sich eben so fügte , aus der Erziehung eines schönen Waisenkindes ein Bewußtsein machte , daß die Anbetung , welche dasselbe ihm zollte , ihm für eine Zeit lang genügte , und daß er sich von einem solchen Mädchen ganz und gar gefesselt fühlte , weil er es gänzlich als sein Geschöpf betrachten durfte . Er hatte mit voller Wahrheit gegen den Caplan behaupten können , Pauline sei das einzige Frauenzimmer , neben welchem er nie Langeweile gefühlt habe , denn Alles , was sie wußte und sprach , kam ihr von ihm oder durch ihn , und war daher sicher , ihm immer zu gefallen . Einige Jahre hindurch hatte er Pauline gegenüber die Wirkung seiner Großmuth oder seines Geistes genossen , wenn sie sich verständig und immer fortschreitend bewies , und sich daneben lächelnd ihrer Einfalt und seiner Ueberlegenheit gefreut , so oft die Schranke ihrer Natur und ihres Wesens ihm bemerklich wurde . Diese Zeit jedoch war jetzt vorüber . Pauline hatte sich an ihren Platz neben dem Baron gewöhnt , sie hatte seine Schwächen kennen und , um ihn in guter Stimmung zu erhalten , dieselben benutzen und ihn dadurch beherrschen lernen . Sie hing an ihm noch immer mit leidenschaftlicher Liebe , sie vergaß es auch niemals , was sie ihm schuldete ; aber weil sie die geistige Kluft nicht ermessen konnte , welche den Freiherrn von ihr trennte , hatte sie sich mehr und mehr in seinem Besitze sicher gefühlt , und die von ihm oft wiederholte Aeußerung , daß ihr Leben dem seinigen in räthselhafter Weise verbunden sei , hatte sie in dem Glauben bestärkt , daß der Baron sie nie verlassen könne , daß sie nothwendig zu seinem Leben , zu seinem Glücke gehöre . Sie war daher wie vernichtet gewesen , als sie die Nachricht von seiner bevorstehenden Verheirathung erhalten hatte . Der Baron selbst hatte sie ihr mitgetheilt , ohne deshalb , nach den leichten Grundsätzen seiner Zeit , gleich Anfangs an die Nothwendigkeit ihrer Entfernung zu denken . Erst ihr leidenschaftlicher Schmerz und die heftigen Ausbrüche ihres Zornes , erst ihre Drohung , daß sie seine Heirath zu hintertreiben wissen werde , hatten ihm gezeigt , daß er sie nicht in Rothenfeld behalten könne , und hatten ihn gegen sie verstimmt . Indeß schwach und nachgiebig gegen sie wie gegen sich selbst , hatte er mit der Entscheidung gezögert , bis der Tag seiner Hochzeit heran nahte , bis er sich der Aussicht auf die schöne junge Gattin zu erfreuen , und sich über den Verlust seiner Geliebten mit dem ihm schmeichelnden Gedanken fortzuhelfen begann , daß er seinem Gewissen und seiner Verlobten ein großes Opfer bringe , und daß er als Edelmann die Pflicht habe , für sein edles Geschlecht ein würdiges Familienleben in seinem Hause aufzubauen . Er war mit sich auf diese Weise leicht genug fertig geworden . Der Caplan hatte dafür mit Pauline einen um so schwereren Stand . Sie mißtraute ihm als katholischem Geistlichen , als Abgesandten des Barons , und verlangte doch nach seiner Nähe , weil sie sich verlassen fühlte und weil sie mit ihm von demjenigen sprechen konnte , was ihr allein am Herzen lag . So oft er zu ihr kam , mußte er sich von ihr die einfache Geschichte ihres Lebens erzählen lassen . Sie wiederholte ihm jene Grundsätze eines Naturrechts , auf das der Baron sie verwiesen , als er sie durch die Ermahnungen des Pfarrers beunruhigt gesehen hatte . Sie gab ihm ihre Eifersucht und Verzweiflung zu erkennen , und der Gedanke an die baldige Anwesenheit der künftigen Baronin , den der Caplan ihr so eindringlich vorgehalten hatte , wirkte nun unablässig in ihr nach . Sie verlangte Rath von ihm und verwarf denselben ; sie verlangte Trost und Hülfe , aber sie wendete sich ab , sobald er sie auf einen Trost verweisen wollte , den sie in ihrem eigenen Innern sich zu bereiten habe . Sie wollte weder von kirchlichen noch von staatlichen Geboten reden hören , aus Furcht , daran erinnert zu werden , daß sie dieselben übertreten habe , und daß sie diese Uebertretung sühnen und büßen müsse . Mehr oder weniger gebildet und aufgeklärt , würde sie leichter zu bestimmen gewesen sein , als jetzt ; und es waren schließlich nicht die Vorstellungen ihres Berathers , nicht seine Moral und seine Vernunftgründe , welche Eindruck auf Pauline machten . Es waren seine Geduld mit ihr und seine Milde , die ihr das Gemüth bewegten und sie allmählig dahin brachten , daß ihr Zorn und ihre Verzweiflung dem reinen Schmerze wichen , der nicht mehr sich zu rächen , sondern nur noch sich selbst zu helfen trachtet . Eines Morgens , als der Caplan wieder zu ihr kam , fand er sie vor ihrer großen Nußbaum-Commode sitzen . Um sie her lagen verschiedene Kleidungsstücke ausgebreitet , daneben Bänder , Zierathen , Nähbestecke und viele jener Kleinigkeiten , mit denen man die Frauen zu beschenken pflegt , deren eigentliche Bedürfnisse ohnehin befriedigt werden . Sie schien Musterung zu halten , und der Caplan fragte sie , weshalb sie dieses thue . Weshalb ich das thue ? wiederholte sie . Ja ! wenn ich das wüßte , Hochwürden ! Ich kann nicht sagen , wie ich darauf verfiel , die Schubladen aufzumachen und die Sachen zu besehen . - Die Commode ist mein Lieblingsstück ! bemerkte sie nach einer Weile , während sie die Sachen forträumte , die auf derselben gelegen hatten . Sehen Sie einmal das Geäder in dem Nußbaume . Es sieht wie Bäume aus ; und dann der schwere Messingbeschlag und die großen Griffe ! Ich weiß den Tag , an welchem ich die Commode bekommen habe . Die alte Margarethe gönnte sie mir gar nicht , und ich habe zuerst viel bittere Worte darüber hören müssen und manche Thräne darüber vergossen ! Sie erzählte darauf , wie schwer die Alte ihr bisweilen das Leben gemacht habe , und in die Art