daß er in seinen jungen Jahren hat das Wollkardätschen erlernen müssen . « Ein rascher Hufschlag unterbrach das Gespräch . Der jüngere Müller trat ans Fenster . » Was der Sonnenwirt noch stet auf dem Gaul sitzt « , bemerkte er . » Er muß einen guten Handel gemacht haben ; er sitzt so aufrecht und trägt die Nase so hoch . « Nun kam die Hausfrau herein mit einem weißen Tuch auf dem Arm . Ihr folgte Magdalene mit dampfenden Schüsseln . Ein Tisch in der andern Ecke des Zimmers wurde gedeckt und das Essen aufgetragen . Das Gesinde erschien , Knechte und Mägde . Draußen hörte man die befehlende Stimme des Hausherrn . Endlich trat er selber ein , untersetzt und etwas beleibt , in Gestalt und Angesicht seinem Sohne ähnlich . Aus seinen Gesichtszügen sprach derselbe Trotz , derselbe Eigensinn , nur daß dieser Ausdruck bei ihm , dem gebietenden Herrn des Hauses , mehr das Bewußtsein der anerkannten Rechtmäßigkeit und eben darum auch mehr herrische Strenge hatte . Wenn man jedoch sein Gesicht näher prüfte , so fand man , daß die innere Naturkraft nicht so groß war als das Ansehen , das er sich geben zu müssen glaubte . Er grüßte die Gäste kurz und setzte sich ohne viel Umstände mit seinen Hausgenossen zu Tische . Für ihn wurde besonders aufgetragen , und ein Teller mit Besteck lag vor ihm , während die andern alle , die Hausfrau nicht ausgenommen , gemeinsam aus der Schüssel speisten . Unter dem Geklirr der Löffel flüsterten die Gäste zusammen , und manche bittere Bemerkung , manche boshafte Spottrede wurde den Essenden , ohne daß sie es hörten , als Tischsegen zugeworfen . » Der Sonnenwirt meint , man müsse es für eine Gnad halten , wenn man nur in seinem Haus noch trinken dürfe « , sagte der ältere Müller . » Wenigstens ein anderer Wirt « , erwiderte der jüngere - » wenn er auch noch so hungrig und durstig ist , setzt er sich ein Vaterunser lang zu den Leuten hin , und wenn er auch weiter nichts sagt als : Auch hiesig ? und Tut ' s so beieinander ? und Wohl bekomm ' s ! so sieht man doch , daß er Lebensart hat , und dann kann er ja wieder aufstehn und seinem Geschäft nachgehen . Aber der ! Ja , wenn wir Pfarrer wären oder Schreiber , so würd er sich eine Ehr draus machen . Aber wir sind eben nicht weit her , wir sind ja bloß seine Mitbürger . « » Seht nur die Alte , Vetter ! « sagte der ältere und stieß ihn an . » Seht , wie sie ihren Leuten auf die Mäuler guckt , wie sie ihnen die Bissen zählt , wie sie dem Löffel , der aus der Schüssel kommt , mit den Augen nachfolgt . Was sie für ein Gesicht macht , wenn sie meint , es hab eins zu vollgeladen oder komm zu oft angefahren . « » Halt , jetzt ist die Sippschaft erst vollständig , jetzt kommt der Freier ! « unterbrach ihn der jüngere , verstohlen mit dem Finger auf einen Mann mit spitzem , knochigem Gesichte deutend , der , mit einem hellgrünen Leibrock angetan , ins Zimmer trat und sich nach einer stattlichen Begrüßung an einen Tisch zunächst dem Speisetisch setzte . » Schau , schau ! Der grüne Chirurg ! « erwiderte der andere . » Der macht Kratzfüß ! Was die Alte ihr Spinnengesicht umwandelt , als ob sie Honig und Marzipan gefressen hätt . Sogar der Sonnenwirt nickt ihm freundlich zu , die Sache muß richtig sein . Aufgepaßt , Vetter ! Seht Ihr , wie ihm die Alte ein Tellerlein füllt , und zwar von des Sonnenwirts eigenem Essen . Ja , ja , mit Speck fängt man Mäuse . Was er Komplimente macht ! Er will ' s nicht annehmen , aber die Essensstunde hat er sich wohl gemerkt , der Schmarotzer . « » Er will eben von der Gelegenheit profitieren , solang sie da ist . Er weiß wohl , daß nicht alle Tag Kirchweih ist . Wenn er einmal ernstlich angebissen hat , so wird man ihm das Gasthütlein schon herunterziehen , und dann kann er die Finger darnach lecken . « » Ihr könnt die Leute recht heruntermachen « , sagte der Fischer . » B ' hüt Gott beieinander , ich will nur heimgehen , sonst werd ich noch angesteckt . « » Gut Nacht , Fischerhanne , und halt reinen Mund . « » Wes Brot ich ess , des Lied ich sing ! « versetzte der Fischer etwas zweideutig und wandte sich mit einem » G ' segn ' Gott « , das er dem Speisetische zurief , nach der Türe . In diesem Augenblick ging die Türe auf , und herein trat der Sohn des Hauses . Aus seinem von der Wanderung geröteten Gesichte leuchtete das verklärende Gefühl einer guten Tat , einer Tat , welche dem Himmel die erste Genugtuung für bisher begangene Fehltritte darbieten sollte . Dieser Ausdruck gab seinem Gesicht eine auffallende Ähnlichkeit mit den Zügen seiner Schwester . Da stieß er unter der Türe auf den Fischer , der ihm wie ein böses Vorzeichen entgegentrat , und sein Gesicht verfinsterte sich . Einen Augenblick maß er ihn schweigend mit den Augen . » Du auch da , Giftmichel ? « sagte er , indem er an ihm vorüberging . Der Fischer fletschte die Zähne gegen ihn und machte sich hinaus . Friedrich blieb ein wenig stehen , um sich zu sammeln ; dann näherte er sich dem Tische und trat zu seinem Vater , der bereits durch einen Wink der Frau auf ihn aufmerksam gemacht worden war und ihm schweigend entgegensah . » Grüß Gott , Vater ! « redete er ihn an . » Da bin ich wieder und versprech Euch , daß es mit Gottes Hilfe nun anders