, nach Sorrent . Uebersättigt vom Gesellschaftstaumel verließ ich Paris - vom Kunsttaumel Rom . In Sorrent warf ich mich in den Liebesrausch . Währte er nicht länger als die beiden anderen , so war er wenigstens süßer . Wir mietheten für den ganzen Sommer ein kleines schlichtes Haus , das von einem Orangengarten umgeben und von der Stadt abgesondert war . Die Terrasse vor demselben breitete sich auf einem Felsen aus , der unmittelbar und schroff ins Meer hinabfiel . Der zauberische Golf von Neapel , die reizenden Küsten des Landes , die wilden Formen der Insel Capri , die phantastischen Felsen , Grotten und Hölen des Sorrentinischen Ufers - waren die feenhaften Bilder , welche sich vor unserm Häuschen ausbreiteten . Damals verband keine Chaussee Sorrent mit Castelamare ; nur zu Fuß und zu Maulthier auf köstlich wilden Felsenpfaden , oder im Nachen konnte man es erreichen . Die Reisenden versäumten freilich nicht Sorrent und Tassos Haus zu besuchen , nach Capri zu schiffen und über das Gebirg nach Amalfi zu ziehen - allein es geschah ohne den brutalen und alltäglichen Tumult einer staubigen Poststraße , ohne Wagengerassel und Peitschenknall , ohne die gräßlichen Bequemlichkeitserfindungen der gegenwärtigen Menschentransporte . Es gab Momente , Tage , in denen man sich abgeschieden von der Welt da draußen fühlen konnte , verzaubert auf irgend ein seliges Atlantis ; und kamen Reisende , so liehen ihre Züge der Gegend ein gewisses malerisches Interesse : hier saßen elegante Frauen ganz befremdet auf Eseln - dort trieben kecke Reiter vergeblich bedächtige Maulthiere zu schnellerem Schritt an - dort saß unter einem Oelbaum eine Gruppe von malenden und zeichnenden Dilettanten - hier wanderten rüstige Fußgänger mit dem Ränzelchen auf dem Rücken - da kletterte ein Botaniker oder ein Mineralog mit den Ziegen um die Wette über Felsabhänge - hier hatte ein studirender Landschaftsmaler unter einem riesigen Sonnenschirm sein kleines ambulantes Atelier aufgeschlagen - das Alles betrachteten wir aus der Ferne als Staffage des wundervollen Gemäldes , mit dem ich , was Reiz und Lieblichkeit betrift , kein anderes vergleichen kann . O ihr Tage von Sorrent ! ihr wart die süßesten meines Lebens . Ja ja , ihr müßt es gewesen sein , denn in der Erinnerung und mit der unerbittlichen Kritik der Gleichgültigkeit vermag ich nichts aufzufinden was euch entzaubern könnte . Als ihr mich umfingt suchte ich nicht das unbekannte Gut , das mich zu rastloser , wilder , thörichter Pilgerschaft zu irgend einem geträumten Heiligenbilde trieb . Bei euch hatte ich die Oasis gefunden , in der sich die lechzende Seele auf Blumen bettete . Ueber euch wehten erquickende Lüfte , euch umrieselten frische Bäche , um euch gingen lichtere Gestirne auf . Ich vergaß zu fragen ob es Schöneres und Höheres gebe ; ich genoß unbefangen das Dasein : darum war ich glücklich . Es war ein Sinnenglück - ja ! eine Schwelgerei in den materiellen und doch ätherischen Essenzen , welche die Seele umfließen und tragen - ja ! ein Genuß der Schönheit , die durch alle Poren wie ein magnetisches Fluidum drang und das Wesen in tiefere mystische Verbindung mit dem Wesen der Natur brachte - ja ! Ich war ganz allein mit Paul ; wir sahen Niemand , wollten Niemand kennen lernen . Die Natur mit ihren immer wechselnden Schauspielen ist keine Zerstreuung für zwei einsame Menschen , sondern bewirkt ihre innigere Vereinigung . Im contemplativen Genuß einer Mondnacht , eines Meersturmes , eines Sonnenuntergangs - oder bei Streifereien durch Schluchten und Thäler , über Felsen und Klippen - bei Wasserfahrten auf den phosphoreszirenden Wellen in heißer stiller Mitternacht - welche magische Berührungen gehen da von Seele zu Seele ! mit einem Augenblitz , einem tieferen Athemzug , einem Wink des Fingers fliegen ganze Gedankenreihen , ganze Gefühlsketten mit elektrischer Spontaneität aus dieser Brust in jene ! mit einem leise geflüsterten Wort thut sich eine Unendlichkeit für die Sehnsucht , ein Paradies für die Erinnerung auf ! mit einem Kuß senken sich Extasen aus übersinnlichen Sphären in die Sinnenwelt hinein , wie Mond und Sterne sich zitternd ins Meer senken um verklärt daraus hervor zu stralen - wie die Sonne sich in lichte Wolken senkt um sie in Rosen und goldne Kugeln zu verwandeln - wie eine mystische Essenz in den Felsenspalt dringt um als Diamant daraus aufzuleuchten . - O ihr Liebenden ! warum verlaßt ihr die Einsamkeit ! nur einsam könnt ihr das Leben der Liebe leben - sobald ihr vom Leben der Welt gefangen seid , werdet ihr zu dessen Sclaven . Ihr müßt aufstehen und schlafen gehen wie die Andern , essen und trinken , euch kleiden und euch unterhalten , loben und tadeln , denken und sprechen , lieben und hassen wie die Andern ! ihr müßt Besuche machen und empfangen , spazieren fahren , Billets schreiben , Romane und Zeitungen lesen , Toilette machen , Fadaisen hören , Banalitäten sagen - und das Alles verabscheut die Liebe ! Bleibt doch einsam ! - - - Und wenn wir ' s bleiben , wird sie uns nicht verlassen ? - - Versucht es ! - Vielleicht ist euer Herz ein » Gefäß der Ehrer « in welchem sich die himmlische Manna in primitiver Frische erhält . - - - So lebten wir : mit der sinkenden Sonne begann unser Tag . Die Terrasse war durch Segeltuch in ein geräumiges Zelt - und dies Zelt durch bequeme Sessel und Ottomanen , durch große Tische mit Büchern und Portefeuilles , durch eine Harfe und viele Blumentöpfe in einen sehr bequemen Salon verwandelt . Da frühstückten wir um sechs Uhr Abends , und machten einen Spaziergang nach irgend einem Lieblingsplatz um den Sonnenuntergang zu sehen und die Abenddämmerung zu genießen . War es finster geworden , so kehrten wir heim ; unser Zeltsalon war mit Lampen erleuchtet ; ich spielte die Harfe , Paul las ; wir trieben eifrig das Studium der italienischen Sprache in ihren Dichtern ; wir übersetzten zuweilen eine Stanze Ariostos oder Tassos