mag er mit noch so stolzer Macht sich nähern - seitdem erscheint mir das reichsstädtische Wesen hier recht kleinlich und eingeschrumpft , und auch dafür wie für den Verfall der Kirche kann die Kunst allein mir Trost gewähren . « Ulrich sagte : » Ich war zur selben Zeit in Straßburg , und auch unser Mauerhof feierte den großen Sieg in der Hütte wie im Münster . Das Jahr darauf erschien in Straßburg selbst , aber von einem Schweizer Hans Eberhard Tüsch verfaßt , eine Erzählung des Feldzugs Karl ' s des Kühnen gegen die Schweizer , die von Allen , die lesen können , mit Begierde gelesen ward . « » Aber ein weit höherer Geist als in diesem trockenen Bericht weht in den Kriegs- und Siegesliedern , welche die Schweizer nach diesen Siegen ertönen ließen , « sagte Hieronymus , » besonders in denen eines Dichters Veit Weber aus Freiburg , der in den Reihen der Eidgenossen selbst mitfocht . Ich hab ' ihn selbst kennen und schätzen lernen . Solche Begeisterung , wie in diesen Liedern weht , kann nur angetroffen werden , wo eine ganze Nation sich zu schönen Thaten für Vaterland und Freiheit erhebt ; wir hier , in unseren kleinen Verhältnissen des bürgerlichen Lebens , unter dem ehr- und gewinnsüchtigen Gezänk großer und kleiner Potentaten , müssen darauf verzichten . Doch , « fügte er an ' s Fenster tretend hinzu , » wenn Du nicht zu ermüdet bist , heute noch Etwas von den Herrlichkeiten dieser Stadt zu sehen , so wird es Zeit , daß wir gehen . « Beide ergriffen ihre Hüte , schnallten ihre kurzen Schwerter um und gingen hinab . Sie waren nur erst wenig Schritte gegangen , als vor einem großen Gebäude am Katharinenhof ein dichter Menschenknäuel ihre Schritte hemmte . » Was giebt es hier ? « fragte Ulrich , und sein Führer antwortete : » Sieh , hier ist Peter Vischer ' s Gießhütte , ein Rothgießer , der gestern Meister geworden . Die Rußigen machen ihm heute einen Besuch , um ihn in seiner eigenen Werkstatt zum ersten Feierabend zu beglückwünschen . Gestern hat ihm das Handwerk ein Fest gegeben , und heute kommen die Gesellen zu ihm , sich den Dank dafür zu holen . Da wird er manches Fäßlein opfern müssen , denn wie mäßig er auch selbst leben soll , die Rußigen sind ein durstiges Völkchen und lassen sich nicht gern eine Zeche entgehen . « » Nur herein , ehrsame Zunftgenossen ! « rief eine Stimme aus der Hütte , und an der geöffneten Thür zeigte sich die mittelgroße , breitschulterige gedrungene Gestalt eines Mannes von dreißig Jahren . Heiterer Lebensmuth strahlte aus seinem , jetzt noch von der Glut des Feuers geröthetem Gesicht , Gütmüthigkeit und Freundlichkeit gegen Jedermann leuchtete aus seinen hellen Augen und ein eigenthümlicher Zug von Schalkheit spielte um den Mund trotz dem Bart , der ihn umsäumte . Dabei lagerte auf der Stirn doch ein Ausdruck von Ernst und Willenskraft , der seine ganze , sonst gewöhnliche Erscheinung adelte . Er trug eine graue Arbeitsjacke , darüber eine steife Lederschürze und den Meißel in der Hand . Ein donnerndes » Hoch ! « der Rußigen antwortete ihm . So nannte man die Knechte und Gesellen der Gießhütten , deren es eine ziemliche Anzahl in Nürnberg gab , denn die Kunst in Erz und Metall zu gießen war eben damals sehr im Schwunge , und diese Rußigen waren ein zahlreiches Völkchen , das sich in Macht und Ansehen zu erhalten wußte , und wenn nicht anders , durch die Stärke seiner Muskeln und die Kraft seiner Fäuste , wie durch die Hämmer , die darin geschwungen wurden . » Dieser Peter Vischer hat ein sehr künstliches Meisterstück gemacht , « sagte Hieronymus , » das wir uns einmal ansehen können . Er ist auch von unermüdlichem Fleiß und läßt sich keine Mühe verdrießen zu lernen und sich fortzubilden . « In diesem Augenblick ward in dem wachsenden Gedränge ein Benediktinermönch mit grauschwarzem Haar und langem wallenden Bart an die Seite der Steinmetzen geführt , so zwar , daß sein Rosenkranz an Ulrich ' s Schwert hängen blieb , und da dieser vorwärts schreitend das nicht bemerkte , so zerriß die Schnur und die Perlen rollten zu Boden . Der Mönch murmelte etwas zwischen den Zähnen , das fast wie ein Fluch klang , Ulrich aber ward nicht so bald das Geschehene gewahr , als er mit höflichen Worten für seine Unvorsichtigkeit um Entschuldigung bat , und sich zu Boden bückte , die herabgefallenen Perlen zu suchen , da eben jetzt die Gesellen in die Gießhütte eintraten und dadurch das Gedränge sich verlor . Ulrich sprach mit etwas fremden Accent und hatte überhaupt ein eigenthümlich melodisches Organ - der Benediktinermönch starrte ihn prüfend an , nachdem er diese Laute vernommen , und während es erst geschienen , als wolle er ihn derb anlassen , sagte er jetzt nur kurz : » Bemüht Euch nicht ! « und war um die nächste Ecke mit hastigen Schritten im Augenblick wie verschwunden . Wenigstens als Ulrich das herabgefallene Kreuz und eine große Perle des Rosenkranzes aus dem Staub der schlechtgepflasterten Gasse aufgehoben und dem Mönch sein Eigenthum geben wollte , war derselbe nirgend mehr zu sehen . Auch Hieronymus hatte sein Augenmerk nicht auf ihn gehabt und wußte nicht , wo er hingekommen . Vielleicht begegne ich ihm noch einmal , « sagte Ulrich ; » er hatte ein ausdruckvolles Gesicht , das ich jedenfalls wieder erkenne , oder ein anderer Benediktinermönch kann uns vielleicht sagen , welcher seiner Brüder diesen Verlust gehabt ; bis dahin will ich Perle und Kreuz bewahren , um sie ihm gelegentlich wieder zuzustellen . « Wie es dunkel geworden und die abendlichen Schleier auch die schönsten Bauwerke einhüllten , das selbst die prächtige Sebaldskirche , vor der Ulrich lange bewundernd und zugleich mit dem Auge des Kenners prüfend weilte , nur noch in ihren großen