vertrauten Umgange der beiden Knaben für ihre Zukunft nichts erwachsen zu sehen meinte , konnte sie sich entschließen , den Jos zuerst ins sogenannte Schwabenland zu verdingen und dann , da er dort nicht blieb , bei dem unterdessen wohlhabend gewordenen Bruder Josef Anton , dem Krämer , ein Handwerk lernen zu lassen . Das war die einzige Bitte gewesen , die sie noch an den Bruder richtete , und er hatte sie erfüllt , obwohl er es früher hoch und teuer verschwor , er werde weder sie , die ihm überall im Wege stehe , deren Schande die ganze Verwandtschaft niederdrücke , noch den Jungen jemals unter sein Dach kommen lassen . Es schien ihm endlich gelungen , den Jos wie einen ganz Fremden anzusehen , und diesem fiel es nie ein , ihn durch das Wort Vetter an die nahe Verwandtschaft zu erinnern , wenn er es nicht gerade dem harten Manne zum Possen tat wie heute . Die Schnepfauerin dankte Gott von Herzen , daß der längst gefürchtete Wortwechsel der beiden für Jos noch so gute Folgen hatte . Als echte Bregenzerwälderin sah sie die Aufnahme eines Dienstboten als einen Akt des Vertrauens und großer Hochachtung an . Der nun in Aussicht stehende höhere Lohn freute sie nicht halb so wie der Umstand , daß Jos nun in ein rechtes Haus , mitten in die wichtigste Arbeit hineinkam , gleichsam auf einen besonders erhöhten Posten in der Gemeinde , auf dem nun viele Menschen ihn sehen und hoffentlich auch schätzen lernen konnten . Es gab noch so viel zu besprechen , daß man erst spät in der Nacht ans Schlafen dachte . Die Mutter , besorgt um den leidenschaftlichen , immer etwas raschen , leichtsinnigen Jos und erfreut über seinen Bericht , hätte gleich wieder zu arbeiten anfangen mögen , wenn sie dadurch nicht das hohe Osterfest zu entheiligen gefürchtet hätte . Jos dachte beim Einschlafen noch an seine Eierschalen , die er vor der Mutter sorgfältig verborgen hatte . Sie sollte da nichts zu sorgen bekommen . Im Traum sah er des Krämers Haus mit der großen , buntbemalten Türe , vor der die Eierschalen lagen . Als dann statt der Zusel Stighansens Magd herauskam , erschrak er so , daß er darüber erwachte . Viertes Kapitel Was Zusel am Ostersonntag erlebt » Wie das Wetter am Ostertag ist , so wird es jeden Sommersonntag sein . « Diese Bauernregel entstand wohl auch weit weniger durch langjährige Beobachtung als aus den Eindrücken schöner und trüber Ostertage auf Menschen , die sich Kirche , Haus und Feld , Göttliches und Weltliches nur als eines oder doch bloß als gegenseitig sich bindend und tragend zu denken vermochten . Verständige Kinder unserer verständigen , alles teilenden und trennenden Zeit zucken freilich über solche Wetterregeln mitleidig die Achseln und meinen , mit den Festen der Kirche würden Sonne und Nebel nicht viel zu tun haben . Als ob man das nicht schon lange gewußt und allenfalls von Jahr zu Jahr erfahren hätte ! Wo fiel es wohl je einem ein , wegen Ostern am Weißen Sonntag ernstlich schönes oder trübes Wetter zu erwarten ? Dieser poetische Glaube jedoch hat sich stets vom Vater auf den Sohn vererbt und wird sich vererben , solange Ostern das Auferstehungsfest bleibt , an dem alle Stämme und Stengel sich füllen mit frischem Lebenssaft und um die mit dem Karsamstagswasser geweihten Bächlein die ersten Blumen und Gräser sich wieder herauswagen . Die ernste Karwoche schließt den Winter nicht nur für Mietsleute und Dienstboten , sondern auch für den Bauern , der sich am Ostertag , in dem er das Bild des Frühlings sieht , schon so in die mildere Jahreszeit hineindenkt , daß er , der Himmel und die Erde mögen aussehen , wie sie wollen , nun wieder zum erstenmal im leichten , buntfärbigen Sommerkleide zur Kirche geht . Das müßte ein armes , recht unglückliches Menschenkind sein , das am lieben heiligen Osterfeste gar nichts Funkelnagelneues anzuziehen und gleichsam einzuweihen hätte . Es sehen daher nicht nur ernste Bauern , denen ein trüber Tag die erste und reinste Frühlingsfreude verderben würde , schon früh am Morgen besorgt zum Himmel auf , sondern auch junge , sonst sorglos lebende Mädchen , die denn doch ihren Festschmuck nicht gerne verderben möchten , beobachten ängstlich jedes Wölkchen droben am Himmel und finden es heute fast so unangenehm wie einen Schmutzfleck im neuen Festtagskleide . Schon in der wie gewichst glänzenden engfaltigen Juppe prangend , holen sie endlich auch die allerweißesten Strümpfe aus dem Kasten und öffnen die von Rosmarin duftende Schachtel , in der , von unzähligen Papierstreifen umwickelt , der neue goldgestickte Brustfleck mit dem von Glasperlen gefaßten Namenszuge liegt . Endlich schimmert alles an seinem Orte , der glanzlederne Gürtel mit den drei silbernen Schnallen umfängt die schöne Gestalt und sucht ihre vollen Formen unter der etwas starren Juppe zu verbergen . Nun wär ' s doch wirklich jammerschade , wenn es regnen würde . Aber wer nichts wagt , gewinnt nichts . Ostern ist ' s nur einmal im Jahr , und übrigens kann man ja auch einen Regenschirm mitnehmen , der dann im schlimmsten Falle alles ein wenig schützt und doch - nicht alles verbirgt . Noch ein Blick in den verstohlen gekauften kleinen Spiegel hinter den Kleidern im Kasten oder in das gegen die Wand geöffnete Kammerfenster , das weniger Verwöhnten als Spiegel schon manchmal dienen mußte ; dann fort zur Nachbarin , um doch auch noch geschwind zu sehen , was die heute wieder Neues hat . Die überall beneidete , getadelte und bewunderte Susanna , des reichen Krämers verzogenes Töchterlein , hatte schon etliche Jahre hintereinander den Dorfbewohnerinnen am Osterfeste gezeigt , was für den kommenden Sommer Mode sein werde ; doch einen so schönen Ostermorgen wie den heutigen hatte selbst sie noch niemals erlebt . Nicht einmal wecken mußte man sie heute . Die Magd hatte noch kaum ein Feuer , als sie schon zu ihr in die