und noch weniger zur Verschönerung desselben . Seit dem Anfang des Jahrhunderts waren die Mauern nicht getüncht , seit dem Hubertusburger Frieden schienen die Fenster nicht geputzt worden zu sein . Auf dem Dach wuchs Moos und allerlei Krautwerk ; es hatte sich mehr als ein Ziegel abgelöst und war durch keinen andern ersetzt worden . Die Baupolizei war schlecht in Neustadt , aber Samuel Freudenstein verlangte gar keine bessere . Eigentliche Kellerwohnungen und -läden gab es in Neustadt nicht , die Stadt war dazu nicht überfüllt genug . Der ärmere Teil der Bevölkerung wurde weder zu hoch hinauf- noch zu tief hinabgedrängt . Das einzige Lokal , welches jenen troglodytischen Einrichtungen größerer Städte ähnelte und welches somit dem Geschmacke Freudensteins entsprach , hatte dieser bei seiner Ansässigmachung in Neustadt bald gefunden , und nach seinem Geschmack hatte er sich darin eingerichtet . Dem durch die Kröppelstraße Wandelnden machte sich der Laden des Trödlers glänzend durch eine vor der Tür aufgehängte Hoflakaienlivree des Königs Hieronymus von Westfalen bemerklich . Dieser bunte Anzug diente besser als alles andere als Aushängeschild eines Trödelladens , und ein vorzüglicheres Symbolum dafür als dieses Hausratstück des Trödelkönigreichs Westphalie war schwerlich zu finden . Es war niemand in der Stadt , der diese Livree nicht kannte ; und Leute , welche sie als Kinder angestaunt hatten , mußten sich ihrer noch im späten Greisenalter erinnern . Dem Lakaien gegenüber hing am andern Türpfosten eine schadhafte Eierkuchenpfanne , und zwischen beiden gingen die Kunden ein und aus , brachten die verschiedenartigsten Gegenstände oder schleppten die verschiedenartigsten Gegenstände fort . Das Schaufenster gab nur einen schwachen Begriff von dem , was der Laden in seinem Innern enthielt : Damenhüte und Herrenhüte , Schulbücher , Bündel verrosteter Schlüssel , staubige Rokokogläser und Schüsseln , ein Fächer , eine Standuhr , desolate Porzellanfiguren , Kinderpuppen , ein Zettel mit der Inschrift : » Hier werden die höchsten Preise für Lumpen aller Art gezahlt « ; - ein anderer Zettel mit der Inschrift : » Allerhöchste Preise für Knochen , zerbrochenes Glas und Eisen « ; - ein dritter Zettel mit den verlockenden Worten : » Einkauf von Gold , Silber , Juwelen und getragenen Kleidungsstücken « ; - - viel enthielt das Schaufenster und doch sehr wenig im Vergleich zu dem Laden selbst . Wenn man über die Schwelle getreten und die drei Stufen hinabgestolpert war , geriet man in eine Dämmerung , in welcher man anfangs keinen Gegenstand von dem andern unterschied , und in eine Atmosphäre , welche ebenfalls aus mancherlei ununterscheidbaren Düften zusammengesetzt war . Nur ganz allmählich gewöhnten sich Auge und Nase an die Lokalitäten ; nur ganz allmählich erkannte man , daß der Mensch hier alles loswerden konnte , was er nicht gebrauchte oder nicht länger gebrauchte , und daß er hier vieles fand , was er gebrauchte . Ein Gegenstand mochte durch noch so viele Hände gegangen sein , noch so viele Schicksale in auf- und absteigender Linie gehabt haben , Samuel Freudenstein brachte ihn doch noch im gegebenen Augenblick in Bewegung und an den rechten Mann . Er konnte dem ältesten Plunder täuschend den Anschein der Neuheit gehen , und seine Ansichten über die Dauer im Wechsel wären höchst belehrend und anziehend für jeden Philosophen gewesen . Wie ein Alchimist und Zauberer waltete er aber auch in seinem dämmerigen Reich , und seine Erscheinung weckte nicht das Zutrauen , welches dem Handelsmann so nützlich ist . Samuel Freudenstein war ein Sechziger , der wenig auf äußere Eleganz hielt und der allein imstande gewesen wäre , den Hut des Armenlehrers Silberlöffel für eine höchst anständige Kopfbedeckung zu halten . Er war groß , doch ging er sehr gebückt und schien an einem ewigen Frost zu leiden . Die Art , wie er seine schlotternden Glieder in seinem zerlumpten Schlafrock verbarg , konnte in den Hundstagen einem eine Gänsehaut hervorbringen . Der Mann war ein fortwährendes Zähnklappern und ein Greuel für jeden , der etwas auf ein wohlgewaschenes Gesicht und reinlich beschnittene Nägel gab . Daß er sich stets genügend rasiert habe , konnte man ebenfalls nicht behaupten , und daß er einst ein Weib gefunden hatte , und zwar ein sehr hübsches und sehr reinliches , das glaubten nicht alle , welche mit der Tatsache bekannt gemacht wurden . Es war aber doch so , und das Weib hatte ihn sogar geliebt und hatte ihn höchst ungern allein gelassen in der Welt . Nicht immer hatte Samuel in der Dunkelheit seines Ladens in Neustadt gesessen ; er hatte mehr von der Welt gesehen als sämtliche anderen Neustädter zusammengenommen . Geboren war er in jener angenehmen Gegend , wo Katze und Hund sich gute Nacht sagen und wo Russen , Polacken und Türken einander seit undenklichen Zeiten in den Haaren liegen . Gehandelt hatte Samuel bis hinauf nach Warschau und Petersburg und bis hinunter nach Konstantinopel . Im Jahr 1799 zog er mit Suwarow nach Italien und machte gute Geschäfte , wäre aber beinahe von dem alten Italinsky gehängt und von Massena füsiliert worden . Als vorsichtiger Mann blieb er deshalb an der nächsten Ecke zurück und ließ die kriegführenden Parteien allein weitermarschieren . Er ging nach Wien , und als ihm das Glück dort nicht wohlwollte , nach Prag , wo er in der Jüdenstadt sich sehr behaglich fühlte und wo er jedenfalls sich für immer festgesetzt hätte , wenn nicht die große Konkurrenz gewesen wäre . Er handelte um diese Zeit mit Rauchwaren und machte ein ziemlich bedeutendes Geschäft in Füchsen von allen Farben , Mardern und dergleichen Pelztieren . Als er zum erstenmal zur Messe nach Leipzig kam , glaubte er sich gerade mitten in Abrahams Schoß setzen zu können , aber er setzte sich nebenzu und verlor in einer allzu gewagten Spekulation fast sein sämtliches Vermögen . Die Zeiten waren für jedermann hart und wurden immer härter , aber Samuel Freudenstein gehörte zu den Leuten , die jeder Windstoß nach Belieben dreht und wendet , und das kann unter Umständen trotz