« - » Die Dame , die neben ihm sitzt , ist seine Frau . - Schöne Geschichten ! « » Das wäre schrecklich ! « rief das junge Mädchen aus . » Was ist da zu thun , Therese ? O deute nach ; du mußt mir helfen ! « Diese blickte , ohne eine Antwort zu geben , noch eine Zeit lang in das erleuchtete Haus , dann trat sie einen Schritt zurück und auf ihrem schönen Gesichte zeigte sich ein finstres Lächeln . Sie preßte die Lippen zusammen , stemmte die rechte Hand in die Hüfte und fuhr mit der Linken über die Stirne , während sie eifrig nachzudenken schien . - » Ja ja , es wird gehen , « sagte sie nach einer längeren Pause . » Warte , Heuchler ! « » Du kennst ihn also ? « fragte Marie . » O ja , ich kenne ihn , obgleich ich ihn nie gesprochen . Das ist einer von den scheinheiligen Bösewichtern , welche die Achsel zucken , wenn man nur vom Ballet spricht ; mit dem Haus habe ich überhaupt eine Geschichte abzumachen . Du weißt , meine Schwester ist eine Nätherin ; sie suchte die Kundschaft dieses Hauses nach ; Madame war nicht abgeneigt dazu , und meine Schwester glaubte schon so glücklich zu sein , dort hie und da etwas verdienen zu können . Der Herr aber meinte , eine Arbeiterin von unbescholtener Familie wäre ihm lieber . - Von unbescholtener Familie ! « setzte die Tänzerin hinzu und biß ihre Zähne übereinander . » Das war vor vier Jahren , und die Aeußerung ging allein auf mich , und war ich doch damals so unbescholten wie nur eines der jungen Mädchen auf allen Gallerien ; aber ich war eine Tänzerin und somit ein verlorenes , bescholtenes Geschöpf . - Doch wir wollen uns revanchiren ! « » Was soll ich aber thun ? « » Vorderhand sollst du nichts thun , und mir nur genau berichten , wie die Angelegenheit steht , « antwortete Therese . » Aha ! « fuhr sie spöttisch lachend fort und machte einen tiefen Knix gegen den Vorhang , » man will sich mit dem Ballete einlassen - gut denn ! ich erkläre dir da oben den Krieg ; du sollst einen heftigen Kampf haben und keine Schonung . « Fünftes Kapitel . Clara . Wie alles in dieser Welt ging auch das Ballet zu Ende ; der Liebhaber der Braut wurde auf die eine oder andere Art tanzgemäß weggeschafft , der Herzog verzieh , und im letzten Akt fand eine ungeheuer glänzende Vermählung statt , wozu der magere Tänzer mit der ersten Tänzerin einen Pas de deux nach allen Regeln der Kunst tanzte . Eines bemühte sich , seinen Körper noch unschöner zu verdrehen als das Andere , und beide zusammen strebten darnach , dem Publikum zu beweisen , zu welch erstaunlich unzweckmäßigen Wendungen und fürchterlichen Verzerrungen man die menschlichen Glieder mit Kunst und Ausdauer zu bringen im Stande sei . Namentlich der magere Tänzer setzte Alles in Erstaunen , und man hätte darauf schwören mögen , er habe im Rücken ein besonderes Gelenk und seine Kniee können sich wie bei einem Nürnberger hölzernen Collegen einwärts und auswärts biegen . Dabei überboten sich beide in übermäßigen Pirouetten und wahnsinnigen Sprüngen . Schnellte die Tänzerin bei einer sanften Melodie einen Schuh vom Boden empor , so brachte es der Tänzer mit Pauken , Trompeten , mit Tschambidibam und Bumbidibum , mindestens auf zwei und einen halben . Und hiebei nicht genug , daß er mit Gottes Hülfe wieder auf seine Füße niederfiel : er machte auch während des Herabfallens die schauerlichsten Versuche , schief gegen den Fußboden zu kommen , was vielleicht außerordentlich schwierig , jedenfalls aber sehr häßlich war . Dazu spielte die Musik immer toller , Tänzer und Tänzerin lachten immer krampfhafter gegen einander und gegen das Publikum ; zuletzt hatte die ganze Geschichte etwas Hexenartiges und man konnte der Befürchtung nicht los werden , es sei für die Beiden da oben hier auf Erden Alles vorbei , irgend ein gespenstiger Wirbelwind führe sie fort in unabsehbare Weiten nach öden , unendlichen Haiden , und dort müßten sie sich ohne Publikum fort drehen , immer fort bei Sonnenschein und Mondeslicht ; oder plötzlich säßen sie à cheval auf ein paar tüchtigen Besenstielen und führen rechts und links in die Luft auf . Doch ehe es zu diesem fürchterlichen Ende kam , fiel glücklicher Weise der Vorhang , das : Publikum applaudirte und verließ alsdann stürmisch das Theater . Auf der Bühne wurden die Lampen ausgelöscht und schon nach einer Viertelstunde lagen die vorhin noch so erhellten und belebten Räume in nächtlichem Dunkel und tiefem Schweigen da . Wenn einer der alten Zimmerleute , der über die Bühne hinweg und nach Hause ging , zufällig hustete , so schallte es gerade in dem weiten leeren Hause , als habe oben auf der vierten Gallerie eine sehr bekannte Stimme ebenfalls gehustet . Die Garderoben allein waren noch voll Leben , Licht und Bewegung . Letztere aber hatte nichts mehr von der ruhigen Emsigkeit des Anziehens ; man sah keine Tänzerinnen mehr behaglich vor dem Spiegel stehen , wie zu Anfang des Stückes ; jede beeilte sich mit dem Ausziehen , streifte Leibchen und Röcke herunter so rasch wie möglich und schlüpfte in ihre gewöhnlichen Kleider . Die Tricots auszuziehen , hätte für jetzt viel zu viel Zeit in Anspruch genommen , weßhalb die meisten sie anbehielten , Strümpfe und Schuhe darüber zogen und durch diese kleinen Kunstgriffe in einer unglaublich geschwinden Zeit zum Nachhausefahren bereit standen . Schwindelmann erschien an der Thüre und die , welche zuerst fertig waren , wurden auch zuerst nach Hause geführt ; daher auch der Wetteifer , mit welchem das Auskleiden vor sich ging . Demoiselle Clara hatte ihre Toilette mit größerer Ruhe gemacht , Tricots , Schuhe und was dazu gehört , ausgezogen und ordentlich hingelegt , alsdann ihre