verwundert , die Dame im schwarzen schlichten Kleide , die in sanfter Nachlässigkeit in den Wagenkissen lehnt , sei die junge , reiche Geheimräthin von Meining , die Frau eines unserer berühmtesten Männer , der sie unaufhörlich mit Schmuck und Putz überhäuft . Weißt Du , lieber Schatz ! daß Du damit Deinem Manne zu nahe trittst ? Man muß ja glauben , daß Du nicht glücklich bist , wenn Du Dich so aufgiebst . Die junge , schöne Frau eines alten Mannes , die so schmachtend aussieht und jeden Schmuck verschmäht , muß man durchaus für unglücklich halten . Aber Scherz bei Seite ! bist Du denn glücklich verheirathet ? Ich konnte mir gar nicht denken , daß Du Dich jemals einem so alten Manne verbinden könntest . Wie lebst Du denn eigentlich mit Deinem Manne ? Siehst Du das nicht , Marianne ? sehr zufrieden . Meining ist nicht mehr jung , aber er ist so gut , so geistreich , so brav und hat mich so lieb , daß mir gar Nichts zu wünschen bleiben kann . Und in der That ! jung bin ich ja auch nicht mehr ; Meining ist dreiundfünfzig Jahre , aber ich bin auch schon dreißig Jahre alt , und damit ist man eben keine junge Frau . Marianne lachte laut auf . Als ob ich jünger wäre ! und doch behandelt mich mein vierunddreißigjähriger Mann ebenso wie er unsere kleine Nanny behandelt ; nur daß er gern möchte , die Kleine lernte sprechen und ich schweigen . Mutter und Tochter verrathen aber wenig Anlage zu den Eigenschaften , die man ihnen wünscht . Schade überhaupt , daß Du nicht meinen Mann geheirathet hast . Er ist bezaubert von Deinem ruhigen Anstande , von Deinem verständigen , geistreichen Wesen , und als der Geheimrath neulich erzählte , daß Ihr in Heidelberg ganz wie die Einsiedler gelebt hättet , und wie häuslich Du eigentlich wärest , schien das meinem Manne der Gipfel des Glücks zu sein ; während ich mir fest vornahm , Dich für die fabelhafte Langeweile zu entschädigen . Was hast Du denn eigentlich dort angefangen ? Oh ! ich habe dort sehr angenehm gelebt ! Besonders scheint es mir in der Erinnerung so . Freilich war ich viel allein - aber hier sehe ich Meining fast gar nicht ; und wenn mich auch augenblicklich das Leben in der Gesellschaft noch unterhält , so werde ich seiner doch bald wieder müde werden und Meining vielleicht noch früher als ich . Dann beginnen wir wahrscheinlich unser stilles Leben wieder , und Du kannst dann selber sehen kommen , wie wir ' s eben treiben . Um Alles nicht ! lieber Engel , damit bleibe mir fern . Sage mir nur in aller Welt , was Du solch einen langen Tag hindurch beginnst ? Ich stürbe bei dem bloßen Gedanken an solche einsame Glückseligkeit . Ich habe gelesen , liebste Marianne ! Habe selbst den Haushalt besorgt , Mariens Kinder unterrichtet , und damit ist mir die Zeit vergangen . Ich bin ja immer gern zu Hause gewesen . Marianne lächelte , sah der Freundin fest in ' s Auge und sagte mit schmeichelnder Stimme : Erlauben Sie , gnädige Frau ! daß ich an allen Ihren Worten zweifle . Mir ist es vorgekommen , als hätten Dero Gestrengen , was man so nennt , eine unglückliche Liebe gehabt , und als hätten Sie sich nachher aus - nun aus dépit amoureux verheirathet . Sie hielt plötzlich inne , da sie sah , daß die Geheimräthin die Farbe wechselte und ihr die Antwort schuldig blieb , wie man sie einem zudringlichen Kinde weigert ; und als könne sie eine Ungeschicktheit durch die zweite vergessen machen , rief sie : Ich schwöre Dir , ich habe es in der That geglaubt , als ich Dich kennen lernte , aber ich habe nie gewagt , Dich damals darum zu befragen . Nur Frau Thalberg bin ich , ehe sie Berlin verließ , einmal deshalb angegangen , weil Du mit ihr früher so bekannt warst , und sie sagte mir , sie hätte nie davon gehört . So wollte ich Dich ' s heute einmal selber fragen , und da wirst Du böse ! Wie ist das nur möglich , bei einer lange abgethanen Sache . Ich hab ' es ja nicht bös ' gemeint ! Es war im Grunde nur ein Scherz - ein Zeitvertreib ! - Ich weiß , ich weiß das ! entgegnete Clementine , die ihrer Aufwallung schnell wieder Meister geworden und bemüht war , der peinlichen Unterhaltung ein Ende zu machen . Sie bat darauf , man möge ihr die kleine Nanny holen lassen , und in dem Tändeln mit dem Kinde verging die Zeit bis zu der Männer Rückkehr . Der Geheimrath aber fand seine Frau verstimmt ; sie klagte über Ermüdung und man brach früher als gewöhnlich auf . Siebentes Capitel Das gesellige Leben bewegte sich rasch und bunt ; Gesellschaften , Theater , Bälle und Concerte wechselten fast täglich mit einander ab , Meining fand , wie er es selbst vorausgesehen , eine große Freude an der Gesellschaft , die ehrenvolle und höchst schmeichelhafte Art , mit der ihm von allen Seiten begegnet ward , freute ihn und regte ihn an ; dazu kam , daß er sich von seinen nähern Bekannten hatte überreden lassen , Karte spielen zu lernen , und er fand darin eine so angenehme Zerstreuung , ein so geistreiches Ausruhen nach der Arbeit , daß ihm schon darum die Gesellschaft lieb wurde , weil er sicher war , dort seine Partie Whist oder L ' hombre nicht zu entbehren . Dadurch sah sich auch Clementine aus der abgeschlossensten Einförmigkeit schnell in eine ganz entgegengesetzte Sphäre versetzt . Der Name ihres Mannes , sein Rang und Reichthum und ihre eigne Liebenswürdigkeit zogen die Blicke auf sie . Man bemühte sich , sie in den Zirkeln zu haben , und der Nachsatz : » kommen Sie