : » Mache dir keine Hoffnung , du Törin . « Heißenstein empfing den Herrn Leutnant von Fehse mit aller möglichen Steifheit . Als der Offizier , von Bozena geleitet , eintrat , erhob sich der Herr des Hauses , ging ihm aber nicht entgegen . Er ließ ihn herankommen , erwiderte seinen militärischen Gruß mit einem Kopfnicken , und als Fehse sich nannte , wies er ihm schweigend einen großen Lehnstuhl an , der neben dem Schreibtische stand . Er selbst setzte sich wieder auf seinen kleinen unbehaglichen Strohsessel . Gerade aufgerichtet vor seinem Gaste , die Hände auf die Knie gelegt , jede einleitende Phrase verschmähend , erklärte er dem jungen Manne , er wisse , welch einen ehrenvollen Antrag zu stellen der Herr Leutnant gekommen sei , und bedauere lebhaft , daß die obwaltenden Verhältnisse ihn zwängen , denselben abzulehnen . Fehse wurde abwechselnd blaß und rot , richtete seine sanften blauen Augen voll Treuherzigkeit auf den Kaufmann und erklärte seinerseits , daß er Fräulein Rosa innigst liebe . Herr Heißenstein schenkte dieser Versicherung unbedingten Glauben , und der Offizier fühlte seine Hoffnung , daß der Vater seiner Geliebten nicht unerbittlich sein könne , wachsen . Er rief , er sei zwar noch sehr jung , bekleide noch keine hohe Charge , habe kein Vermögen , aber er stamme aus einer geachteten Familie , trage einen ehrenwerten Namen , besitze leidliche Fähigkeiten und hoffe Karriere zu machen . Über seinen Ruf bei Vorgesetzten und Kameraden möge Heißenstein Erkundigungen einziehen , sein Oberst sei bereit , sie zu erteilen . Während er sprach , beobachtete der Geschäftsmann ihn scharf . - Eines großen Geistes Kind bist du nicht , dachte er , aber ein hübscher , anständiger Bursche . Fehses offenes Wesen machte einen günstigen Eindruck auf den mißtrauischen und zurückhaltenden Kaufherrn , und der Gedanke an die Möglichkeit einer Vereinbarung flog ihm durch den Sinn . Aus Liebe hat schon mancher größere Opfer gebracht , als das wäre , das der junge Edelmann um Rosas willen bringen müßte , sagte sich Heißenstein . Er begann umständlich und mit Bedacht dem Offizier zu erzählen , seit wie vielen Generationen das Geschäft , an dessen Spitze er stehe , sich in seiner Familie vom Vater auf den Sohn fortgeerbt habe . Ihm hätte der Himmel seinen Sohn genommen , aber seine ehrenwerte Firma müsse doch fortbestehen , und so sei es denn sein unabänderlicher Entschluß , die Hand seiner älteren Tochter nur demjenigen Manne zu gewähren , der sich herbeiließe , den Namen Heißenstein anzunehmen und dereinst das Handlungshaus weiterzuführen . Das Gesicht Fehses verfinsterte sich , und als Heißenstein mit den Worten schloß : » Wollen Sie auf diese Bedingung eingehen ? « antwortete er bebend vor Entrüstung : » Was berechtigt Sie zu glauben , daß ich meinen Namen weniger hochhalte als Sie den Ihren ? ... Ich bin übrigens Soldat mit Leib und Seele und will es bleiben mein Leben lang . « Herr Heißenstein zollte der klaren und männlichen Sprache des Offiziers , die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrigließ und ihre Unterredung beendete , seine Anerkennung . Er fügte , sich erhebend , hinzu , daß er von einem Manne von so korrekter Gesinnung auch ein korrektes Benehmen erwarte . Er äußerte seine aus seiner Hochachtung für Herrn von Fehse entspringende Überzeugung , daß dieser künftighin jede Gelegenheit , Rosa zu begegnen , meiden werde und unter der soeben ausgesprochenen Verzichtleistung auf ihre Hand auch die Verzichtleistung auf ihre Neigung verstehe . » Keine von beiden ! « entgegnete der junge Offizier flammend und glühend . » Ich liebe Ihre Tochter und werde von ihr geliebt , ich werde alles daransetzen , sie zu erringen ! « Und gleich darauf , seine Heftigkeit bereuend , flehte er : » Machen Sie uns nicht unglücklich ! « » Verlieren Sie keine Worte « , sprach Heißenstein . » Es dürfte Sie später verdrießen , wenn Sie sich erinnern würden , Herr Leutnant von Fehse , daß Sie sich vor einem Weinhändler umsonst gedemütigt haben . « Er machte einige Schritte gegen die Tür . » Ich werde « , rief Fehse außer sich , » nie von Ihrer Tochter lassen ! - und seien Sie überzeugt : sie auch nicht von mir ! ... Sie sollen bereuen , was Sie heute tun . Merken Sie wohl : Ich habe Ihnen nichts versprochen . Ich habe kein Wort zu halten als das Wort , das ich Ihrer Tochter gab ! « Heißenstein stand eine Weile in Gedanken versunken und blickte dem Enteilenden nach . Dann setzte er sich an den Schreibtisch und verfaßte einen langen Brief , den er noch am selben Tage eigenhändig der Post übergab . Rosa wurde fortan unter strenger Aufsicht gehalten . Zwei traurige Monate hindurch durfte sie das Haus nicht verlassen und außer in Gegenwart Frau Nannettens keinen Besuch empfangen . Dennoch gelang es Fehse einmal , ihr Nachricht zu geben , und Bozena , die im Zimmer neben dem ihren schlief und der es war , als habe sie ihren Liebling schluchzen gehört , fand Rosa , als sie an ihr Bett trat , im Schlafe weinend , wie sie es als Kind so oft getan . Und dabei hielt