lassen . Felix ist noch jung . Nicht jünger als Oldenburg . Fünf Jahre . Das sieht man ihm wahrlich nicht an : freilich , er hat etwas schnell gelebt , der gute Felix . Man sollte wirklich glauben , liebe Melitta , daß Felix Ihnen näher stände , als es der Fall ist . Aufrichtig , ich möchte gern wissen , was Sie von dieser Heirath denken , im Falle Grenwitz das Project nicht aufgeben sollte . Nun denn , aufrichtig : ich würde sie für ein Unglück , für ein um so größeres Unglück halten , je schöner und unschuldiger Helene ist . Was , um Alles in der Welt , kann den Baron zu dieser Heirath bestimmen ? Denn , daß eine Mutter zu solch einer Verbindung , die ihre Tochter namenlos unglücklich machen müßte , Ja sagen sollte , kann ich mir nimmermehr denken . Melitta war aufgesprungen , hatte ihre Reitpeitsche ergriffen und hieb damit sausend durch die Luft , als wollte sie sagen : das verdient der , welcher zu diesem Bubenstück die Hand bietet . In der schlanken , hochaufgerichteten Frauengestalt hätte man kaum dieselbe wieder erkannt , die sich vorhin schüchtern über ihre Arbeit beugte , oder sich lässig in die Kissen des Stuhles schmiegte . Selbst die Züge des Gesichtes schienen anders zu werden , schärfer , älter ; das Feuer in den großen Augen loderte düster auf . Offenbar hatte die Erwähnung dieser Heirath eine Seite in ihr angeschlagen , die häßlich durch ihre Seele schrillte . Sie fuhr in demselben aufgeregten Tone fort : Felix ist ein notorischer Wüstling . Wie kann ein Wüstling Liebe fühlen ? Und gesetzt , Helenens Schönheit , Unschuld und Jugend trügen für eine Zeit über seine Blasirtheit den Sieg davon , so kann dies nicht von Dauer sein . Ein gründlich Blasirter wird niemals wieder ein ganzer Mann ; und kann Helene einen solchen halben Mann lieben ? und ist das Leben ohne Liebe werth , daß man es lebt ? und können Sie das Unheil verantworten , das aus einer so lieblosen Ehe wie Unkraut aufschießt ? Ich weiß - Die junge Frau schwieg plötzlich und ging mit schnellen Schritten in dem Gemache auf und ab . Dann nach einer kleinen Pause : Und welch ' äußere Vortheile könnte diese Ehe gewähren ? Felix hat seiner ungemessenen Eitelkeit sein Vermögen , wie seine Gesundheit zum Opfer gebracht . Seine Güter sind verschuldet , über und über ; und Aussichten hat er , so viel ich weiß , auch nicht - Nur daß er , wenn mein Malte stirbt , was Gott verhüten wolle , das Grenwitz ' sche Majorat erbt , sagte die Baronin . Ja so ! sagte Melitta gedehnt . Die letzte Bemerkung der Baronin hatte der edelmüthigen jungen Frau die Angelegenheit in einem ganz neuen Lichte gezeigt ; dem unheimlichen Lichte vergleichbar , das aus der Blendlaterne eines Diebes auf das Schatzkästlein fällt , das er stehlen will . Sie hütete sich indessen wohl , die Baronin , was in ihr vorging , merken zu lassen , sondern fuhr , sich wieder in ihren Schaukelstuhl werfend , in unbefangenem Tone fort : Ich hoffe , Malte wird Felix ' Gläubigern nicht den Gefallen thun , vor der Zeit zu sterben , er wird ja zusehends kräftiger , und wenn Sie dem Jungen nur mehr Freiheit lassen wollten - Freiheit ! sagte die Baronin ; muß ich das Wort schon wieder hören ! Ich lasse ihm so viel Freiheit , als ich mit einer vernünftigen Erziehung für verträglich halte . Ich meine , daß , wer wie Malte einst über ein bedeutendes Vermögen gebieten wird , nicht zeitig genug gehorchen , sich einschränken , sich Unnöthiges , Ueberflüssiges versagen lernen kann . Wir haben ja an unserm Neffen Felix das lebendigste Beispiel , wohin die allzugroße Nachsicht führt . Das ist Alles wahr , sagte Melitta , aber - Wir haben uns ja wohl über das Thema der Erziehung unserer Kinder ein für alle Mal des Streites begeben , sagte die Baronin mit dem Lächeln der Ueberlegenheit . Ich weiß , was ich will , und das werde ich mit Gottes Hülfe durchführen . Apropos , habe ich Ihnen schon gesagt , daß ich meinen Julius in diesen Tagen nach Grünwald auf ' s Gymnasium schicken will ? sagte Melitta . Wieder so ein Wagestück ! antwortete die Baronin . Baron Oldenburg hat auch so eine öffentliche Erziehung , wie sie es nennen , genossen , und ich denke , die Resultate sind danach . Freilich hat man mit den Hauslehrern auch seine liebe Noth . Sie haben ja jetzt einen neuen , nicht wahr ? sagte Melitta , die aufgestanden war und sich in die Thür lehnte ; wie ist er denn ? Die Baronin zuckte die Achseln . Aber wie kann man das auch fragen , sagte Melitta lachend . Er wird sein wie alle Andern : entsetzlich gelehrt , eckig , pedantisch , langweilig . Bemperlein , Bauer - das ist Alles ein Genre . Ich will einen Hauslehrer auf hundert Schritt erkennen . Ah ! wer ist der junge Mann , der da mit Bruno über die Wiese kommt ? Die Frage blieb unbeantwortet , da in diesem Augenblick Mademoiselle Marguerite in das Zimmer getreten und die Baronin aufgestanden war , ihr einige Aufträge wegen der Abendmahlzeit zu geben . Melitta wandte sich um , aber die Baronin hatte mit einem : Entschuldigen Sie mich ! das Zimmer verlassen . Die junge Frau blieb allein und mußte selbst die Antwort auf ihre Frage zu finden suchen . Sie zog sich ein wenig aus der Thür zurück und musterte mit ihren scharfen Augen die Erscheinung des unbekannten jungen Mannes . Siebentes Capitel Oswald war mit Bruno aus den Bäumen , die den Rasenplatz umsäumten , dem Schlosse gegenüber herausgetreten . Sein rechter Arm ruhte auf des Knaben Schulter , der wiederum seinen Arm um Oswald ' s