die Sitte des Landes zu bauen . Wenn Eure Behauptung , daß kein Gewitter kommen werde , einer Ablehnung gleich sein soll , werde ich mich augenblicklich entfernen . Denkt nicht , daß ich als junger Mann den Regen so scheue ; es ist mir zwar nicht so angenehm , durchnäßt zu werden , als trocken zu bleiben , es ist mir aber auch nicht so unangenehm , daß ich deshalb jemanden zur Last fallen sollte . Ich bin oft von dem Regen getroffen worden , und es liegt nichts daran , wenn ich auch heute getroffen werde . « » Das sind eigentlich zwei Fragen , « antwortete der Mann , » und ich muß auf beide etwas entgegnen . Das erste ist , Daß Ihr in Naturdingen eine Unrichtigkeit gesagt habt , was vielleicht daher kommt , daß Ihr die Verhältnisse dieser Gegend zu wenig kennt , oder auf die Vorkommnisse der Natur nicht genug achtet . Diesen Irrtum mußte ich berichtigen ; denn in Sachen der Natur muß auf Wahrheit gesehen werden . Das zweite ist , daß , wenn Ihr mit oder ohne Gewitter in dieses Haus kommen wollt , und wenn Ihr gesonnen seid , seine Gastfreundschaft anzunehmen , ich sehr gerne willfahren werde . Dieses Haus hat schon manchen Gast gehabt , und manchen gerne beherbergt ; und wie ich an Euch sehe , wird es auch Euch gerne beherbergen und so lange verpflegen , als Ihr es für nötig erachten werdet . Darum bitte ich Euch , tretet ein . « Mit diesen Worten tat er einen Druck am Schlosse des Torflügels , der Flügel öffnete sich , drehte sich mit einer Rolle auf einer halbkreisartigen Eisenschiene und gab mir Raum zum Eintreten . Ich blieb nun einen Augenblick unentschlossen . » Wenn das Gewitter nicht kömmt , « sagte ich , » so habe ich im Grunde keine Ursache , hier einzutreten ; denn ich bin nur des anziehenden Gewitters willen von der Landstraße abgewichen und zu diesem Hause heraufgestiegen . Aber verzeiht mir , wenn ich noch einmal die Frage anrege . Ich bin beinahe eine Art Naturforscher , und habe mich mehrere Jahre mit Naturdingen , mit Beobachtungen und namentlich mit diesem Gebirge beschäftigt , und meine Erfahrungen sagen mir , daß heute über diese Gegend und dieses Haus ein Gewitter kommen wird . « » Nun müßt Ihr eigentlich vollends herein gehen , « sagte er , » jetzt handelt es sich darum , daß wir gemeinschaftlich abwarten , wer von uns beiden recht hat . Ich bin zwar kein Naturforscher , und kann von mir nicht sagen , daß ich mich mit Naturwissenschaften beschäftigt habe ; aber ich habe manches über diese Gegenstände gelesen , habe während meines Lebens mich bemüht , die Dinge zu beobachten und über das Gelesene und Gesehene nachzudenken . In Folge dieser Bestrebungen habe ich heute die unzweideutigen Zeichen gesehen , daß die Wolken , welche jetzt noch gegen Sonnenuntergang stehen , welche schon einmal gedonnert haben , und von denen Ihr veranlaßt worden seid , zu mir herauf zu steigen , nicht über dieses Haus und überhaupt über keine Gegend einen Regen bringen werden . Sie werden sich vielleicht , wenn die Sonne tiefer kömmt , verteilen , und werden zerstreut am Himmel herum stehen . Abends werden wir etwa einen Wind spüren , und morgen wird gewiß wieder ein schöner Tag sein . Es könnte sich zwar ereignen , daß einige schwere Tropfen fallen , oder ein kleiner Sprühregen nieder geht ; aber gewiß nicht auf diesen Hügel . « » Da die Sache so ist , « erwiderte ich , » trete ich gerne ein , und harre mit Euch gerne der Entscheidung , auf die ich begierig bin . « Nach diesen Worten trat ich ein , er schloß das Gitter , und sagte , er wolle mein Führer sein . Er führte mich um das Haus herum ; denn in der den Rosen entgegengesetzten Seite war die Tür . Er führte mich durch dieselbe ein , nachdem er sie mit einem Schlüssel geöffnet hatte . Hinter der Tür erblickte ich einen Gang , welcher mit Ammonitenmarmor gepflastert war . » Dieser Eingang « , sagte er , » ist eigentlich der Haupteingang ; aber da ich mir nicht gerne das Pflaster des Ganges verderben lasse , halte ich ihn immer gesperrt , und die Leute gehen durch eine Tür in die Zimmer , welche wir finden würden , wenn wir noch einmal um die Ecke des Hauses gingen . Des Pflasters willen muß ich Euch auch bitten , diese Filzschuhe anzuziehen . « Es standen einige Paare gelblicher Filzschuhe gleich innerhalb der Tür . Niemand konnte mehr als ich von der Notwendigkeit überzeugt sein , diesen so edlen und schönen Marmor zu schonen , der an sich so vortrefflich ist und hier ganz meisterhaft geglättet war . Ich fuhr daher mit meinen Stiefeln in ein Paar solcher Schuhe , er tat desgleichen , und so gingen wir über den glatten Boden . Der Gang , welcher von oben beleuchtet war , führte zu einer braunen getäfelten Tür . Vor derselben legte er die Filzschuhe ab , verlangte von mir , Daß ich dasselbe tue , und nachdem wir uns auf dem hölzernen Antritte der Tür der Filzschuhe entledigt hatten , öffnete er dieselbe und führte mich in ein Zimmer . Dem Ansehen nach war es ein Speisezimmer ; denn in der Mitte desselben stand ein Tisch , an dessen Bauart man sah , daß er vergrößert oder verkleinert werden könne , je nachdem eine größere oder kleinere Anzahl von Personen um ihn sitzen sollte . Außer dem Tische befanden sich nur Stühle in dem Zimmer und ein Schrein , in welchem die Speisegerätschaften enthalten sein konnten . » Legt in diesem Zimmer « , sagte der Mann , » Euern Hut , Euern Stock und Euer Ränzlein ab , ich werde Euch dann in ein anderes Gemach fahren