je ne sais quoi , das mich agacirte . Er selbst war dermaßen ennuyirt und blasirt , daß es fast das non plus ultra dieses Genres war ; aber ich habe nie einen Mann besser gekleidet gesehen als ihn , nie einen Mann gekannt , der so vollkommen Gentleman war als er . Er hatte nie versucht sich an die Stelle meines Mannes zu drängen , so lange er mich in gutem Einverständniß mit diesem wähnte , nie daran gedacht , die Rechte streitig zu machen , welche ich Servillier später zugestand . Dazu war er zu delicat , aber dennoch glaubte ich , daß er sie beneide , daß er mich liebe und daß ein Blick , ein Wort von mir ihn glücklich und elend machen könne . Als Servillier abgereist war und ich am nächsten Morgen auf der Promenade des Lords Arm annahm , war er ganz bewildert von diesem Glücke und nahm es als ein Signal , mir von nun an ausschließlich seine Zeit zu weihen . Anfangs quälte mich sein Phlegma unbeschreiblich , seine grenzenlose Schweigsamkeit impatientirte mich , bald aber fand ich darin einen Reiz , den ich nie in der Impetuosität des Vicomte empfunden hatte . Was kann ein Mann uns sein , der uns unablässig die Gefühle seines Herzens enthüllt , der nichts Verborgenes in seiner Seele hat , den wir auswendig wissen ? Mit dem Lord war das ein Anderes . Er sprach halbe Tage lang gar nicht und da ich dennoch fest von seiner Liebe überzeugt war , so lag ein eigenthümlicher Zauber für mich darin , in seinem stillen , kalten Antlitz nach den Gedanken , nach den Gefühlen zu spähen , von denen er bewegt war . Oft saß er mir dann Stunden hindurch gegenüber und der schaukelnde Stuhl und ein leises Gähnen verriethen mir , daß er lebe . Ich respectirte dies Gähnen ; es war nicht , wie bei meinem Manne , das Gähnen nach der Arbeit und Ermüdung des Tages , das Gähnen der Theilnahmlosigkeit , das mich so unsäglich in ihm beleidigt hatte ; es war jenes erhabene Gähnen der Blasirtheit , der Leere , der tödtlichsten Langeweile , das mir sympathisch war , das ich vollkommen begriff . O ! und es ist auch ein Unterschied zwischen dem Gähnen des Liebhabers und dem Gähnen eines Ehemannes ! Das Eine reizt unsere Eitelkeit , das Andere vernichtet sie ; das Eine belebt uns , das Andere ist der Tod . Lord Ermanby ' s Blasirtheit interessirte mich , denn sie war der Reflex meiner eigenen Leiden . Ich hatte Erbarmen mit ihm , ich beschloß , Alles daran zu setzen , diesen Unglücklichen zu galvanisiren durch die Macht meiner Gefühle , ich wollte ihn glücklich machen und darin vielleicht selbst eine Befriedigung finden . Man sprach in jenen Tagen unablässig von Servillier ' s Verabschiedung und von meiner neuen Liaison mit dem Lord . Mein Mann mochte es für angemessen halten mich darüber zur Rede zu setzen und trat eines Abends mit aller Majestät eines beleidigten Gatten in mein Zimmer , als Rosalinde grade einem neu engagirten Kellner die Arrangements für meinen Theetisch zu machen zeigte . Der Graf hieß die Dienerschaft sich zu entfernen , der Kellner zögerte und es frappirte mich , daß er mit einer Art von Angst abwechselnd den Grafen und mich betrachtete ; indessen währte das nur einen Moment , da Rosalinde ihn mit sich hinauswinkte . Kaum waren wir allein , als der Graf sich förmlich in Position setzte , um mir in aller Form zu imponiren . » Diogena ! « sagte er , » wir sind kaum zwei Monate verheirathet und schon ist jedes Band der Liebe zwischen uns zerrissen . Wie soll das werden für die Zukunft ? « » Handle nach Deinem Belieben , wie Du es ja auch jetzt thust ! Oder hindere ich Dich etwa dem blonden Fräulein zu folgen von früh bis spät ? « sagte ich stolz . » Du bist prächtig in diesem Stolze , Diogena ! « fuhr Bonaventura auf . » Du ! Du wagst es mir Vorwürfe zu machen ? Und war es nicht Deine caprizieuse Kälte , war es nicht Deine ganz wahnsinnige Exigence , die mich von Dir trieben und meine Neigung für Dich erkalten machten ? Zwei Monate sind wir verheirathet und schon ist der Vicomte verabschiedet und der Lord an seine Stelle getreten , des immobilen Fürsten nicht zu gedenken ! « » Und wer will es mir verargen , wenn ich in der Immobilität des Fürsten mehr Reiz finde , als in Deiner Beweglichkeit , die sich durch den geringsten Schatten am Himmel meiner Liebe verscheuchen läßt ? « fragte ich spöttisch , denn es indignirte mich , daß Bonaventura , der mir kein Glück gewährt hatte , es wagte , mir Vorwürfe zu machen , weil ich es anderwärts suchte . » So wirst auch Du es begreiflich finden , daß ich , wenn schon nicht Glück , so doch Zerstreuung suche , und Herrn von Elsleben und Aurora auf einem Ausflug in den Elsaß begleite , bei dem ich Deine Anwesenheit nicht fordere . Auch bist Du ja unter dem unwandelbaren Schutze des unwandelbaren Fürsten , und also besser geborgen , als durch die Liebe eines wankelmüthigen Mannes , wie ich ! - Ich reise morgen früh ! « Mit den Worten verließ er mich und ich trat auf den Balkon hinaus , der in den Garten ging , da sah ich den Lord lang ausgestreckt auf einer Bank unter meinem Fenster liegen , das Lorgnon in das rechte Auge geklemmt , die Cigarre im Munde , sehnsüchtig nach meinem erleuchteten Fenster emporblicken . Er stand auf , grüßte mich und ging von dannen . Der Gruß that mir wohl , denn in jener Stunde bedurfte ich eines Liebeszeichens , weil ich traurig war . In der Morgendämmerung hörte ich den Wagen des Grafen über den Hof rollen und seine