Leben machen . Durch solche Schooßkinder sind wir Alle verletzbar . « » Sollte wirklich großer Kraftaufwand nöthig sein , um sie , wenn sie Verräther waren , hinrichten zu lassen ? « » Vielleicht nicht ! - aber um sie als Verräther zu erkennen - ein großer . Unser ganzes Wesen liegt in der Deutung , die wir den Dingen geben ; die Deutung ist der Keim , woraus unsre Meinung als Stamm entspringt , der sich dann wieder in das zahlreiche Gezweig der Ansichten theilt und verbreitet . Geb ' ich meine Meinung auf , so gestehe ich ein , daß ich statt eines geraden Baumes einen verkrüppelten gezogen habe , der umgehauen werden muß . Wo ich lieblichen Schatten fand , finde ich eine Wüste ; wo Blattgesäusel und Vogelsang - einen öden , todten Fleck . O ich kann ' s begreifen , daß es der Tod sein könne , eine Meinung aufgeben zu müssen . « » Sollte nicht das Bewußtsein der besseren Erkenntniß uns vor der Verzweiflung über den Irrthum schützen ? « » Aber auf der Grenze zwischen jenem Bewußtsein und der Verzweiflung - stirbt man einstweilen . Georg Forster starb aus Gram , am gebrochnen Herzen , als die französische Revolution eine Wendung nahm , die seiner Meinung nicht entsprach . « » Georg Forster war ein enthusiastischer Mensch , dessen Feuereifer ihn aufgerieben haben würde , wenn auch die Revolution all seine Hoffnungen realisirt hätte . « » Ja , Freund ! mehr als Fischblut gehört allerdings dazu , um an etwas Anderem , als am Alter zu sterben . - Aber ein andrer Georg , gewiß kein Enthusiast in der Bedeutung , welche Sie dem Worte beilegen , nämlich der von Frundsberg , ward vom Schlag gerührt , als bei der Eroberung Roms die verwilderten Kriegsknechte seinem Befehl nicht mehr gehorchten . « » Er würde viel besser daran gethan haben , auf irgend eine Weise seinen Einfluß wieder zu gewinnen , als sich todt darüber zu ärgern , daß er ihn verloren . « » Er sah ein , daß seine Zeit aus war , darum starb er ! Als Carl V. sah , daß seine Zeit aus war , d.h. daß er sie nicht mehr beherrschen könne , legte er die Krone nieder . Er mochte nicht zum Schein Kaiser sein und Frundsberg nicht zum Schein Feldherr , weil beide eine hohe Meinung von ihren Würden hegten . « » Sie sind erschrecklich gelehrt mit all Ihren geschichtlichen Beispielen . « » Die geben mehr Nachdruck , als wenn ich nur von unser eins rede . « Clemens hatte während des Gehens einen großen Strauß von Wald- und Wiesenblumen gepflückt . » Er ist prächtig , « sagte Faustine , » aber ich kann unmöglich mit dieser Garbe mich befrachten . « So trug er ihn denn geduldig , und sie nahm ihn nur dann und wann , und drückte ihr Gesicht hinein , als wollte sie es in Duft und Frische baden . Nach einer Stunde waren die Blumen welk , matt und zerknickt . Nichts ist so schnell verwelkt , als eine Waldblume . » Tragen Sie doch nicht mehr die Blumen , « sagte Faustine . Clemens reichte sie ihr . Sie warf sie fort . » O Gott ! « rief er bestürzt , und blieb stehen . » Bester , ich brauche meine Hände nothwendig zum Sprechen , das wissen Sie ja längst . « » Aber ich hätte sie ja gern getragen . « » Sie taugten nicht mehr . Blumen sind nur schön , so lange sie im Zusammenhang mit der Erde sind . Fehlt ihnen der , so haben sie nach fünf Minuten Leichenansehn und Todtengeruch . Ich pflücke nie Blumen . « » Aber diese waren nun einmal gepflückt ! « » So wollen wir sie dem Elemente geben , das ihnen angenehm sein wird für ihren gegenwärtigen Zustand « - - sprach Faustine scherzend , kehrte um , hob den Strauß auf , und warf ihn in den Bach , der äußerst lebendig mit ihm thalab über Stock und Stein sprang . » Den Tanz hätten sich die stillen Blumen wol nicht träumen lassen ! Ob er sie amüsirt ? « » Sie sind recht grausam , Gräfin . « » Und Sie wol gar sentimental ? « » Warum gönnten Sie mir die Blumen nicht ? « » Also Ihretwegen lamentiren Sie ? « rief Faustine und lachte herzlich . » Ich meinte , das Schicksal der Blumen errege Ihr Mitleid , aber Sie bejammern ein verlornes Kräuterkissen , gut gegen Zahnweh oder dgl. Denn daß Sie sie etwa als Andenken an diesen Spaziergang aufheben wollten , kann ich nicht glauben . « » Warum nicht , wenn ich fragen darf ? « sagte Clemens etwas verstimmt . » Weil er dazu nicht wichtig genug war ! wir haben gar nicht über besonders interessante Gegenstände geredet . « » Das thut mir leid - für Sie . Mir ist Alles interessant , was und worüber Sie reden . « » Das ist brav , an Allem Interesse zu finden . « » Keineswegs ist das mein Fall ! nur an Allem , was Sie sagen . « » Da Socrates zu den Füßen einer Diotima lauschend und lernend gesessen hat , so ist ' s wol keine Schmach , wenn ein Mann glaubt von einer Frau profitiren zu können . Nur bin ich leider nicht gescheut und weise genug dazu . « » O « - sagte Clemens ; aber Faustine unterbrach ihn schnell : » Nur keinen Gemeinplatz ! für mich bin ich klug genug - vielleicht ! doch für Andre ganz gewiß nicht . Bei mir darf Niemand in die Schule gehen ; die Praxis des Lebens , das Eingreifen , das Handanlegen , sind mir unerträglich , und die Männer sind dafür , wenn nicht geboren , doch erzogen . Wer nicht arbeitet wie