, schöner sei das gewesen , als Sonne , Mond und Sterne - und zuletzt hat mit einem Sprunge ein Mädchen droben gestanden , das hat die Arme in die Luft gestreckt , hat etwas gerufen , was die Großmutter nicht verstehen konnte , und wäre um ein Haar hinunter in das Wasser gesprungen , das dazumal um das ganze Schloß herumgelaufen ist ... Aber da hat auf einmal der Jost hinter ihr gestanden , der hat sie umfaßt und mit ihr gerungen und hat sie gebeten und gefleht , daß es einen Stein hätte erbarmen mögen , und die kohlschwarzen Haare haben ihm vor Angst in die Höhe gestanden . Nachher hat er sie auf seinen Arm genommen , wie ein Kind , und weg waren sie von der Mauer ... Dem Mädchen ist aber der Schleier vom Kopfe gefallen und ist hinübergeflogen bis zu der Großmutter . Er ist wunderfein gewesen , und sie hat ihn voller Freude mit heimgenommen zu ihrem Vater ; der hat ihn voll Schreck ins Feuer geworfen , weil es Teufelsspuk sei , und die Großmutter hat nie wieder auf den Berg gedurft . Später - es ist wohl ein volles Jahr herum gewesen , seit der Jost so still auf Gnadeck gelebt hat - ist er auf einmal frühmorgens zu Pferde den Berg herabgekommen ; aber niemand hat ihn kennen mögen , so verfallen war sein Gesicht , und hat wohl noch viel blässer deswegen ausgesehen , weil er kohlschwarz angezogen war . Er ist langsam geritten und hat jedem , der ihm begegnet ist , noch einmal traurig zugenickt . Dann ist er fortgewesen und ist auch nie wiedergekommen ... er ist in der Schlacht erschossen worden , und sein alter Diener auch , der mit ihm war ... es war dazumal der Dreißigjährige Krieg . « » Nun , und das schöne Mädchen ? « fragte Elisabeth . » Ja , von dem hat niemand weiter eine Spur gehört noch gesehen ... Der Jost hat auf dem Rathause zu L. ein großes versiegeltes Paket niedergelegt und hat gesagt , das sei sein letzter Wille . Man solle es aufmachen , wenn die Nachricht von seinem Tode käme . Aber da war eine große , große Feuersbrunst in L. , viele Häuser , selbst die Kirchen und das Rathaus mit allem , was darin war , sind bis auf den Grund niedergebrannt , und das Paket natürlich auch mit . In der letzten Zeit soll auch einige Male der Pfarrer von Lindhof oben bei dem Jost gewesen sein . Der geistliche Herr hat aber stillgeschwiegen wie ein Mäuschen ; und weil er alt war und bald darauf das Zeitliche segnen mußte , so hat er das , was er vielleicht da droben erfahren hat , mit ins Grab genommen ... So weiß nun kein Mensch , was es mit dem fremden Mädchen für ein Bewenden gehabt hat , und es wird wohl auch ein Geheimnis bleiben bis an den jüngsten Tag . « » Na , geniere dich nur nicht , Sabine ! « rief der Oberförster herüber , indem er seine Pfeife ausklopfte , » es ist besser , die Else gewöhnt sich gleich von vornherein an den schauerlichen Schluß deiner Geschichten - sag ' s nur , denn du weißt es ja doch ganz genau , daß das schöne Mädchen eines schönen Tages auf dem Besen zum Schornsteine hinausgefahren ist . « » Nein , das glaube ich nicht , Herr Oberförster , wenn ich auch - « » Drauf schwöre , daß es in der Umgegend wimmelt von solchen , die jeden Tag zum Scheiterhaufen reif wären , « unterbrach sie der Oberförster . » Ja , ja , « wandte er sich zu den anderen , » die Sabine ist noch vom alten Thüringer Schlage . Es fehlt ihr sonst nicht an Verstand und sie hat auch das Herz auf dem rechten Flecke ; wenn aber der Hexenglaube ins Spiel kommt , da verliert sie beides und ist im stande , ein armes , altes Weib , weil es rote Augen hat , von der Thür wegzuschicken , ohne einen Bissen Brot abzuschneiden . « » Nu , so schlimm ist ' s doch nicht , Herr Oberförster , « entgegnete die Alte gekränkt , » ich gebe ihr zu essen , aber ich ziehe die Daumen ein und antworte weder ja noch nein - und das kann mir kein Mensch verdenken . « Alle lachten über dies Präservativ gegen das Behexen , welch ersteres augenscheinlich sehr ernst gemeint war . Die alte Haushälterin aber strich die Möhrenüberreste von der Schürze und erhob sich , um das Abendbrot für die Leute herzurichten , die heute früher essen sollten , denn bis zum Einbruche der Nacht gab es noch tüchtig zu thun im alten Schlosse . 5 Als Elisabeth am andern Morgen die Augen aufschlug , verkündete die große Wanduhr drunten in der Stube gerade die achte Stunde und überzeugte sie zu ihrem Verdrusse und Schrecken , daß sie sich verschlafen habe . Daran aber war nichts schuld , als ein tiefer häßlicher Morgentraum ... Der goldene , poetische Duft , den ihre Phantasie gestern um Sabines Erzählung gehaucht hatte , war über Nacht zur trüben Wolke geworden , deren Druck noch im Augenblicke des Erwachens auf ihr lastete ... Sie war in Todesangst durch die wüsten , weiten Säle des alten Schlosses gelaufen , immer verfolgt von Jost , dem sich die Haare auf der todblassen Stirn aufbäumten , und der sie mit den schwarzen Augen anglühte , und hatte eben unter tiefem , nie empfundenem Grauen die Hände ausgestreckt , um ihn zurückzustoßen , als sie erwachte ... Noch klopfte ihr das Herz , und sie dachte mit Schauder an jene Unglückliche auf der Mauer , die vielleicht , ebenso gehetzt wie sie , verzweiflungsvoll den Tod suchte und in dem fürchterlichen Augenblicke von dem Verfolger ergriffen wurde . Sie sprang auf und kühlte sich das