stockte er anfangs . Doch Ines war zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt , um darauf zu merken . Er hatte vollendet . Doch schien es , als habe er seiner Mutter noch eine andere Mittheilung zu machen , über deren Einkleidung er nur noch zweifelhaft war . Er erwählte den kürzesten Weg . - Ich werde Dich Morgen verlassen , Mutter - sagte er mit niederschlagenden Augen und leiser Stimme . - Verlassen ? Ich verstehe Dich nicht . - Auf einige Wochen - oder Monate - oder - - Und wohin willst Du gehen ? - fragte Ines erstaunt . - Nach dem Norden , in eine große Stadt . Berlin , glaube ich , heißt sie . - Und morgen schon ? das ist hart von Angelikus , uns so schnell und gerade jetzt wieder zu trennen . - Der Tio weiß nichts davon , Mutter . Es ist mein eigener Entschluß . - - Dein eigener Entschluß ? ! So geht Er auch nach dem Norden ? - - - - Ich weiß es nicht . Aber sie geht nach dem Norden . - Nur mit Zittern brachte er diese Worte heraus . - Sie ? - fragte erstaunt Ines , die an Lydia nicht mehr dachte , jetzt aber genauer nachforschte . Salvador erzählte das Zusammentreffen zwischen Lydia , dem Fürsten und dem Pater noch einmal . Jetzt begriff sie seinen » Entschluß « und war sehr bestürzt darüber , nicht nur , weil sie sich von dem Sohne ungern , zumal jetzt , trennte , sondern besonders , weil sie die Gewalt fürchtete , die eine so frühzeitige Liebe über ihn ausüben würde , und die ihn vielleicht von ihrem gemeinsamen Plane , wenn nicht entfremden , so doch für einige Zeit entfernen könnte . Sie versuchte ihm das Zwecklose seines Unternehmens darzustellen . Vergebens , er blieb fest und bat seine Mutter , nicht ferner in ihn dringen zu wollen . Er könne nicht anders . Eine innere Stimme sage ihm , daß sein » Entschluß « gut und nützlich sei . Auch werde Pater Angelikus schon dafür sorgen , daß Ines ihm bald nachfolgen könne . Während sie eben im Begriff war , das letzte Mittel - die Erinnerung an seinen ihr geleisteten Schwur - anzuwenden , um ihn zum Bleiben zu zwingen , trat Pater Angelikus ein und sah mit erstauntem Blick bald auf den entkleideten Salvador , bald auf die am Boden liegende Livree . - Was bedeutet das , mein Sohn ? - fragte er mit leisem Stirnrunzeln , nachdem er Ines mit einem warmen Händedruck begrüßt hatte . Salvador bückte sich , die Stücke aufzuheben , um sein Erröthen zu verbergen . - Ich bin gekommen , theure Ines - fuhr der Pater fort , ohne die Antwort des Knaben abzuwarten - nun Euch auf eine neue Trennung von Eurem Sohne vorzubereiten . Er wird schon morgen in Begleitung zweier Damen nach Berlin reisen . Salvador horchte hoch auf . Sein Herz klopfte ungestüm , doch wagte er nicht zu fragen , was für Damen es seien , mit denen er reisen solle . Während Salvador sein bescheidenes Bündel packte , und vor allen Dingen seine Schärpe und seinen Dolch sorgfältig einwickelte , theilte Angelikus mit leiser Stimme Ines die Gründe mit , die ihn bewogen hätten , ihren Sohn als Begleiter Alicens und Lydias nach Berlin reisen zu lassen . Diese Gründe mußten wohl sehr überzeugender Natur sein , denn Ines drückte befriedigt beim Abschiede dem Pater die Hand , preßte Salvador einen Kuß auf die Stirn und empfahl sie Beide dem Schutze ihres Heiligen . VI Es schlug gerade Mitternacht , als der Pater und Salvador durch die stillen Straßen der Vorstadt wandelten . -- Salvador - sagte jener mit ernster Stimme - Du bist heute zwei Mal ungehorsam gewesen . Deine Heftigkeit kann uns Alle ins Verderben stürzen . Du mußt Dich beherrschen lernen , mein Sohn ; nur durch Selbstbeherrschung gelangt man zum Ziel , präge Dir das wohl ein . Und nun merke auf . Du kennst jetzt den Fürsten , Du wirst ihm gefolgt sein und seine Wohnung erspäht haben . Daß Du nach jener unvorsichtigen Scene auf dem Perron nicht in seine Dienste einzutreten versuchen würdest , konnte ich mir leicht denken . Es ist auch besser so , wie es jetzt ist . Aber das ist nur ein Zufall , daß es besser ist , ein Zufall , der Dich nicht berechtigt , abermals ungehorsam zu sein . - Habe Acht , was ich sage . Du wirst um 2 Uhr wieder auf dem Perron oder vielmehr in der Nähe sein , damit Du nicht gesehen wirst ; Du wirst Acht geben , ob der Fürst um 2 Uhr 20 Minuten ins Haus geht ; hörst Du ? genau 2 Uhr und 20 Minuten . Es ist nothwendig , daß Du auch die nächste Querstraße rechts vom Hause beobachtest . Dort ist ebenfalls ein Eingang . Wenn er hinein ist , so merkst Du Dir genau die Zeit , während welcher er darin bleibt . Es ist sehr wahrscheinlich , daß er nicht aus derselben Thüre herauskömmt , durch die er hineingegangen . Richte Dich darnach . Sobald er das Haus verlassen , eilst Du zu mir und stattest mir genauen Bericht ab . Salvador versprach Alles getreulich zu erfüllen . Doch war seine Neugierde in Betreff der beiden Damen zu groß , als daß er nicht wenigstens die schüchterne Frage wagen mußte , ob er nicht die Eine davon bereits gesehen . - Was kümmert Dich das ? - fragte lächelnd der Pater , indem er ihn forschend anblickte . - Allerdings , die Eine von Ihnen ist dieselbe , welche Du nach der Kirche begleitet , und zwar ohne meine Erlaubniß . - Und nun sei wachsam und lasse die überflüssigen Gedanken fahren . Gute Nacht . Der fromme Pater hatte seine guten Gründe , weshalb ihm